„Lutzi, wir sind eine Familie!“

Die achte Ausgabe des „ab geht die Lutzi“-Festivals zog über das gesamte Wochenende mehr als 7000 Menschen ins kleine Rottershausen

Atemberaubender Abschluss eines Festival-Wochenendes. „Madsen“ entließen das Publikum mit Gänsehaut in die Nacht. (Foto: Lukas Veth)

Für die Musikfreunde in der Region ging es vergangenes Wochenende Schlag auf Schlag. Das Kult-Festival „ab geht die Lutzi“ hatte erneut zur zweitägigen Mega-Party geladen. Und alle waren sie gekommen: Lieblinge der lokalen Szene wie „Rick Tick Evil“ oder die „Bambägga“, aber auch nationale Größen wie „Itchy“ oder „Madsen“. Mit „The Baboon Show“ zog das Spektakel dieses Jahr sogar Künstler aus dem fernen Stockholm an.

Das Festival trifft mit einer einfachen Formel den Nerv des Publikums: „Was gefällt, das wird auch gebucht.“ (Foto: Lukas Veth)

Manchmal bedarf es eines Blickes von oben, um Dinge klarer und ein echtes Gesamtbild zu sehen. Im Fall des „ab geht die Lutzi“-Festivals in Rottershausen, verschaffte eine Hebetribüne den Akteuren hinter den Kulissen eine solche Gelegenheit. Das, was man da in luftiger Höhe erblicken konnte, bestärkte jedoch den bereits gefestigten Eindruck zu ebener Erde. Diese Veranstaltung gehört zu Unterfranken wie der gute Wein und die atemberaubende Landschaft. Das Generationentreffen vor den insgesamt drei Bühnen hat auch 2017 bewiesen, dass eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft mit viel Willen und noch mehr Muskelkraft Immenses bewegen kann. Insgesamt 18 Bands und sechs DJs sorgten auf drei Bühnen für ausgelassene Stimmung und ließen die Besucher für ein Wochenende den Alltag vergessen.

Ein Highlight, nicht nur für das „Lutzi“-Team, war „ The Baboon Show“ aus Schweden. (Foto: RE ON TOUR)

„Dieses Jahr hat die Veranstaltung noch einmal deutlich zugelegt“, zieht Festival-Chef Christian Stahl am frühen Sonntagmorgen Bilanz. Am gesamten Wochenende dürften es ersten Hochrechnungen zufolge mehr als 7000 Gäste gewesen sein. Überzeugt hätte sie auch so manche Neuerung. „Der erstmals durchgeführte Freestyle-Battle, der am späten Samstagnachmittag auf der Zeltbühne ausgetragen wurde, war ein voller Erfolg.“ Gleiches gelte auch für das neue Bühnenkonzept, das alte Genre-Trennungen zugunsten einer bunten Mischung auf dem Gelände aufgab. „Die Hip Hopper auf der Hauptbühne kamen sehr gut an. Die Zeltbühne wiederum war in diesem Jahr ebenfalls extrem gut besucht.“ Bezahlt gemacht habe sich auch der große Aufwand, der in das deutlich größere Camping-Areal gesteckt wurde. Ganze fünf Hektar umfasste das neue „Besucherdorf“ am Rande des Sportplatzgeländes und war damit gut viermal so groß wie das eigentliche Festivalareal. „Das dürfte nun für einige Jahre ausreichen“, sind sich Stahl und seine Mannschaft sicher.

Österreichs ultimative Rockband „Turbobier“ gaben sich am Freitag auf der „Lutzi“ die Ehre. (Foto: RE ON TOUR)

„Langeweile kommt hier garantiert nicht auf“

Gewürdigt wurde die „Lutzi“ auf dem Areal entsprechend. Viele der campierenden Gäste statteten dem Festival nicht den ersten Besuch ab. „Man kennt einfach jeden auf diesem Platz. Das macht unglaublichen Spaß“, lobt ein junger Mann die Atmosphäre. Ein anderer ergänzt: „Lutzi, wir sind eine Familie!“ Langeweile käme hier garantiert nicht auf. In der Tat gaben sich die „Lutzi“-Camper in diesem Jahr wieder viel Mühe, um das Gelände neben den Bühnen besonders komfortabel und bunt zu gestalten. Diverse Pavillons, bequeme Einrichtungsgegenstände und diverse Spiele sorgten für jede Menge Abwechslung. Natürlich freuten sich alle auf die Headliner „Itchy“ und „Madsen“. Auch „The Baboon Show“ stand, neben den „lokalen Helden“, hoch im Kurs. Doch nicht wenige sagen: „Ganz gleich, ich freue mich auf alles, was kommt!“ Und genau das sei es auch, was die „Lutzi“ auszeichne. Jedwede musikalischen Vorlieben, würden bedient und das zu erschwinglichen Preisen.

Klein, regional und eine liebevoll aufgebaute Location: Die „Lutzi“-Gäste schätzen die Gemütlichkeit. (Foto: Lukas Veth)

Die neue Mischung auf den Bühnen finden viele gar nicht schlecht. „So kann man sich mit Stilen anfreunden, die man bisher nicht so auf dem Schirm hatte“, lautete das Fazit eines Besuchers. „Der Geist der Lutzi macht ja auch aus, dass alles zusammen ist und alle miteinander feiern.“ Gerade von den Neuankömmlingen in der „Lutzi“-Fangemeinde wurde dieser Umstand besonders gelobt. Das kleine fränkische Festival zeige sich ausgesprochen offen. Sofort würde man in die Gemeinschaft aufgenommen, berichten zwei junge Damen, die von ihren Studienkollegen von einem Besuch in Rottershausen überzeugt wurden. „Das ist doch viel schöner, als auf den großen Events.“ Und genau das solle bitte auch so bleiben.

In der Zeltbühne war 2017 mächtig was los. Das Publikum kannte kaum ein Halten mehr. (Foto: Lukas Veth)

„See you on the Danceflor!“: Nico Pusch brachte die „Lutzi“-E-Box am Freitag zum Beben. (Foto: RE ON TOUR)

„Heute sieht die Lutzi noch schöner aus!“

Den gehörigen „Einstand“ in die Mega-Party gab es am Freitagabend auf der Hauptbühne mit „Itchy“, die nach 2013 erneut als Headliner nach Rottershausen kamen. „Wir haben sehr positive Erinnerungen an die Lutzi. Es war ein tolles Konzert vor sehr vielen Leuten. Es war ein sehr sympathisches Publikum“, erinnern sie sich an den letzten Besuch, der mit einer fulminanten Aftershow-Party schloss. „Heute sieht die Lutzi noch ein bisschen professioneller und noch schöner aus“, sind sich die Drei in Anbetracht der vielen kleinen, neuen Details auf dem Gelände einig.

„Wir sind positiv überrascht“, freuten sich „Itchy“ über eine noch schöner gewordene „Lutzi“ (Foto: Lukas Veth)

Dem Trio aus Eislingen an der Fils wurde zu später Stunde ein grandioser Empfang beschert. Schon nach kürzester Zeit tobte das Publikum und ließ so manchen Schuh in die Lüfte fliegen. „Ein sehr gutes Zeichen“, wie ihnen die drei Musiker lachend attestierten. Auch die von Sibbi, Panzer und Max schon „schmerzlich vermisste“ Lutzi ließ es sich nicht nehmen, und stattete ihnen einen Ehrenbesuch auf der Bühne ab. Die Drei hielten es in Franken wie bei ihrer letzten Visite. Erneut wurde ein neues Album mitgebracht – oder besser gesagt ein Vorgeschmack auf „All we know“, das Ende Juli unter ihrer neuen Label-Heimat bei Findaway Records erscheinen wird.
„Gereist wird ab sofort mit dem absoluten Wissen um die eigenen Stärken – und ganz ohne Sperrgepäck“, lobte bereits Ingo Knollmann von den „Donots“ den siebten Streich von „Itchy“. „Wir leben gerade in einer wirklich verrückten Zeit, in der viele schlimme Dinge passieren“, so das Trio mit Blick auf das Album-Cover, das sie mit einer geschwärzten und teils brennenden Zeitung zeigt. Es sei keine Pressekritik. Vielmehr stehe die Zeitung für ein „Brett vor dem Kopf“. Die Welt mache sich aktuell überhaupt keine Gedanken, was hinter den Schlagzeilen stehe. „Wer oder was verursacht die eigentlich?“ Meinungen würden oftmals viel zu schnell und ohne Reflexion im Internet heraus posaunt. „Man sieht das ja in der Politik. Leute können etwas ohne jegliches Fundament behaupten und das verbreitet sich dann millionenfach. Wir wollen die Leute dazu anregen, sich Gedanken zu machen, was hinter einer Story stecken könnte und sich ein eigenes Bild zu machen.“

Ein Album, das Sinn macht

„Textlich wie musikalisch geht’s auf ‚All we know‘ deutlich tiefer, facettenreicher und (…) erwachsener zur Sache“, meint auch Ingo Knollmann. Mit Mitte 30 sei „erwachsen“ für sie kein „Unwort“ mehr. Natürlich sei jetzt aber nicht alles „bierernst“ und der Spaß falle komplett weg, sagen „Itchy“. Ganz im Gegenteil erscheine ihnen das jüngste Album ausgenommen „frisch“. „Wir sind eine Band, die gerne über alle Facetten des Lebens schreibt“, erläutern sie den weiten Bogen vom Liebeslied über Freundschaft bis hin zu gesellschaftskritischen und politischen Songs, in denen zum Beispiel „Probleme“ der Menschen in der „first world“ mit jenen gegenüber gestellt werden, die flüchten mussten. „Das ist eine Mischung, die es für uns interessant macht. Es sind Dinge, die uns beschäftigen.“

Sibbi tut’s schon wieder. Bereits 2013 legte der „Itchy“-Gitarrist eine Surf-Einlage hin. (Foto: Lukas Veth)

Eine Mischung, die sich auch musikalisch niederschlägt. „Wir haben auch Dinge ausprobiert, die wir so noch nie gemacht haben“, sagen Sibbi, Panzer und Max mit Blick auf neue Song-Strukturen, die Gewohntes aufbrechen sollen. Daneben gebe es „Ausflüge“ in verschiedene musikalische Genres wie diverse Spielarten des Rock, aber auch Funk oder gar Country – eben Dinge, die sich auch privat hören. „Ziel ist es am Ende ein Album zu machen, das nach uns klingt, das man durchhören kann und stimmig ist. Und das vor allem Sinn macht.“

Übrigens, dass sie heute nur noch „Itchy“ und eben nicht wie die vergangenen 15 Jahre gewohnt, „Itchy Poopzkid“ heißen, hat einen triftigen Grund. „Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass uns der Name eigentlich nicht so gut gefällt. Als wir ihn ausgesucht haben, waren wir zwischen 13 und 17 Jahre alt. Damals konnte man noch nicht ahnen, dass wir 100 Jahre später immer noch auf der Bühne stehen“, erklären sie die Entscheidung. Sie seien eine Band, die sich nicht nur in ihren Songs auch zu ernsthaften Themen äußere. Da habe einem der Name „Poopzkid“ schon im Weg gestanden und hinderte daran, ernst genommen zu werden.

Es hat mehrere Jahre gedauert, jetzt hat es endlich geklappt: Rick Tick Evil live in Rottershausen. (Foto: Lukas Veth)

Die „Lutzi“ ist ein „riesengeiles Ding“

Apropos „im Weg stehen“: Das galt auch für den Terminkalender der Musiker von „Rick Tick Evil“, der gleich über mehrere Jahre nicht mit dem „ab geht die Lutzi“-Festival zu harmonisieren war. Umso mehr freute es die Verantwortlichen, das Sängerin Sandra mitsamt ihren Bandkollegen Michael, Colin und Stefan endlich in Rottershausen vorbeischauten. Die 2010 gegründete Formation aus Schweinfurt begeisterte das Publikum bereits am späten Samstagnachmittag mit ihrem „Action Rock“ – selbstredend direkt auf der Hauptbühne. „Wir wollten schon lange mal auf der Lutzi spielen“, freute sich das Quartett nach ihrem lautstarken Auftritt auf dem „gar nicht mehr kleinen Festival“. Mit viel Arbeit und Schweiß sei diese Veranstaltung aus dem Boden gestampft worden. „Jetzt ist das ein riesengeiles Ding, gemacht von Typen, die wir auch mal bei uns um die Ecke treffen“, so das Urteil der Vier, die die Entwicklung der vergangenen sieben Jahre teils hautnah miterlebt haben. „Wir sind der ‚Lutzi‘ sehr verbunden.“ Und nicht nur die hat 2017 einige Neuerungen erfahren. „Rick Tick Evil“ absolvierten am Wochenende ihren zweiten Auftritt in verkleinerter Konstellation. „Es ist definitiv anders“, so das erste Fazit. Man müsse sich schon umorientieren. „Wir versuchen aber unsere Qualität zu halten“, schmunzeln die Vier, die ihre Band tatsächlich als sehr entspanntes Hobby und „Freunde-Ding ohne Ambitionen“ betrachten.

„Danke an alle die mit uns abgerissen haben beim Lutzi-Festival – das war geil!!!“, so das Fazit von Kafvka. (Foto: RE ON TOUR)

„Die Bambägga haben die Bude eingerissen“, freute sich die „Lutzi“-Crew über den dritten Auftritt der Oberfranken in Rottershausen. (Foto: RE ON TOUR)

„Wir haben Bock, richtig abzugehen“

Nicht minder lässig, aber durchaus engagiert, zeigten sich die „Bambägga“. Die HipHop-Crew beehrte die „Lutzi“ nun bereits zum dritten Mal. Begleitet wurde Jonas MC in diesem Jahr von DJ Stkla, George 33 und Daniel R. Für das „Heimspiel“ vor unterfränkischer Fangemeinde gab es abermals ein energiegeladenes Set, das die Zeltbühne am Samstagabend in einen regelrechten Hexenkessel verwandelte. „Jeder Song ist voll auf die Fresse. Wir haben Bock, richtig abzugehen“, lautete ihre Marschrichtung, die exzellent umgesetzt wurde. Mit „Brotlose Kunst“ hatte übrigens auch dieses Gespann ein neues Album im Gepäck. „Wir gehen bald ins 13. Bandjahr. Das ist jetzt unser fünftes Studioalbum und wir sind sehr stolz auf dieses Teil“, so Jonas MC. Als erfahrener Frontmann ließ er es sich nicht nehmen, vor dem eigenen Auftritt in der Jury der Freestyle-Battle-Premiere mit dabei zu sein. Flow und Inhalt müssten passen, sind sich er und seine Begleiter einig. Auch Kreativität und Sicherheit spielten eine wichtige Rolle. Nicht zu vergessen sei die „Arbeit mit der Crowd“. Freestyle-Experte George 33 zufolge mache jedoch auch hier nur regelmäßige Übung den wahren Meister. „Wir fanden das Ganze wirklich unterhaltsam. Natürlich gab es Begnadetere und weniger Talentierte. Durch die Bank haben sich aber alle gut geschlagen“, so das Urteil von DJ Stkla, der sich die Aktion gemeinsam mit George 33 und Daniel R. aus dem Publikum angesehen hat. „Goozy hat das Ding verdient gewonnen.“

Gelungene Premiere auf der Zeltbühne. Das Freestyle-Battle zog das Publikum in Massen an. (Foto: RE ON TOUR)

Auf dem ‚ab geht die Lutzi‘ wars so traumhaft, dass ich mich da noch ’ne ganze Zeit dran erinnern werde“, sagt Roger Rekless. (Foto: RE ON TOUR)

„Madsen“ feiern fulminantes „Bühnen-Comeback“

Intensives Proben stand in den vergangenen Tagen auch bei „Madsen“ an. Nach neunmonatiger Bühnen-Abstinenz, übrigens die längste in der bisherigen Bandgeschichte, feierten diese am vergangen Samstag eine Art „Comeback“. Honoriert wurde das vom Rottershäuser Publikum euphorisch und mit beeindruckender Textsicherheit. Wie eng „Madsen“ mit seinen Fans ist, zeigte sich jedoch nicht erst vor der Hauptbühne. Bereits am 30. Mai feierte die Band selbst ein kleines Jubiläum. Exakt vor zwölf Jahren erschien ihr Debüt-Album „Madsen“. Hierzu erreichten Johannes, Sebastian, Sascha und Niko hunderte Geschichten. „Ich finde es immer wieder verblüffend, wenn uns jemand schreibt: Wir haben uns auf einem eurer Konzerte kennen gelernt und unsere Kinder sind jetzt drei und fünf“, freut sich nicht nur Sascha über langjährige Wegbegleiter, die sich gemeinsam mit ihnen mitentwickeln würden. Auch Zeilen, die davon berichten, wie ein Song Menschen durch bestimmte Zeiten geholfen hätte, berühre sie sehr. Dass die Band selbst bereits so lange zusammen sei, fasziniere sie übrigens selbst. „Mir kommt es vor, als hätten wir erst gestern angefangen“, lacht Niko.

„Du schreibst Geschichte“, sangen „Madsen“ am vergangenen Samstag. Dem „Lutzi“-Publikum wird ihr Auftritt noch lange im Gedächtnis bleiben. (Foto: Lukas Veth)

Das „ab geht die Lutzi“-Festival kannte die Band zuvor noch nicht. Der Begeisterung tat das jedoch keinen Abbruch. „Es ist der Knaller“, lautete ihr Urteil zur Ankunft. „Es hat eine unfassbare Herzlichkeit. Man merkt genau, die Leute hier machen das gerne“, so ihr Eindruck von der komplett ehrenamtlich arbeitenden „Lutzi“-Mannschaft. Was sich dahinter verbirgt, wissen die Musiker nur allzu gut. Denn persönlicher Einsatz wird auch bei „Madsen“ groß geschrieben. Seit vielen Jahren engagieren sie sich gegen Rechtsradikalismus und Castor-Transporte. Seit 2017 sind sie zudem Jubiläumsbotschafter der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Erstmals mit der Einrichtung für behinderte Menschen in Kontakt gekommen waren „Madsen“ vor einigen Jahren im Zuge eines Konzerts. Doch dieses sei „alles andere als normal“ gewesen. „Das war ein krasses, einzigartiges Erlebnis mit so unfassbar tollen Menschen“, erinnern sich Sascha und Niko zurück. „Sie haben sonst nicht die Möglichkeit, sich ein Rock-Konzert anzusehen. Dass das realisiert wurde, hat uns alle sehr berührt und beschäftigt. Deswegen unterstützen wir das so gut wie wir nur können.“

Macht das Internet aus, geht auf die Bühne!

Am Herz liegen den „alten Hasen“ auch die Nachwuchs-Talente der Republik. Das stellen die Vier nicht zuletzt als Paten von Deutschlands größtem „Non-Profit-Newcomercontest“ unter Beweis, an dem sie in der Vergangenheit selbst mehrfach erfolgreich teilgenommen haben. „Es geht darum, den jungen Bands die Möglichkeit zu geben aufzutreten, zu spielen und Menschen zu erreichen. Das ist das Allerwichtigste“, erklärt Sascha den tatsächlichen Kern des Wettbewerbs. Werbung und Vernetzung im Internet würden nichts bringen, wenn man am Ende des Tages keine „geile Liveband“ sei, die ihre Energie auf der Bühne entwickle. Auch für den Nachwuchs auf der „Lutzi“ haben die erfahrenen Akteure wichtige Tipps parat. „Man darf sich nicht selbst überschätzen und sich auch nicht zu ernst nehmen“, sind sie überzeugt. Authentisch bleiben und Spaß an der Sache haben, seien die Schlüssel – abgesehen vom intensiven Proben. „Schließt euch ein und kommt erst wieder heraus, wenn alle alles spielen können – und zwar von vorne, rückwärts und seitwärts.“ Erst dann gelte es, auf die Bühne zu gehen und jede Gelegenheit zu nutzen.

Zwar ist die Post-Hardcore Band „Unbesiegt“ noch ziemlich neu, hat sich aber direkt mal den Slot am „Lutzi“-Festival verdient. (Foto: RE ON TOUR)

Die Österreicher „Erwin & Edwin“ kamen mit Trompete, Gitarre, Schlagzeug, Turntables und einer Motivation, die kein Haar trocken ließ. (Foto: RE ON TOUR)

„Nach der Lutzi ist vor der Lutzi“

Am Ende ist klar: Das in der Höhe gewonnene Bild hat sich nach zwei Tagen „Lutzi“ noch einmal gefestigt. Das attestieren auch Christian Stahl und seine Mannschaft. „Wir hoffen, dass es auf jeden Fall weitergeht“, so ihre Bilanz zum Schlussakkord 2017. „Die Stimmung ist gerade sehr gut. Nach der letzten stressigen Woche sind nach diesem Abend wieder alle hoch motiviert.“ Für die mehr als 200 Helfer lockte nach verdienter Arbeit natürlich eine Aftershow-Party. Doch schon am frühen Sonntagmorgen stand für alle fest: „Nach der Lutzi ist vor der Lutzi.“

Text: Nicole Oppelt

„Wir wollen ein überragendes Festival feiern“

In Rottershausen steigt am 9. und 10. Juni bereits die achte Ausgabe von „Ab geht die Lutzi“


MADSEN – Hauptbühne Samstag (Foto: Madsen GbR)

Alles neu macht der Mai – oder in diesem Fall der Juni, wenn in wenigen Tagen das Kult-Festival „Ab geht die Lutzi“ ruft. Spätestens mit dem Auftritt der Punkrock-Urgesteine „Donots“ und erneuten Rekordbesucherzahlen im Jahr 2016 war klar: Diese Veranstaltung hat sich fest in den Köpfen der Musikfreunde verankert. Die nun anstehende Ausgabe will aber nicht nur mit Headlinern wie „Madsen“ oder „Itchy“ überzeugen. Die Organisatoren feilen weiter unentwegt am Gesamtkonzept.


ITCHY – Hauptbühne Freitag (Foto: Ilkay Karakurt)

„Party um die Ecke trifft auf Festivalfeeling pur“, mit dieser einfachen Formel beschreiben die „Lutzi“-Macher aus Rottershausen das, was mittlerweile mehrere Tausend Besucher auf das Sportgelände des FC Rottershausen zieht. „Stars des Festivalsommers“ treffen hier auf „Lokalhelden“. Familien mit Kindern auf erprobte Konzertgänger. Für das „netteste und natürlich schönste Festival in der Region“, wie sie es nennen, konnten die „Lutzi“-Köpfe um Christian Stahl und Klaus Schmitt in der Vergangenheit so einige gewinnen: Neben den „Donots“, „Montreal“, „Emil Bulls“ oder „Schmutzki“, schwangen sich auch „My New Zoo“, „First Class Ticket“ oder der mittlerweile weit gereiste Robin Sukroso in den Tourbus, um im Landkreis Bad Kissingen Station zu machen. Gemeinsam mit ihrer unermüdlichen Helferschar haben Stahl und Schmitt auch 2017 wieder drei Bühnen, 18 Bands und insgesamt sechs DJs für alle mobilisiert, die „die Festivals mögen, aber keine Menschenmassen, die nicht 150 Euro zahlen wollen und auch gern mal weniger bekannte Bands hören.“


ROGER REKLESS – Zeltbühne Samstag (Foto: Pressematerial)

Die Bands 2017: Alte Bekannte und echte Premieren

2017 liest sich diese Liste nicht minder interessant. Denn die „Macher“ bedienen sich wie gehabt aus diversen musikalischen Ecken: Mit dabei sind unter anderem die Wendland-Rocker „Madsen“, die Punkrocker von „Itchy“, die der „Lutzi“ nach 2013 jetzt erneut die Ehre geben sowie die schwedische Punk-Band „The Baboon Show“. Auch die Berliner Crossover-Band „Kafvka“, die Düsseldorfer Punkrocker „Rogers“, die Österreicher „Turbobier“, der Dj und Producer Nico Pusch, der MC Roger Rekless und die Kölner Punkband „KMPFSPRT“ sind mit von der Partie. Aus dem näheren Umland gesellt sich die durchaus überregional bekannte Rap Combo „Bambägga“ hinzu, mit denen das „Lutzi“-Publikum ebenfalls bestens vertraut ist. Und last but not least bereichern „Rick Tick Evil“ aus Schweinfurt mit ihrer „Lutzi“-Premiere das Programm.


KMPFSPRT – Hauptbühne Samstag (Foto: Per Schorn)

„Madsen als Head stand intern schon länger im Raum und dieses Jahr hat endlich alles gepasst“, erklären die „Lutzi“-Macher im Festival-Vorgespräch. Erneut seien sie nach dem bewährten Modell verfahren: „Gebucht wird, was uns gefällt.“ „Madsen kennt man von diversen Festivals und die Liveshows sind immer wieder der Wahnsinn.“ Mit „Itchy“ verhält sich das ähnlich. Dass die Headliner von 2013 jetzt erneut auf der Bühne in Rottershausen stehen, sei einem „netten Zufall“ im eigenen „Booking-Chaos“ zu verdanken gewesen, der ihnen das Trio abermals ins Gedächtnis brachte. Für Stahl und Schmitt war klar: „Nach ihrem letzten überragenden Auftritt bei uns mussten wir nicht lange überlegen.“


THE BABOON SHOW – Hauptbühne Samstag (Foto: Pressematerial)

Besonders ans Herz legen wollen die Rottershäuser dem Publikum in diesem Jahr „The Baboon Show“. Dieser Geheimtipp, sagen sie, sei eigentlich nicht wirklich geheim. „‘The Baboon Show‘ fliegen aus Stockholm ein, um das ‚Lutzi‘-Publikum schon am frühen Samstagabend an seine Grenzen zu bringen.“ Aber auch auf Zeltbühne und E-Box seien wieder so einige kleine Highlights im Programm. „Besonders gespannt sind wir auf die Premiere des ‚Lutzi‘-Freestyle-Battle am Samstag um 17.15 Uhr auf der Zeltbühne.“


NICO PUSCH – E-Box Freitag (Foto: Pressematerial)

Das neue Konzept: Bunter Genre-Mix und Camping satt

So viel Engagement in Sachen Line-up ist für die „Lutzi“-Mannschaft nicht neu. Neu ist jedoch, dass die Bühnen diesmal nicht wie üblich nach Rock, Hip Hop und Elektro sortiert werden. Stattdessen wird 2017 ordentlich durchgemischt. Der bunte Genre-Mix von Hip Hop und Rap, über alles was so unter Rock oder Punk fällt, bis hin zu Elektro, verteilt sich quer über das Festival-Areal. Haupt- und Zeltbühne zu mischen, eröffne neue Möglichkeiten beim Booking, so die „Lutzi“-Verantwortlichen. Zum anderen wolle man einfach nicht mehr so strikt trennen. Insbesondere der Zeltbühne habe das gut getan. „Statt ausschließlich Hip Hop und Rap, gibt es diesmal auch einige Acts aus ganz anderen Genres.“ Den Latenight-Gig im Zelt würden daher „Erwin & Edwin“ übernehmen. Einzig die E-Box bleibe E-Box.


ERWIN & EDWIN – Zeltbühne Samstag (Foto: Pressematerial)

Auch im Bereich „Camping“ hat sich viel getan. „Wir haben an diversen Verbesserungen gearbeitet“, sagt Christian Stahl. „Es wird deutlich mehr Fläche für die Camper zur Verfügung stehen, um den Andrang zu bewältigen und für 5 Euro Campinggebühr gibt es dann auch kostenlose Duschen und WCs.“ Und darüber hinaus? Am Samstagmorgen findet wieder der Frühschoppen statt. Diesmal mit „musikalischer Rückendeckung“ der Spirkenländer Blasmusik. Und auch auf dem Konzertgelände gebe es wieder „so einige neue Spielereien zu entdecken“.


TURBOBIER – Hauptbühne Freitag (Foto: Pressematerial)

Qualität statt Quantität – die „Lutzi“ bleibt ein entspanntes Festival

Knapp 1000 Einwohner zählt das kleine Rottershausen. Auf der „Lutzi“ werden 2017 gut und gerne fünfmal so viele Gäste erwartet. Ist hier das Ende der Fahnenstange erreicht? Das Organisations-Team gibt sich gelassen. „Der Samstag war 2016 bereits ausverkauft. Der Freitag hatte schon noch etwas Luft nach oben. 2017 dürfen beide Tage gerne ausverkauft sein“, ziehen Stahl und Schmitt Bilanz. Der Vorverkauf laufe bereits sehr vielversprechend. Momentan arbeite das Team aber eher daran, das Festival an vielen Stellen, wie Camping oder Ausschank weiter zu verbessern und etwas „aufzuhübschen“, statt immer nur zu vergrößern. „Wir wollen nicht möglichst viele Leute über das Gelände schieben, sondern lieber mit denen, die hier sind, ein überragendes Festival feiern. Ohne Gedränge und Geschiebe (außer das Gewollte vor der Bühne), lange Wege und ewiges Anstehen“, sind sie von ihrer Marschrichtung überzeugt. Allerdings spreche sich doch immer weiter herum, wann und wo die Lutzi abgehe und sorge so dafür, dass das Festival auch immer etwas wachse. „Aktuell gibt es aber für uns noch keinen Grund das auszubremsen.“


KAFVKA – Hauptbühne Samstag (Foto: Pressematerial)

„Wir basteln aktuell an diversen Neuerungen, Ideen hätten wir schon noch so einige und Bands gäbe es sicher auch noch ein paar die wir gerne mal hier begrüßen würden“, sagen die Verantwortlichen mit Blick in die nähere Zukunft. „Auf der anderen Seite muss ja nicht jedes Jahr alles neu erfunden werden und wir sind in den Besprechungen auch mal froh, wenn wir hinter einen Punkt ‚wie 2016′ schreiben können.“ Viele Bereiche hätten sich bewährt und seien mittlerweile gut eingespielt. Ohne die Routine in diesen Bereichen wäre die Größenordnung, die man aktuell erreiche, nicht mehr als „kleines Hobby“ umsetzbar.


MARZ – Zeltbühne Samstag (Foto: Pressematerial)

Die „Lutzi“ zieht weiter Helfer an

Die Vorfreude auf die aktuelle Ausgabe steige jedenfalls. Für das Team sei bereits vor einigen Wochen die heiße Phase angelaufen. Die Verantwortung der Bereiche teile sich im achten Jahr auf noch mehr Schultern auf, was es für die Alteingesessenen im Planungsteam etwas einfacher mache. Einen Beitrag zur „Lutzi“ zu leisten bleibt also weiterhin äußerst attraktiv. Es kämen weiterhin bei der Planung wie auch am Festival selbst neue junge und nicht mehr ganz so junge Helfer dazu. Trotzdem versuche man natürlich die Arbeit so angenehm wie möglich zu gestalten, damit das Team wie auch die Gäste Spaß am Festivalwochenende haben könnten und auch im nächsten Jahr wieder mit der gleichen Begeisterung am Start seien.


ROGERS – Hauptbühne Freitag (Foto: Kay Özdemir)

Der Startschuss für „Ab geht die Lutzi 2017“ fällt am 9. Juni um 19.30 Uhr. Einlass ist ab 19.00 Uhr.

Weitere Informationen hier:
LUTZI HOMEPAGE
FACEBOOK EVENT
LUTZI SPIELPLAN

Text: Nicole Oppelt

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Und zur Einstimmung wie immer hier eine kleine Lutzi-Playlist für Euch:

FREITAG HAUPTBÜHNE:

BOB ROSS EFFECT:

ROGERS:

TURBOBIER:

ITCHY:

FREITAG E-BOX:

NICO PUSCH:

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SAMSTAG HAUPTBÜHNE:

HAZEL THE NUT:

KAFVKA:

THE BABOON SHOW:

KMPFSPRT:

MADSEN:

SAMSTAG ZELTBÜHNE:

BAMBÄGGA:

MARZ:

ROGER REKLESS:

ERWIN & EDWIN:

„Wir sind alle eins!“

Der Wahl-Würzburger Stephen Keise setzt gemeinsam mit bekannten Akteuren der Reggae-Szene ein deutliches Zeichen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit.

Die gemeinsame Suche nach „positiven Antworten“ mündete für die vier Künstler in den eingängigen Song „Push It!“. (Foto: Jennifer Többen Photografie)

„My lord this world be likkle we come in all shades like a bag of skittles“, rappt Stephen Keise in seinem neuesten Song „Push It!“. Zu deutsch: „Die Welt ist klein, bunt gemischt wie ’ne Tüte Skittles.“ Gemeinsam mit dem französischen Sänger und Pianisten Doc Dondo, dem Ska-, Reggae- und Dancehall-Künstler Dr. Ring Ding sowie dem argentinischen Sänger, Songwriter und Produzent Paco Mendoza, vielen bekannt als Teil von „Raggabund“, hat er dieser Tage ein Video dazu herausgebracht. Mit „Push It!“ will das Quartett sich klar positionieren: Gegen Ausgrenzung und für viel mehr Gemeinschaft.

„Im Sommer 2016 hatte ich aufgrund der Flüchtlingskrise und der damit verbundenen teilweise schlechten Stimmung innerhalb der Bevölkerung das Gefühl, unsere Werte von Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu verlieren“, lässt Stephen Keise den Anstoß für den aktuellen Song Revue passieren. Erlebt habe er das nicht nur in den Medien, sondern auch bei seinen Mitmenschen. Zwar habe es nach wie vor Personen gegeben, die halfen. Doch viele andere hätten sich plötzlich um ihren Wohlstand gesorgt und begegneten jenen, die in unser Land gekommen seien, mit Ablehnung.

(Foto: screenshot youtube)

Für ihn und seinen Musiker-Kollegen Doc Dondo eine nicht länger hinnehmbare Situation. Die beiden Künstler tun sich zusammen, um in einem Song daran zu erinnern, was alle Menschen gleichermaßen brauchen: „Familie, Freunde, Freude und Frieden“. „Wir haben uns entschieden, selbst die Veränderung zu bringen, die wir uns so wünschen“, sagt der in Münster geborene Deutsch-Jamaikaner. Das Ziel, das sich bereits durch sein gesamtes künstlerisches Schaffen zieht: Hoffnung statt Panik verbreiten.

„Vielfalt“ auf mehreren Ebenen

Inspiration fand Stephen Keise diesmal in der Vergangenheit. Die PBS-Dokumentation „Citizen King – Martin Luther King Jr.“ war für den Musiker der Schlüssel. „Kings Haltung, seine Vibes, wie er unsere Werte bedingungslos lebte, entfachten in mir ein Feuerwerk der Kreativität. Mein Text schrieb sich wie von Geisterhand“, erinnert er sich zurück. Mit ihrer Euphorie steckte das Duo schließlich auch Dr. Ring Ding und Paco Mendoza an. Ihr Anliegen überzeugte und beide gesellten sich als Feature-Gäste dem musikalischen Projekt hinzu.

(Foto: screenshot youtube)

Das Ergebnis stellt „Vielfalt und Einheit“ nun gleich auf mehreren Ebenen dar: Denn nicht nur inhaltlich feiert „Push It!“ ihr gemeinsames Thema. Sprachlich setzt sich die Botschaft auf Englisch, Französisch und Spanisch fort. „Wir leben unser Anliegen par excellence“, ist Keise überzeugt. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, teils gegensätzliche und nicht unproblematische Historien der Vorfahren – und dennoch kämen in der Gegenwart alle wunderbar miteinander aus.

„Musik ist für uns kein Wirtschaftstool“

Welchen Teil die Medien zum Gelingen oder eben Scheitern dieses Miteinanders ihrer Ansicht nach beitragen, verarbeiten die Vier zudem in der Story ihres Videos. Sie beginnt mit einer Schlagzeile, die von einem missglückten Interview berichtet. Das Quartett befindet sich mitten in einer Pressekonferenz. „Wir sprechen darüber, dass wir alle gleich sind auf der Welt – alle eins“, beschreibt Stephen Keise die Situation in die immer wieder Bilder aus Afrika eingeblendet werden. „Wir, als Menschen aus dem Westen, machen uns Gedanken über jene, die weit weg von uns leben. Denn wir sind alle eins! Auch wenn wir das manchmal vergessen.“ Doch die Presse wolle die „Message“ hinter „Push It!“ nicht verstehen. „Liebe“ zu vermarkten oder gar zu verkaufen, das funktioniere nicht, so die Meinung der vermeintlichen Profis. „Die Journalisten wollen eine Story. Doch diese können wir nicht liefern. Musik ist für uns kein Wirtschaftstool. Wir machen unsere Kunst nicht des Geldes wegen“, so Keise.

(Foto: screenshot youtube)

Für Keise ist mit diesem Song und dem dazugehörigen Clip ein echter „Batterie-Auflader“ entstanden. „Ich wurde vergangenen Sommer von einer medialen Welle regelrecht erschlagen. Politik und Gesellschaft waren mit den Flüchtlingsströmen schlicht überfordert. Wir, oder besser gesagt ich auch“, sagt er heute. Ein Aufladegerät habe er damals zunächst nicht finden können und dieses intensiv suchen müssen. Den Zuhörern und Zuschauern wollen er und seine Mitstreiter mit „Push It“ den direkten Weg anbieten. „Mit diesem Song kann man sich 100 Prozent aufgeladener fühlen.“

Doch wie hört sich die Produktion von Doc Dondo eigentlich an? „Es klingt nach Vintage Reggae“, sagt Keise. „Es soll sich alt anhören, aber dennoch neue, digitale Einflüsse haben.“ Angelegt sei der Song so, dass er auch auf einem großen Festival mit einer stattlichen Liveband funktioniere und das Publikum von 0 bis 99 erreiche.

Und hier ist nun das Video:

Text: Nicole Oppelt

„… ab geht die Lutzi“: „Madsen“ sind die Headliner 2017

Das Festival in Rottershausen ist über die Jahre zu einem Inbegriff für außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement geworden. (Foto: Lukas Veth)

Gut ein halbes Jahr nach dem „… ab geht die Lutzi“-Festival 2016 stand für das ehrenamtliche Team erst einmal ausgiebiges Feiern auf dem Programm. Die Organisationsspitze nutzte das große Helferfest Ende November aber auch, um Bilanz zu ziehen, zahlreiche Spendenchecks zu verteilen und schon jetzt Lust auf die Veranstaltung 2017 zu machen. Denn die Headliner für das kommende Jahr ist niemand Geringeres als die bekannte Indie-Rock-Band „Madsen“.





Nach dem Trubel des „… ab geht die Lutzi“-Festivals 2016 war in Rottershausen Ruhe eingekehrt. Bis jetzt. Vor Kurzem kamen die rund 250 ehrenamtlichen Helfer erneut zusammen. Diesmal hatten sie allerdings keine Pflichten zu erfüllen – außer eine: Ausgiebig sich selbst zu feiern. Die „Lutzi“-Chefs Christian Stahl und Klaus Schmitt hatten anlässlich der siebten erfolgreichen Festival-Ausgabe erneut für ein gebührendes Dankeschön gesorgt. Leckeres Essen, eine BIO-Cocktailbar und nicht zuletzt die in der Region beliebte Live-Band „Bei die Omma“ schnürten ein gelungenes Party-Paket, das bis in die frühen Morgenstunden begeisterte.

Nach der Arbeit kommt das Vergnügen. Mit der Band „Bei die Omma“ wurde bis tief in die Nacht gefeiert. (Foto: Klaus Schmitt)



„Mit dem Helferfest will sich das Team und der Verein FCE Rottershausen bei den vielen Freiwilligen bedanken, ohne die das Festival in dieser Größenordnung und der Art und Weise, wie es momentan stattfindet, nicht möglich wäre“, so Christian Stahl. Auch der immer noch im Verhältnis zu anderen Festivals sehr niedrige Eintrittspreis sei nur durch ein solch großes Engagement der ehrenamtlichen Helfer zu halten.



Festival hat Renommee weit über den Landkreis hinaus



Was bislang gemeinsam geschafft wurde, ist beachtlich. Das Festival hat sich über die vergangenen Jahre zu einem kulturellen Event weit über die Grenzen des Landkreises und Frankens hinaus entwickelt. „Gäste nehmen teilweise 300 Kilometer Anfahrt auf sich, um ein Wochenende lang dabei zu sein“, nennen die Organisatoren ein Beispiel. Auch die Wahrnehmung von offizieller Seite habe sich mittlerweile stark verändert und die Zusammenarbeit mit Behörden, vor allem die Unterstützung durch den Bürgermeister und die Gemeinde Oerlenbach, sei sehr gut und erleichterte die Planungen immens.

Große Spendenübergabe auf dem Helferfest. Das Lutzi – Team hat sich diesmal Institutionen aus der Region ausgesucht. (Foto: Klaus Schmitt)



Ihren Erfolg wollte das „Lutzi“-Team auch 2016 teilen. Insgesamt wurden im Rahmen des Helferfestes Spenden in Höhe von 3000 Euro überreicht. Die Zuwendungen erneut wohl überlegt. Nachdem 2015 für einige Hilfsorganisationen, die weltweit agieren, gespendet wurde, gingen diesmal alle finanziellen Mittel an Vereine oder Organisationen, in denen auch die Helfer des Festivals aktiv sind. Unterstützung gab es zum Beispiel für die Anschaffung eines Defibrillator für die Heimatgemeinde, der von der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr betreut wird. Der Kindergarten darf sich über eine Waldhütte freuen. Denn der bisher direkt neben dem Festivalgelände gelegene Platz war für die Kleinen nicht mehr ideal. Zu guter Letzt wurde ein Beitrag zur Reparatur der Kirchenorgel geleistet. „Dieses Geld hat die Lutzi als Vertreterin der Kirche persönlich entgegengenommen“, freuen sich die Organisatoren. Außerdem gingen bereits während des Festivals im Juni weitere 1.900 Euro an die Non-Profit-Organisation „Viva con Agua“, die sich über das Pfand generiert hatten. 



2017 gibt’s Rock, Punk und Pop aus dem Wendland

Einen musikalischen Grundstein für ein erfolgreiches Festival 2017 legten die Verantwortlichen an diesem Abend gleich mit. Nachdem sich das Team mit den „Donots“ schon in diesem Jahr einen echten Traum erfüllt hat, setzen sie für die kommende Ausgabe „nochmal ordentlich einen oben drauf“. Begeistert werden soll das Publikum zum Höhepunkt des „… ab geht die Lutzi“-Festivals 2017 mit Rock, Punk und Pop aus dem Wendland. Und diese Mixtur kann in ihren Augen wohl kaum einer besser als „Madsen“, die spätestens seit dem Sommer 2005 in aller Munde sind. Große Events wie Rock im Park, Rock am Ring, das Highfield-Festival sowie das Hurricane-Festival und dessen Schwesterfestival Southside gehören zu ihren Stationen. Auch als Vorband bei Avril Lavigne machte sich die Band einen nachhaltigen Namen. Als musikalische Botschafter gingen sie nicht nur für das Goethe Institut auf USA-Reise, sondern traten für Niedersachsen gleich zweimal beim Bundesvision Song Contest an.

„Madsen war schon immer eine Mischung aus brachial und Pop. Diese Rezeptur werden wir auch nicht ändern“, sagt Sascha. (Foto: Pressematerial)


„(…) insbesondere live zählen Madsen nach wie vor zu den mitreißendsten Bands weit und breit“, urteilen die Kollegen vom Open Flair Festival über die Musiker. Und die haben offenbar auch eine ordentliche Portion Humor. Von einer Journalistin auf die früheren „Tocotronic“-Vergleiche angesprochen, schätzt Sebastian Madsen sich und seine Bandkollegen heute wie folgt ein: „Ich würde kurz sagen, wir sind eine Mischung aus den Toten Hosen, den frühen Strokes und dem jungen Mike Krüger.“



Vorverkauf startet im Februar 2017



Kein Wunder also, dass in Rottershausen die Vorfreude auf den Sommer 2017 schon jetzt immens ist. Weitere bekannte Namen seien bereits in Arbeit. Außerdem würde natürlich wieder „an allen Ecken und Enden gefeilt“, um das Festival „noch schöner und einzigartiger“ zu machen. Nicht nur an den Attraktionen für die Gäste werde gearbeitet, sondern auch die Situation für die Helfer werde permanent weiterentwickelt, um ihnen die Arbeit im kommenden Jahr möglichst angenehm zu gestalten und es ihnen zu ermöglichen, die ein oder andere Band zu genießen. „Es soll insgesamt ein anstrengendes, aber sehr schönes Wochenende sein.“

Die Lutzi lockte diesen Sommer so viele Menschen wie nie auf das Gelände. (Foto: Lukas Veth)


Angezählt wird für die „Lutzi“ bereits in wenigen Wochen. Der Vorverkauf soll im Februar starten. Musikfans sollten sich sputen. „Nachdem der Samstag diesmal zu späterer Stunde ausverkauft war und es einen Einlass-Stopp an der Abendkasse gab, empfiehlt es sich bereits im Vorfeld sein Ticket zu reduzierten Preisen zu sichern“, sagt Christian Stahl.“ Es wird definitiv eine Abendkasse geben, allerdings sieht es so aus, als wäre diese 2017 sehr begrenzt.“

Text: Nicole Oppelt

Van Holzen beim Local Heroes Bundesfinale 2016

„Van Holzen“ haben sicherlich den ein oder anderen Fan gewonnen: „Das ist ein echtes Brett!“, war nicht nur einmal aus den Reihen vor der Bühne zu vernehmen. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für Florian, Jonas und Daniel wurde es mit der Startnummer zwölf ernst. Sie waren die jüngste Band des Jahrgangs 2016. „Sie fassen im Musikbusiness gerade unfassbar Fuß“, stellte auch „local heroes“-Chefin Julia Wartmann anerkennend fest.

Die „Play Live“-Gewinner aus Baden-Württemberg sind erst seit März 2015 unter dem Namen „Van Holzen“ unterwegs. Kennen gelernt haben sich die Drei aber bereits 2009 und machen seither auch gemeinsam Musik. „Wir machen laute, handgemachte Rockmusik mit deutschen Texten“, kündigten sie kurz vor ihrem Gig in Salzwedel an. „Wir legen besonderen Wert darauf, dass alles was wir auf Platte machen auch live umsetzbar ist.“ Und das funktionierte am Ende des Tages ganz hervorragend. „Tightness, Energie, Ausdruck, Bühnenbild. Wenn wir selbst eine Band live sehen die diese Kriterien erfüllt, sind wir Fans“, erklärten sie ihre Kriterien, die sie Publikum und Jury selbst in Perfektion vorführten.

Interview mit pop10. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Zum Bundesfinale waren die jungen Herren, anders als die meisten Teilnehmer, erst am Samstag angereist. Schon am frühen Abend stand ihr persönliches Urteil: „Hier ist es sehr sehr schön! Es herrscht gute Laune. Es gibt ein gutes Team.“ Aufgrund der großen Distanz waren Van Holzen leider ohne Fans gekommen. Das tut der Sache aber keinen Abbruch. „Neue Fans muss man gewinnen“, sind sie überzeugt. Wie? Ganz einfach! „Wir haben unsere Lieblingssongs rausgesucht“, erklären sie ihr Set für den großen Abend. Und dieses schlug offenbar ein wie eine Bombe. „Das ist ein echtes Brett!“, war nicht nur einmal aus den Reihen vor der Bühne zu vernehmen. „Die fegen einfach alles weg! Niemals sind diese Jungs erst 16 Jahre alt.“

(Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am Ende wurde Drummer Daniel zum besten Instrumentalisten des Wettbewerbes gekürt. Und in Zukunft? Ihre Pläne sind weitreichend, formuliert klingen sie aber doch recht kurz und knackig: „Wir spielen Konzerte, machen unser Album fertig und nebenher noch kurz unser Abitur.“