local heroes Bundesfinale 2021: „Sinu“ sind die beste Newcomerband Deutschlands

Die Mainzer präsentierten sich im Bundesfinale spannend, pointiert und stimmgewaltig.

„Sinu“ kommt es auf den Vibe an. „Stimmung und Emotion sind wichtiger als Demonstration instrumentaler Virtuosität“, sagen sie. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Herzlichen Glückwunsch „Sinu“! Sie gingen 2021 als Bundesfinalisten für Rheinland-Pfalz ins Rennen um Deutschlands größten Non Profit-Newcomer-Musikpreis und haben diesen letztlich für sich entscheiden können.

Die Mainzer beeindruckten die Juroren mit ihrem innovativen Sound und dem außergewöhnlichen Arrangement ihres Songs. Spannende Melodien, pointiertes Songwriting und die herausragende Stimme des Sängers Sinan Köylü überzeugten die Jury. Sie erhielten einen Gutschein vom Musikhaus Thomann sowie bundesweite Promotion, unter anderem von RecordJet. Außerdem dürfen sie sich über exklusive Berichterstattung von Deutschlandfunk Kultur, MDR Sputnik und viele mehr freuen. Mit „Sinu“ geht der erste Preis der local heroes übrigens zum zweiten Mal in Folge nach Rheinland-Pfalz. Im vergangenen Jahr konnte die Band Lilli Rubin den Contest für sich entscheiden.

Doch spulen wir etwas zurück: Wer 2020 dachte, dass alles anders wird, der wurde 2021 eines Besseren belehrt. Dieser Satz mag für viele Lebens- und Gesellschaftsbereiche gelten. Für die Kultur steht er jedoch insbesondere. Auch Deutschlands größter Non Profit-Newcomer-Musikpreis local heroes hat sich in den gut 20 Monaten Pandemie neu erfinden müssen. Mit Erfolg. Erstmals wurde das Bundesfinale 2020 als Musiksendung umgesetzt. 2021 legte das Team um Projektleiterin Julia Wartmann noch einmal eine Schippe drauf – es brachte die insgesamt zehn Landessieger*innen am 13. Dezember nicht nur in eine eigene Musiksendung, sondern obendrein deutschlandweit in die Kinos.

Dieser Dreh hat sichtlich Spaß gemacht! Im Interview mit Moderatorin Tine Wittler geben sie sich fröhlich und ausgelassen. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Wir gehen tief, wir wollen tief gehen.“

Für Sinan Köylü, Tim Zeimet und Leon Conrad aus Nieder-Olm, die mit ihrer Band „Sinu“ zum Reigen der zehn local heroes-Finalist*innen gehörten, war das sicherlich Neuland – und damit auch eine schöne Herausforderung in ihrer noch jungen, gemeinsamen Bandgeschichte. „Ich habe Tim als Drummer einer anderen Band gesehen und war direkt hooked“, erinnert sich Sinan im Vorfeld des Bundesfinales. „Nach ein paar Jahren des Zusammenspiels haben wir die ganze Sache ‚Sinu‘ auch nach außen in ein Duo umgewandelt. Unser Leon ist gerade am Hineinwachsen, im positiven Sinne ergänzt er uns musikalisch seit einige Monaten.“ Gesucht und gefunden, könnte man meinen: „Musikalisch flutscht alles! Menschlich war es so, dass wir vor allem in letzter Zeit gemerkt haben, dass wir uns immer selbst daran erinnern müssen, was wichtig und unabdingbar ist für unseren gemeinsamen Weg und von was und wem wir uns trennen wollen und müssen“, fassen „Sinu“ die aktuellen Herausforderungen zusammen. Auch organisatorisch sei alles im grünen Bereich. Entsprechend gern erinnert sich das Trio an den vergangenen Sommer. „Unsere Tour im August war der Hammer, nach so langer Corona-Pause wieder live spielen zu können, uff!“

„Sinu“ wurden als Teilnehmer der pop rlp masterclass für das local heroes-Bundesfinale 2021 nominiert. Und hier glänzten sie mit einer Besonderheit: Sie machen Indie-Pop mit deutschen und türkischen Texten. Oder anders ausgedrückt: „Wir gehen tief, wir wollen tief gehen.“ Das war übrigens auch ihr Plan für die Zeit bei local heroes. Netzwerken stand und steht auch künftig für sie an erster Stelle.

Auszeichnungen und Preise stehen für „Sinu“ nicht im Vordergrund. Dafür aber ihre Musik. Und das spürt man. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Spannende Drehtage

Was banal klingt, war dann aber doch ausgesprochen spannend. Vier Tage lang war im September mit „Sinu“ und den neun weiteren Bands bzw. Solist*innen unter strengen Corona-Auflagen für die Bundesfinalshow gedreht worden. Neben einer Live-Performance gehörte auch ein Interview mit TV-Queen Tine Wittler, der diesjährigen Moderatorin des Bundesfinales, dazu. Außerdem erhielten die Teilnehmenden ein TV- und Individual-Coaching.

Das Publikum entscheidet mit

Wer schließlich den inzwischen wichtigsten Musikpreis der deutschen Non-Profit-Musikszene beim local heroes-Bundesfinale erhält, entschied, neben einer Fachjury, auch das Publikum. Die Musikfans hatten in den jeweiligen Kinos, in denen das Bundesfinale ausgestrahlt wurde, die Möglichkeit zur Abstimmung. Die Sieger*innen wurden im Anschluss an die Kino-Ausstrahlung verkündet.

„Sinu“ gaben bei der Aufzeichnung alles. Die letzte Klappe fiel am 13. September im Club Hanseat in Salzwedel. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Der Aufwand lohnt sich immer!“

Handfest sind auch die Zukunftspläne von „Sinu“. Zu ihren näheren Schritten gehört definitiv, weitere Songs zu veröffentlichen und im Jahr 2022 wieder auf Tour gehen zu können. Auch eine erste EP steht auf der To-Do-Liste. Gleichzeitig ist den jungen Männern aber auch bewusst, dass das Thema Sichtbarkeit wohl zu den größten Hürden zählt. „Es ist für Indie-Artist, selbst bei guten Ergebnissen in der digitalen Welt, sehr schwer, auf die wichtigen Playlisten mit viel Publikum zu kommen“, so ihr Eindruck. „Auch das Booking ist oft mühselig.“ Gleichzeitig geben sie sich aber kämpferisch: „Der Aufwand lohnt sich immer!“

Text: Nicole Oppelt

______________________________________

Die diesjährige Jury bestand aus:
Stefan Knoess – Sänger, Gitarrist Songwriter & Produzent (u.a. für Patrick Nuo, Helene Fischer, Sasha, Max Mutzke)
Sven Bünger – Songwriter, Producer & Coach (u.a. Johannes Oerding, Yvonne Catterfeld, Madsen, Tonbandgerät)
Stefan Weigel – Sänger der local heroes-Ex-Bundesfinalisten Flash Forward
Jannik Krach – Backliner und Live-Musiker (u.a. Flash Forward)

Die Bundesfinalisten 2021 im Überblick:
Baden-Württemberg: NEON DIAMOND (Neonpop-Band aus Ravensburg)
Berlin: Merely Minds (Pop-Rock-Band aus der Hauptstadt)
Brandenburg: Helio (Rock-Band aus Wriezen)
Mecklenburg-Vorpommern: Tini Thern (Indie-Pop-Folk-Sängerin aus Wismar)
Niedersachsen: OS (HipHop- & Pop-Duo aus Schwarme)
Rheinland-Pfalz: Sinu (Alternative Indiefolk-Band aus Mainz)
Sachsen: Stojanov & the Syndicate (Classic-/Blues-/Funkrock-Band aus Freiberg)
Sachsen-Anhalt: Reiche Söhne (Indiepop/-rock aus Halle (Saale))
Schleswig-Holstein: Arrested (Pop-, Rock- & Funk-Crossoverband aus Lübeck)
Thüringen: MALUS (Alternative-Rock-Band aus Erfurt)

Über local heroes:
local heroes war kurz nach der Wiedervereinigung zunächst als lokaler Bandcontest in Salzwedel gestartet, um die Musikszene nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze näher zusammen zu bringen. In den vergangenen 30 Jahren wuchs das regionale Projekt zu einer bundesweiten Netzwerkstruktur. Viele heute national erfolgreiche Bands wie Madsen und Tokio Hotel sammelten ihre ersten Bühnenerfahrungen auf local heroes-Bühnen. Durch den Contest konnten sie sich mit wichtigen Akteur*innen der Musikindustrie vernetzen. Traditionell findet das Bundesfinale der local heroes im Kulturhaus Salzwedel statt. Auf die Herausforderungen der Pandemie reagierte das local heroes-Team unter Leitung von Julia Wartmann kreativ: Seit 2020 wird das Bundesfinale als fernsehreife Musikshow abgedreht und bringt herausragende Newcomer*innen des Landes zu den Fans ins Wohnzimmer. Für ihr soziales Engagement wurde die Newcomer-Plattform mit dem Einheitspreis der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Für die local heroes-Fotoausstellung „GRENZSAITEN“, die sich mit der Wiedervereinigung aus musikalischer Perspektive beschäftigt, erhielt der Verein am 2. Oktober 2020 erneut den Einheitspreis.

local heroes Bundesfinale 2021: „OS“ holen Preis für den besten Popsong

„OS“ werden schon jetzt als heißer Festival-Tipp für die Saison 2022 gehandelt.

Schon jetzt hätten sie von ihrer Teilnahme profitiert, sagen „OS“ über das local heroes Bundesfinale 2021. „Wir haben tatsächlich viele tolle Menschen kennengelernt, haben ‚connected‘ und innerhalb kürzester Zeit viele Erfahrungen sammeln können.“ (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„OS“ haben sich großartig geschlagen! Die Band ging 2021 als Bundesfinalist für Niedersachsen ins Rennen um Deutschlands größten Non Profit-Newcomer-Musikpreis. Mit Erfolg! Sie dürfen den Preis in der Kategorie „Bester Popsong des Jahres“ mit nach Hause nehmen.

Die Zeilen ihres Tracks „Gold“ sowie die einzigartige Energie auf der Bühne blieben den Juroren auch nach den Drehtagen im vergangenen September in Erinnerung und hinterließen bleibenden Eindruck. Juror Stefan Weigel wurde „direkt in sein Pop-Herz getroffen“ und sein Kollege Stefan Knoess fügte lobend hinzu: „Toller Pop-Song, klang geil, geil gespielt, tolle Stimme des Sängers.“ Die Band durfte sich über einen Promotion-Förderpreis vom Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt sowie Releasekampagnen bei RecordJet freuen.

Moderatorin Tine Wittler hatte außerdem einen heißen Tipp für alle Booker*innen: „Liebe Festivals – merkt euch diesen Act. Oder besser: Fragt ihn frühzeitig für eure Open Airs 2022 an, bevor sie ausgebucht sind.“

„Unsere Musik fühlt sich wohl irgendwo zwischen Pop und Hip-Hop zuhause“, erklären „OS“ ihren Stil. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Doch spulen wir kurz zurück: Wer 2020 dachte, dass alles anders wird, der wurde 2021 eines Besseren belehrt. Dieser Satz mag für viele Lebens- und Gesellschaftsbereiche gelten. Für die Kultur steht er jedoch insbesondere. Auch Deutschlands größter Non Profit-Newcomer-Musikpreis local heroes hat sich in den gut 20 Monaten Pandemie neu erfinden müssen. Mit Erfolg. Erstmals wurde das Bundesfinale 2020 als Musiksendung umgesetzt. 2021 legt das Team um Projektleiterin Julia Wartmann noch einmal eine Schippe drauf – es bringt die insgesamt zehn Landessieger*innen nicht nur in eine eigene Musiksendung, sondern obendrein deutschlandweit in die Kinos.

Gemeinsam Grenzen verschieben

Für Simon Ruhland, Ole Janßen und ihren Live-Drummer Yannick Bonnes aus Schwarme, die mit ihrer Band „OS“ zum Reigen der zehn local heroes-Finalist*innen gehörten, war das sicherlich Neuland – und damit sowohl eine schöne Erfahrung als auch ein willkommener Kontrast zu den vergangenen Pandemie-Jahren, wie sie im Vorfeld des Bundesfinales erzählten. So habe die Corona-Krise zu einer der bislang größten Herausforderungen für das Triogezählt. „Nach unserer ersten gemeinsamen Single wurde uns der Boden unter den Füßen weggezogen und wir mussten uns daran gewöhnen, vieles nur noch über das Internet tun zu können“, erinnern sie sich. Gemeinsame Erlebnisse wie die Organisation eines eigenen Autokino-Festivals mit einer gigantischen 20-Meter-Leinwand und Hunderten von Autos vor der Bühne erhielten in solchen Zeiten die Motivation aufrecht.

„Es sind Geschichten aus dem Leben, die jeder kennt und die jeder fühlt“, so „OS“ über ihre Inhalte. Wer sie kenne, der wisse auch, wie verschieden sie an Songs herangingen und genau das mache die Band aus. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

local heroes begreifen die Drei als eine echte Gelegenheit. „OS“ wurden bereits 2020 für das local heroes Bundesfinale 2021 nominiert, da das niedersächsische Landesfinale 2021 erst nach dem Bundesfinaldreh stattfinden konnte. Ganz zur Freude von „OS“: „Wir haben die Chance gesehen, neue Leute kennenzulernen und uns diesen auch zu zeigen. Denn genau darum geht es doch in der Musik – Gemeinsam die Grenzen ein bisschen weiter weg zu schieben.“ Entsprechend arbeitsreich gestaltete sich die Vorbereitungszeit auf das local heroes-Bundesfinale. „Da unser Live-Drummer Yannick erst seit kurzem dabei ist, haben wir uns intensiv auf die Drum-Parts des Songs konzentriert, um der ganzen Performance mehr Live-Feeling zu geben und damit auch dem Video ein Gefühl einer Livebühne zu geben.“ Zudem hätten sie ihre Fans auf Social Media die Tage in Salzwedel mit Videos und Fotos miterleben lassen. „An den Kontakten, die wir da geknüpft haben, halten wir fest und stehen jetzt schon mit einigen in engem Kontakt.“

Spannende Drehtage

Doch zurück zu den erwähnten Tagen in Salzwedel. Im September wurde mit „OS“ und den neun weiteren Bands bzw. Solist*innen unter strengen Corona-Auflagen für die Bundesfinalshow gedreht. Neben einer Live-Performance gehörte auch ein Interview mit TV-Queen Tine Wittler, der diesjährigen Moderatorin des Bundesfinales, dazu. Außerdem erhielten die Teilnehmenden ein TV- und Individual-Coaching. Die letzte Klappe fiel schließlich am 13. September im hiesigen Club Hanseat.

Die Musik vereint: „Ole ist ein Perfektionist, der jede Note noch einmal überprüft und Simon der, der sich von Gefühlen treiben lässt. Deshalb liegen bei jedem die Prioritäten anders, und ohne das wäre OS nicht OS.“ (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Konkrete Zukunftspläne

Und wie geht es mit „OS“ weiter? „Wir werden den Song, den wir in Salzwedel performt haben, noch dieses Jahr als Single veröffentlichen und arbeiten zurzeit am Recording, Videokonzept und Promotionplänen.“ Genau darin liege ihrer Meinung nach aber auch der sprichwörtliche Hund für viele Newcomer*innen begraben. „Die größten Hürden für Nachwuchskünstler*innen liegen unserer Meinung nach in den finanziellen Mitteln der Promotion im Internet. Denn das Wichtigste ist, dass neue Leute auf einen aufmerksam werden. Dies ist in den seltensten Fällen ohne finanzielle Unterstützung möglich.“

Text: Nicole Oppelt

______________________________________

Die diesjährige Jury bestand aus:
Stefan Knoess – Sänger, Gitarrist Songwriter & Produzent (u.a. für Patrick Nuo, Helene Fischer, Sasha, Max Mutzke)
Sven Bünger – Songwriter, Producer & Coach (u.a. Johannes Oerding, Yvonne Catterfeld, Madsen, Tonbandgerät)
Stefan Weigel – Sänger der local heroes-Ex-Bundesfinalisten Flash Forward
Jannik Krach – Backliner und Live-Musiker (u.a. Flash Forward)

Die Bundesfinalisten 2021 im Überblick:
Baden-Württemberg: NEON DIAMOND (Neonpop-Band aus Ravensburg)
Berlin: Merely Minds (Pop-Rock-Band aus der Hauptstadt)
Brandenburg: Helio (Rock-Band aus Wriezen)
Mecklenburg-Vorpommern: Tini Thern (Indie-Pop-Folk-Sängerin aus Wismar)
Niedersachsen: OS (HipHop- & Pop-Duo aus Schwarme)
Rheinland-Pfalz: Sinu (Alternative Indiefolk-Band aus Mainz)
Sachsen: Stojanov & the Syndicate (Classic-/Blues-/Funkrock-Band aus Freiberg)
Sachsen-Anhalt: Reiche Söhne (Indiepop/-rock aus Halle (Saale))
Schleswig-Holstein: Arrested (Pop-, Rock- & Funk-Crossoverband aus Lübeck)
Thüringen: MALUS (Alternative-Rock-Band aus Erfurt)

Über local heroes:
local heroes war kurz nach der Wiedervereinigung zunächst als lokaler Bandcontest in Salzwedel gestartet, um die Musikszene nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze näher zusammen zu bringen. In den vergangenen 30 Jahren wuchs das regionale Projekt zu einer bundesweiten Netzwerkstruktur. Viele heute national erfolgreiche Bands wie Madsen und Tokio Hotel sammelten ihre ersten Bühnenerfahrungen auf local heroes-Bühnen. Durch den Contest konnten sie sich mit wichtigen Akteur*innen der Musikindustrie vernetzen. Traditionell findet das Bundesfinale der local heroes im Kulturhaus Salzwedel statt. Auf die Herausforderungen der Pandemie reagierte das local heroes-Team unter Leitung von Julia Wartmann kreativ: Seit 2020 wird das Bundesfinale als fernsehreife Musikshow abgedreht und bringt herausragende Newcomer*innen des Landes zu den Fans ins Wohnzimmer. Für ihr soziales Engagement wurde die Newcomer-Plattform mit dem Einheitspreis der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Für die local heroes-Fotoausstellung „GRENZSAITEN“, die sich mit der Wiedervereinigung aus musikalischer Perspektive beschäftigt, erhielt der Verein am 2. Oktober 2020 erneut den Einheitspreis.

local heroes Bundesfinale 2021: „Reiche Söhne“ holen Preis für beste Live-Performance

Jury sieht „Reiche Söhne“ künftig ganz oben in den Festival-Lineups

„Wir haben im Grunde schon profitiert, da wir das ganze local heroes -Team und Netzwerk dahinter wieder an unserer Seite haben“, freuen sich „Reiche Söhne“ über ihre erneute Teilnahme. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Bäm! Und dann kamen „Reiche Söhne“! Die Band aus Halle ging 2021 als Bundesfinalist für Sachsen-Anhalt ins Rennen um Deutschlands größten Non Profit-Newcomer-Musikpreis. Und sie überzeugten durchweg. Am Ende gingen sie mit dem Preis für die „Beste Live-Performance 2021“ nach Hause.

Mit eingängigen deutschen Texten und einer reflektierten Portion Humor hinterließen „Reiche Söhne“ einen nachhaltigen Eindruck bei allen Beteiligten. Als Belohnung staubten sie einen Gutschein vom Musikhaus Thomann sowie Unterstützung bei künftigen Releases von RecordJet ab.

Doch spulen wir kurz zurück: Wer 2020 dachte, dass alles anders wird, der wurde 2021 eines Besseren belehrt. Dieser Satz mag für viele Lebens- und Gesellschaftsbereiche gelten. Für die Kultur steht er jedoch insbesondere. Auch Deutschlands größter Non Profit-Newcomer-Musikpreis local heroes hat sich in den gut 20 Monaten Pandemie neu erfinden müssen. Mit Erfolg. Erstmals wurde das Bundesfinale 2020 als Musiksendung umgesetzt. 2021 legte das Team um Projektleiterin Julia Wartmann aber noch einmal eine Schippe drauf – es brachte die insgesamt zehn Landessieger*innen nicht nur in eine eigene Musiksendung, sondern obendrein deutschlandweit in die Kinos.

„Prinzipiell machen wir das, worauf wir Lust haben. Das kann heute eine 80er-Die Ärzte-Stimmung beinhalten und morgen schon wieder etwas ganz anderes. Wir wollen uns da nicht ganz festlegen“, sagen „Reiche Söhne“ über ihre Musik. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Das Gefühl von 2018 wieder aufleben lassen

Jonas Dahmen, Marius Dahmen und Stijn Scheper aus Halle, die mit ihrer Band „Reiche Söhne“ zum Reigen der zehn local heroes-Finalist*innen gehörten, war auch das eine neue Erfahrung. Bereits 2018 stand die Band im local heroes-Bundesfinale. „Dort haben wir jede Menge Preise und gute Erfahrung mitgenommen“, erinnerte sich das Trio im Vorfeld des Bundesfinales 2021 an den großen Abend im Kulturhaus von Salzwedel. Das Kapitel sei also eigentlich schon zugeklappt gewesen. Eigentlich. „Die Corona-Situation uns ziemlich in unserer Motivation gedämpft. Da wir uns als Liveband definieren, war die auftrittsarme Zeit während dieser Phase für uns eine große Herausforderung. Es gab tatsächlich Momente, in denen wir uns gefragt haben, ob wir überhaupt noch weiter machen sollen. Als es dann 2021 langsam wieder möglich war live zu spielen, mit echtem Publikum, wussten wir wieder, warum wir das machen: live spielen, live spielen, live spielen.“ Das war auch der Grund, warum „Reiche Söhne“ wieder zu local heroes gestoßen ist. „Wir wollten wieder das gleiche Gefühl wie 2018 haben und das Netzwerk rund um local heroes wieder anschmeißen. Daher haben wir uns nochmal beworben, wurden ausgewählt für Sachsen-Anhalt anzutreten, haben ein Mentoring Programm gewonnen und wurden vom Mitteldeutschen Rundfunk dabei begleitet. Und das alles noch vor dem Bundesfinale.

Premiere beim local heroes-Bundesfinale

Doch vor dem local heroes-Bundesfinale stand die Ungewissheit: „Unsere Teilnahme stand tatsächlich lange auf der Kippe, da unser Schlagzeuger leider aus Termingründen verhindert war. Normalerweise hätten wir das Finale abgesagt, allerdings wollten wir das unbedingt mitnehmen und nicht am Finaltag zuhause sitzen und Däumchen drehen“, erzählen die Drei. Daher hätten sie etwas gänzlich Neues ausprobiert. „Wir haben uns einen Liveschlagzeuger ausgeliehen und haben das erste Mal in unserem Musikerleben, den Mann am Schlagzeug ausgetauscht. Das erste Mal zusammen gespielt haben wir dann tatsächlich erst beim Bundesfinale. Vorher haben wir zusammen mit unserem eigentlichen Schlagzeuger das Lied im Proberaum eingespielt und dann unserem Ersatzschlagzeuger Fabian Buchenau geschickt.

„Dass das live dann so gut funktioniert, hätten wir nie gedacht. Für uns hat sich allein diese Erfahrung gelohnt“, freuen sich „Reiche Söhne“ über ihren Bundesfinal-Auftritt mit „Personalwechsel“. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Spannende Drehtage

Im September wurde mit „Reiche Söhne“ und den neun weiteren Bands bzw. Solist*innen unter strengen Corona-Auflagen für die Bundesfinalshow gedreht. Neben einer Live-Performance gehörte auch ein Interview mit TV-Queen Tine Wittler, der diesjährigen Moderatorin des Bundesfinales, dazu. Außerdem erhielten die Teilnehmenden ein TV- und Individual-Coaching. Die letzte Klappe fiel schließlich am 13. September im Club Hanseat in Salzwedel.

Mehr regionale Förderung für Künstler*innen

Und wie geht es mit „Reiche Söhne“ nun weiter? Sie arbeiten gerade an ihrem nächsten Release. „2022 wollen wir damit dann auf Tour und hoffentlich wieder auf vielen Festivals spielen.“ Doch das sind nur die eigenen Wünsche. „Es gab während der Corona-Pandemie tatsächlich einige Förderungen für Musiker*innen. Das ist prinzipiell sehr schön. Allerdings sind die Hürden und Reglementierungen teilweise nicht wirklich realitätsnah“, machen sie auf die schwierige Lage nicht nur im musikalischen Nachwuchsbereich aufmerksam. „Beispielsweise gab es auch in Sachsen-Anhalt Förderprogramme. Leider sind wir und zahlreiche andere Bands, die wir kennen, durch das Raster gefallen. So sind zum Beispiel Studierende nicht berechtigt, von solchen Programmen gefördert zu werden. Wir fragen uns, wie so Newcomer*innen erfolgreich werden können.“

„Unser Plan ist aufgegangen, das Netzwerk ist wieder aktiviert und wir motivierter denn je“, sagen „Reiche Söhne“ über ihre erneute Teilnahme bei local heroes. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Vor allem in der Popularmusik sollte ihrer Meinung nach die Förderungsschwelle niedriger gesetzt werden. Auf Bundesebene gebe es da schon wieder andere Möglichkeiten über die Initiative Musik. „Wir wünschen uns vor allem regionale Künstler*innen-Förderung: politisch, medial und auch weiterhin durch Vereine wie Aktion Musik e.V., ohne die es für Newcomer*innen einfach sehr schwierig wird, zahlreiche Hürden zu überwinden. Sei es der erste Live-Auftritt oder die Aufnahme von Songs.“

Text: Nicole Oppelt

______________________________________

Die diesjährige Jury bestand aus:
Stefan Knoess – Sänger, Gitarrist Songwriter & Produzent (u.a. für Patrick Nuo, Helene Fischer, Sasha, Max Mutzke)
Sven Bünger – Songwriter, Producer & Coach (u.a. Johannes Oerding, Yvonne Catterfeld, Madsen, Tonbandgerät)
Stefan Weigel – Sänger der local heroes-Ex-Bundesfinalisten Flash Forward
Jannik Krach – Backliner und Live-Musiker (u.a. Flash Forward)

Die Bundesfinalisten 2021 im Überblick:
Baden-Württemberg: NEON DIAMOND (Neonpop-Band aus Ravensburg)
Berlin: Merely Minds (Pop-Rock-Band aus der Hauptstadt)
Brandenburg: Helio (Rock-Band aus Wriezen)
Mecklenburg-Vorpommern: Tini Thern (Indie-Pop-Folk-Sängerin aus Wismar)
Niedersachsen: OS (HipHop- & Pop-Duo aus Schwarme)
Rheinland-Pfalz: Sinu (Alternative Indiefolk-Band aus Mainz)
Sachsen: Stojanov & the Syndicate (Classic-/Blues-/Funkrock-Band aus Freiberg)
Sachsen-Anhalt: Reiche Söhne (Indiepop/-rock aus Halle (Saale))
Schleswig-Holstein: Arrested (Pop-, Rock- & Funk-Crossoverband aus Lübeck)
Thüringen: MALUS (Alternative-Rock-Band aus Erfurt)

Über local heroes:
local heroes war kurz nach der Wiedervereinigung zunächst als lokaler Bandcontest in Salzwedel gestartet, um die Musikszene nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze näher zusammen zu bringen. In den vergangenen 30 Jahren wuchs das regionale Projekt zu einer bundesweiten Netzwerkstruktur. Viele heute national erfolgreiche Bands wie Madsen und Tokio Hotel sammelten ihre ersten Bühnenerfahrungen auf local heroes-Bühnen. Durch den Contest konnten sie sich mit wichtigen Akteur*innen der Musikindustrie vernetzen. Traditionell findet das Bundesfinale der local heroes im Kulturhaus Salzwedel statt. Auf die Herausforderungen der Pandemie reagierte das local heroes-Team unter Leitung von Julia Wartmann kreativ: Seit 2020 wird das Bundesfinale als fernsehreife Musikshow abgedreht und bringt herausragende Newcomer*innen des Landes zu den Fans ins Wohnzimmer. Für ihr soziales Engagement wurde die Newcomer-Plattform mit dem Einheitspreis der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Für die local heroes-Fotoausstellung „GRENZSAITEN“, die sich mit der Wiedervereinigung aus musikalischer Perspektive beschäftigt, erhielt der Verein am 2. Oktober 2020 erneut den Einheitspreis.

local heroes Bundesfinale 2021: Tini Thern ist eine echte Selfmade-Frau

Erst seit wenigen Jahren ist Tini Thern als Musikerin aktiv. Die junge Künstlerin nimmt die Dinge beherzt selbst in die Hand.

„Ich habe meinen Song an die 100 Mal (täglich) durchgespielt“, erinnert sich Tini Thern an die Vorbereitung auf das local heroes-Bundesfinale 2021. „Daneben habe ich mir viele Videos anderer Singer-Songwriter*innen und allgemein akustische Live-Sessions angesehen, um mich, auch was die Performance anging, inspirieren zu lassen.“ (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Tini Thern ging 2021 als Bundesfinalistin für Mecklenburg-Vorpommern ins Rennen um Deutschlands größten Non Profit-Newcomer-Musikpreis. Die Umsetzung des local heroes- Bundesfinales 2021 knüpfte an die erfolgreiche Premiere im vergangenen Jahr an. Statt des gewohnten Live-Events in Kulturhaus Salzwedel (Sachsen-Anhalt), wurde mit den Bundesfinalist*innen Mitte September eine hochwertige audiovisuelle Sendung produziert. Die local heroes-Bundesfinalshow wurde am 13. Dezember unter anderem in zehn Kinos in den Heimatstädten der Finalist*innen ausgestrahlt – ein Novum in der 30-jährigen Geschichte von local heroes.

Wer 2020 dachte, dass alles anders wird, der wurde 2021 eines Besseren belehrt. Dieser Satz mag für viele Lebens- und Gesellschaftsbereiche gelten. Für die Kultur steht er jedoch insbesondere. Auch Deutschlands größter Non Profit-Newcomer-Musikpreis local heroes hat sich in den gut 20 Monaten Pandemie neu erfinden müssen. Mit Erfolg. Erstmals wurde das Bundesfinale 2020 als Musiksendung umgesetzt. 2021 legte das Team um Projektleiterin Julia Wartmann noch einmal eine Schippe drauf – es brachte die insgesamt zehn Landessieger*innen nicht nur in eine eigene Musiksendung, sondern obendrein deutschlandweit in die Kinos.

Das local heroes Bundesfinale ist mehr als eine Musikshow. Die Künstler:innen haben auch Gelegenheit, sich mit Profis auszutauschen, wie Tini Thern im Gespräch mit Coach Felix Mannherz. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Via Handy zum Musikmachen

Für die 22-jährige Tini Thern aus Arpshagen, die zum Reigen der zehn local heroes-Finalist*innen gehörte, war das sicherlich Neuland – und damit auch eine schöne Herausforderung in ihrem bisherigen musikalischen Werdegang. Denn ihre Geschichte als Singer-Songwriterin beginnt erst 2018. Damals fand sie das Musikprogramm „GarageBand” auf ihrem iPhone und begann damit, andere Songs anderer Artists selbst zu re-arrangieren. Zeitgleich hatte sie bereits einige Songs nur für sich mit Gitarre oder Klavier geschrieben und begonnen, ihre eigenen Songs auch zu produzieren und aufzunehmen. Nur ein Jahr später war es dann soweit: Sie veröffentlichte ich ihren ersten eigenen Song „Vanilla Swirls” auf Soundcloud.

Noch steht die junge Frau also recht am Anfang. „Da ich allein arbeite und das Songwriting und die Produktion sowie alles drum herum selbst in die Hand nehme, fehlt es mir manchmal an Selbstsicherheit und ich merke, wie ich an Entscheidungen bezüglich meiner Musik zweifle“, beschreibt sie ihre aktuellen „Baustellen“ im Vorfeld des Bundesfinales. „Dabei bleibt dann häufig Spaß und auch Kreativität auf der Strecke, welche für mich eigentlich die wichtigsten Komponenten des Musikmachens sind.“ Doch aufzugeben kam für sie nie infrage.

Musik, die Zauber entstehen lässt

Kraft zieht sie aus der Unterstützung durch ihre Freunde. Auch eine „kreative Pause“ half, um bisher „immer wieder zurück zum Ausgangspunkt“ zu finden. Und das lohnt sich: „Ich hatte einige kleine Live-Konzerte unter freiem Himmel letzten und diesen Sommer und die Stimmung und Atmosphäre war jedes Mal so schön und besonders“, erinnert sie sich zurück. „Es freut mich immer sehr, auch wirklich zu sehen, dass den Zuhörern meine Musik gefällt und irgendwie ein Zauber entsteht.“

Tini Thern reflektiert ihre Kunst gewissenhaft. Dazu stand sie im Rahmen des Drehs auch Moderatorin Tine Wittler Rede und Antwort. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Diesen verbreitet sie auch bei local heroes. Tini gewann den Tourförderpreis von PopKW, dem Landesverband für populäre Musik und Kreativwirtschaft M-V e.V., und wurde direkt für das local heroes-Bundesfinale 2021 nominiert. „Das ist natürlich eine riesige Ehre und ich freue mich, Mecklenburg-Vorpommern dieses Jahr vertreten zu dürfen“, sagt sie bescheiden. Denn mit ihrer Teilnahme ist auch eine kleine Besonderheit verbunden. „Als einzige Singer-Songwriterin (und eine der wenigen weiblichen Musikerinnen im Teilnehmer*innenfeld dieses Jahr) zeichnet mich zum einen mein simples Set-up aus. Im Gegensatz zu den anderen Bands, spiele ich lediglich Gitarre und singe dazu. Da entsteht natürlich ein ganz anderer Sound als bei einer Band aus bspw. sechs Musiker*innen“, fasst sie zusammen. Außerdem sei ihr Song ein eher „etwas melancholischer und zur Nostalgie verleitender Walzer“, der einen „kleinen Ruhepol zwischen den anderen Bands“ darstelle.

Spannende Drehtage

Von diesem Ruhepol konnte sich das local heroes-Team schon vor einer ganzen Weile überzeugen. Denn bereits im September wurde mit Tini Thern und den neun weiteren Bands bzw. Solist*innen unter strengen Corona-Auflagen für die Bundesfinalshow gedreht. Neben einer Live-Performance gehörte auch ein Interview mit TV-Queen Tine Wittler, der diesjährigen Moderatorin des Bundesfinales, dazu. Außerdem erhielten die Teilnehmenden ein TV- und Individual-Coaching. Die letzte Klappe fiel schließlich am 13. September im Club Hanseat in Salzwedel.

Das Publikum entschied mit

Wer schließlich den inzwischen wichtigsten Musikpreis der deutschen Non-Profit-Musikszene beim local heroes-Bundesfinale erhält, entschied in diesem Jahr, neben einer Fachjury, auch das Publikum. Die Musikfans hatten in den jeweiligen Kinos, in denen das Bundesfinale ausgestrahlt wurde, die Möglichkeit zur Abstimmung. Die Sieger*innen wurden im Anschluss an die Kino-Ausstrahlung verkündet. Sie erhielten Preise im Wert von ca. 10.000 Euro.

„Ich versuche immer, eine bestimmte Atmosphäre in meinen Songs zu erschaffen. Da ich sehr visuell denke und ich während des Kreierens oft Farben oder Bilder im Kopf habe, versuche ich, diese so gut wie möglich in Musik umzuwandeln und hoffe ‚das Bild‘ weiterzuvermitteln“, so die junge Künstlerin über ihre musikalischen Ansprüche. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Bundesfinalshow konserviert

Für alle, die nicht live in einem der ausgewählten Kinos dabei sein konnten, gibt es übrigens ein kleines Trostpflaster. Sie haben wohl in naher Zukunft die Möglichkeit, die Show auf YouTube und auf mehreren Offenen Kanälen im deutschen Fernsehen anzusehen und sich selbst von der immensen Qualität des 2021er local heroes-Jahrgangs zu überzeugen. Genaue Termine werden noch bekanntgegeben.

Und wie geht es mit Tini Thern weiter? Sie hofft, von der Vielzahl an neuen Kontakten, ob mit Musiker*innen oder Crew-Mitgliedern, sowie von den neuen Erfahrungen durch das Interview und die Coachings zu profitieren. Gleiches gilt für das im Zuge des Bundesfinales entstandene Video- und Bildmaterial, das sie künftig zur Bewerbung ihrer Musik einsetzen möchte. „Am meisten werde ich wahrscheinlich von der Erfahrung allgemein profitieren, da ich noch nie vorher bei einem vergleichbaren Contest mitgemacht habe und alles sehr neu für mich ist.“

Tini Thern hat außerdem handfeste Zukunftspläne. „Neben dem Beginn eines neuen Studiums im Musik-Medien-Bereich, möchte ich auf alle Fälle noch viele neue Songs schreiben und produzieren. Außerdem wünsche ich mir schon seit Ewigkeiten mal, in einer Band zu spielen bzw. zu singen und hoffe darauf, den Wunsch innerhalb des nächsten Jahres umzusetzen zu können.“

Großer Wunsch: Förderung von Künstlerinnen

Bei aller eigener Zukunftsmusik denkt die junge Frau jedoch auch an andere. Corona-bedingt würden derzeit Auftrittsmöglichkeiten wie Open-Mic-Abende oder kleinere Festivals für kleinere bzw. anfangende Nachwuchs-Künstler*innen fehlen. „Ich hoffe, dass sich im Laufe des nächsten Jahres mit Besserung der Situation auch die Kulturszene wieder schnell erholen kann.“ Außerdem würde sie sich besonders die Förderung weiblicher Künstlerinnen wünschen, „um mehr Gleichgewicht und Gleichberechtigung auf – als auch hinter der Bühne – zu schaffen.“ Und damit ist sie sicher nicht allein…

Text: Nicole Oppelt

______________________________________

Die diesjährige Jury bestand aus:
Stefan Knoess – Sänger, Gitarrist Songwriter & Produzent (u.a. für Patrick Nuo, Helene Fischer, Sasha, Max Mutzke)
Sven Bünger – Songwriter, Producer & Coach (u.a. Johannes Oerding, Yvonne Catterfeld, Madsen, Tonbandgerät)
Stefan Weigel – Sänger der local heroes-Ex-Bundesfinalisten Flash Forward
Jannik Krach – Backliner und Live-Musiker (u.a. Flash Forward)

Die Bundesfinalisten 2021 im Überblick:
Baden-Württemberg: NEON DIAMOND (Neonpop-Band aus Ravensburg)
Berlin: Merely Minds (Pop-Rock-Band aus der Hauptstadt)
Brandenburg: Helio (Rock-Band aus Wriezen)
Mecklenburg-Vorpommern: Tini Thern (Indie-Pop-Folk-Sängerin aus Wismar)
Niedersachsen: OS (HipHop- & Pop-Duo aus Schwarme)
Rheinland-Pfalz: Sinu (Alternative Indiefolk-Band aus Mainz)
Sachsen: Stojanov & the Syndicate (Classic-/Blues-/Funkrock-Band aus Freiberg)
Sachsen-Anhalt: Reiche Söhne (Indiepop/-rock aus Halle (Saale))
Schleswig-Holstein: Arrested (Pop-, Rock- & Funk-Crossoverband aus Lübeck)
Thüringen: MALUS (Alternative-Rock-Band aus Erfurt)

Über local heroes:
local heroes war kurz nach der Wiedervereinigung zunächst als lokaler Bandcontest in Salzwedel gestartet, um die Musikszene nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze näher zusammen zu bringen. In den vergangenen 30 Jahren wuchs das regionale Projekt zu einer bundesweiten Netzwerkstruktur. Viele heute national erfolgreiche Bands wie Madsen und Tokio Hotel sammelten ihre ersten Bühnenerfahrungen auf local heroes-Bühnen. Durch den Contest konnten sie sich mit wichtigen Akteur*innen der Musikindustrie vernetzen. Traditionell findet das Bundesfinale der local heroes im Kulturhaus Salzwedel statt. Auf die Herausforderungen der Pandemie reagierte das local heroes-Team unter Leitung von Julia Wartmann kreativ: Seit 2020 wird das Bundesfinale als fernsehreife Musikshow abgedreht und bringt herausragende Newcomer*innen des Landes zu den Fans ins Wohnzimmer. Für ihr soziales Engagement wurde die Newcomer-Plattform mit dem Einheitspreis der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Für die local heroes-Fotoausstellung „GRENZSAITEN“, die sich mit der Wiedervereinigung aus musikalischer Perspektive beschäftigt, erhielt der Verein am 2. Oktober 2020 erneut den Einheitspreis.

local heroes Bundesfinale 2021: „Arrested“ aus Schleswig-Holstein präsentieren die beste Instrumentalistin

Schlagzeugerin Hanna Selk beeindruckte die Juror:innen nachhaltig.

„Endlich wieder live spielen und zusammen mit dem Publikum den Moment genießen“, das steht für „Arrested“ im Augenblick an erster Stelle.(Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Arrested“ gingen 2021 als Bundesfinalisten für Schleswig-Holstein ins Rennen um Deutschlands größten Non Profit-Newcomer-Musikpreis. Zum Titel „Beste Instrumentalistin 2021“ gratulierte die Jury dieses Jahr der Schlagzeugerin der Band, Hanna Selk. Was für ein grandioser Erfolg!

Die „Frontfrau am Schlagzeug“, so wurde Hanna Selk von den Juror:innen des local heroes-Bundesfinales 2021 betitelt. Und zu Recht: Sie stach mit ungewöhnlichen Ideen, einem ruhigen Spiel und einer mitreißenden Ausstrahlung aus dem Teilnehmerfeld heraus. Für ihre bemerkenswerte Spielweise und ihre ausgeprägte Rhythmik wurde die junge Frau mit einem Gutschein vom Musikhaus Thomann belohnt.

Doch wie kam es dazu? Wer 2020 dachte, dass alles anders wird, der wurde 2021 eines Besseren belehrt. Dieser Satz mag für viele Lebens- und Gesellschaftsbereiche gelten. Für die Kultur steht er jedoch insbesondere. Auch Deutschlands größter Non Profit-Newcomer-Musikpreis local heroes hat sich in den gut 20 Monaten Pandemie neu erfinden müssen. Mit Erfolg. Erstmals wurde das Bundesfinale 2020 als Musiksendung umgesetzt. 2021 legte das Team um Projektleiterin Julia Wartmann noch einmal eine Schippe drauf – es brachte die insgesamt zehn Landessieger*innen nicht nur in eine eigene Musiksendung, sondern obendrein deutschlandweit in die Kinos.

Zum Drehtag in Salzwedel gehörte auch ein Interview mit Moderatorin Tine Wittler. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Double Female Fronted – geballte Frauenpower an den Mikros

Für Josephine Zietz, Dominik Noack, Wencke Hübner, Hanna Selk, Finn Kluge und Thore Kolms aus Lübeck, die mit ihrer Band „Arrested“ zum Reigen der zehn local heroes-Finalist*innen gehörten, dürfte das eine völlig neue Erfahrung gewesen sein, obschon sie sehr engagiert sind und in der Vergangenheit unter bereits im TV zu sehen waren.

Entstanden ist die „Arrested“ aus einem Projekt der RockPop-Schule Lübeck. Erst seit Anfang 2017 spielen sie in dieser Besetzung. Unter dem Motto „Raus aus dem Proberaum und rauf auf die Bühne“ nahmen sie seither gefühlt an sämtlichen Bandcontests teil und spielten bereits innerhalb der ersten zwei Jahre gut 50 Auftritte. Ihr Publikum begeistern sie mit feinstem Crossover. Hier trifft RockPop auf HipHop und Funk auf Reggae. „Viele verschiedene Einflüsse, Abwechslungsreichtum und innovativ zu sein, Unkonventionelles zu probieren und umzusetzen“, darauf legen die Musiker*innen besonderen Wert. Denn dadurch sei ihre Musik „individuell und interessant“.

„Für uns ist jeder Auftritt etwas Besonderes“, sagen sie im Vorfeld des Bundesfinales. Das gelte insbesondere für ihre Teilnahme bei local heroes. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Und wie kamen sie zu local heroes? „Arrested“ hatten sich über ein Bewerbungsverfahren des Landesmusikrates Schleswig-Holstein im Sommer für das local heroes-Bundesfinale 2021 qualifiziert. Mit Erfolg: „Wir versuchen alles mitzunehmen, was wir mitnehmen können, weil das Konkurrenzdenken nicht da ist und die Coachings uns weiterbringen.“ Jede Platzierung sei ein Gewinn für sie. Dennoch haben sie ihre Teilnahme sehr ernst genommen. „Wir haben viel geprobt, live gespielt und viel Zeit zusammen verbracht, besonders in der Phase, als wir den Song für das Bewerbungsvideo von local heroes-Schleswig-Holstein recoded (Film und Musik) haben.“

Spannende Drehtage

Mit Erfolg: Im September wurde mit „Arrested“ und den neun weiteren Bands bzw. Solist*innen unter strengen Corona-Auflagen für die Bundesfinalshow gedreht. Neben einer Live-Performance gehörte auch ein Interview mit TV-Queen Tine Wittler, der diesjährigen Moderatorin des Bundesfinales, dazu. Außerdem erhielten die Teilnehmenden ein TV- und Individual-Coaching. Die letzte Klappe fiel schließlich am 13. September im Club Hanseat in Salzwedel.

Eine echte Besonderheit: „Arrested“ beschreiben sich selbst als „Double Female Fronted“-Band. Hier gibt es geballte Frauenpower an den Mikros. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Mehr Förderung für den musikalischen Nachwuchs

Und wie geht es mit „Arrested“ weiter? Vielleicht wieder ein ambitioniertes Projekt? Die Band hatte die freie Zeit während der Corona-Pandemie genutzt, um ein gemeinschaftliches Projekt mit drei anderen Bands der RPS Lübeck auf die Beine zu stellen: Projekt-Rock-at-Home bewarb sich mit dem selbst geschriebenen Song „Wir retten jetzt die Welt“ beim Welcome to Europe Songcontest. Das Finale fand im Europa-Park in Rust statt und von insgesamt 99 Bewerbern aus ganz Europa holten sie den zweiten Platz nach Norddeutschland. Ganz so „groß“ denken sie derzeit nicht. Stillstand kommt für sie aber auch nicht infrage. „Eine Single produzieren und Songs raushauen, dazu Videos drehen und hoffentlich bald wieder live zu spielen, schaut gern auf unserer Webseite vorbei“, bringen sie ihre nächsten Pläne auf den Punkt.

Das Sextett hat aber auch Zukunftsträume, von denen viele junge Musiker*innen profitieren könnten. „Es sollte mehr Förderformate für junge Künstler*innen geben, in denen sie sich austauschen und mit professionalisierten Menschen Erfahrungen sammeln können“, lautet einer ihrer Wünsche. „Mehr kleine Bands sollten im Radio laufen, es sollte mehr Auftrittsmöglichkeiten für Newcomer*innen geben und den Veranstaltern sollte es staatlich bezuschusst werden, jungen Künstler*innen eine Plattform schaffen zu können.“

Text: Nicole Oppelt

______________________________________

Die diesjährige Jury bestand aus:
Stefan Knoess – Sänger, Gitarrist Songwriter & Produzent (u.a. für Patrick Nuo, Helene Fischer, Sasha, Max Mutzke)
Sven Bünger – Songwriter, Producer & Coach (u.a. Johannes Oerding, Yvonne Catterfeld, Madsen, Tonbandgerät)
Stefan Weigel – Sänger der local heroes-Ex-Bundesfinalisten Flash Forward
Jannik Krach – Backliner und Live-Musiker (u.a. Flash Forward)

Die Bundesfinalisten 2021 im Überblick:
Baden-Württemberg: NEON DIAMOND (Neonpop-Band aus Ravensburg)
Berlin: Merely Minds (Pop-Rock-Band aus der Hauptstadt)
Brandenburg: Helio (Rock-Band aus Wriezen)
Mecklenburg-Vorpommern: Tini Thern (Indie-Pop-Folk-Sängerin aus Wismar)
Niedersachsen: OS (HipHop- & Pop-Duo aus Schwarme)
Rheinland-Pfalz: Sinu (Alternative Indiefolk-Band aus Mainz)
Sachsen: Stojanov & the Syndicate (Classic-/Blues-/Funkrock-Band aus Freiberg)
Sachsen-Anhalt: Reiche Söhne (Indiepop/-rock aus Halle (Saale))
Schleswig-Holstein: Arrested (Pop-, Rock- & Funk-Crossoverband aus Lübeck)
Thüringen: MALUS (Alternative-Rock-Band aus Erfurt)

Über local heroes:
local heroes war kurz nach der Wiedervereinigung zunächst als lokaler Bandcontest in Salzwedel gestartet, um die Musikszene nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze näher zusammen zu bringen. In den vergangenen 30 Jahren wuchs das regionale Projekt zu einer bundesweiten Netzwerkstruktur. Viele heute national erfolgreiche Bands wie Madsen und Tokio Hotel sammelten ihre ersten Bühnenerfahrungen auf local heroes-Bühnen. Durch den Contest konnten sie sich mit wichtigen Akteur*innen der Musikindustrie vernetzen. Traditionell findet das Bundesfinale der local heroes im Kulturhaus Salzwedel statt. Auf die Herausforderungen der Pandemie reagierte das local heroes-Team unter Leitung von Julia Wartmann kreativ: Seit 2020 wird das Bundesfinale als fernsehreife Musikshow abgedreht und bringt herausragende Newcomer*innen des Landes zu den Fans ins Wohnzimmer. Für ihr soziales Engagement wurde die Newcomer-Plattform mit dem Einheitspreis der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet. Für die local heroes-Fotoausstellung „GRENZSAITEN“, die sich mit der Wiedervereinigung aus musikalischer Perspektive beschäftigt, erhielt der Verein am 2. Oktober 2020 erneut den Einheitspreis.