Zusammenhalt ist alles: Fans spenden 867 Euro für regionale Musiker:innen

(Foto: Screenshot)

Was für ein schöner Erfolg! Beim zweiten Livestream „Couch in Concert“ des Bamberger Festivals e.V. Ende April kamen ganze 867 Euro für regionale Musiker:innen zusammen. Derart beflügelt, plant das Team bereits eine dritte Veranstaltung, die voraussichtlich am 4. Juni 2021 stattfinden soll.

„Streaming-Konzerte waren eine schöne Idee, sich mal wieder zu zeigen oder die Lieblingskünstler in Aktion zu sehen“, sinnierten die local heroes Bayern-Landesfinalisten 2020 „Zeremony“ Anfang dieses Jahres in einem Gespräch mit dem local hereos-Bayern-Team. Die Würzburger Band sprach damit sicherlich vielen Musiker:innen und Fans aus der Seele. In Bamberg ist man sich dieses Bedürfnisses wohl bewusst. Dort gab es für regionale Künstler:innen kürzlich ein zweites Mal Gelegenheit, ein „Lebenszeichen“ auszusenden.

Rund 80 Zuschauer waren dabei, als sich am 29. April gleich vier Formationen beim zweiten Livestream „Couch in Concert“ des Bamberger Festivals e.V. präsentierten. Bequem von der heimischen Couch aus, konnten sie einem bunten Abendprogramm lauschen, das für jeden Geschmack etwas bereithielt. Der Abend „begann mit einem gemütlichen Auftritt von Singer/Songwriter Yildiz aus Bamberg, welche türkische und englische Songs präsentierte“, berichtet das Team von Bamberger Festivals e.V. „Danach folgte die Bamberger Rockband Drake Stone, die diesmal nur in einer 2-Mann-Besetzung auftraten und ihre Songs des letzten Albums spielten.“

(Foto: Screenshot)

Der dritte im Bunde dürfte vor allem local heroes-Bayern-Fans ein Begriff sein – Loop-Artist und Indie-Pop-Sänger He Told Me To alias Sandro Weich, der es 2020 bis in die Top20 des Landeswettbewerbs schaffte. Der Solokünstler aus Coburg „bereicherte das Programm durch sein musikalisches Talent, die unterschiedlichsten Musikinstrumente und die Loop-Station zu koordinieren“, zeigte man sich nun auch in Bamberg begeistert vom Talent des umtriebigen jungen Mannes, der schon als Support für LaBrassBanda, Sam Vance-Law und Theodor Shitstorm auf der Bühne stand.

Den Abschluss des Abends machte das Geschwister-Duo von Bernstein & Ebenholz aus Bamberg/Hammelburg, das seine Zuhörer mit Gitarre, Harfe, Flöte und harmonischer Zweistimmigkeit auf Reisen schickt. Marco und Carina Aul hinterließen in der Domstadt ebenfalls einen bleibenden Eindruck. Sie machen „märchenhafte Folk-Musik“ und singen „dabei von unterschiedlichsten Mythen und Legenden“, fasst das Organisationsteam den zauberhaften Auftritt zusammen.

Wer es verpaßt hat, kann sich hier nocheinmal die Konzerte in voller Länge anschauen:

Im Anschluss gab es ein kleines „Extra“ für alle Teilnehmer:innen. Denn der Abend wurde mit einer kleinen virtuellen Aftershowparty in Zoom abgerundet, um sich mit anderen musikbegeisterten Menschen zu treffen.

Gefreut hat sich der Verein am Ende jedoch nicht nur über die musikalischen Darbietungen. „Auch diesmal war die Spendenbereitschaft der Musikfans außerordentlich hoch, denn die 35 Spender:innen haben zusammen 867 Euro für die vier Auftritte gespendet und konnten damit die Musiker:innen in der derzeitigen Situation direkt unterstützen.“

Und wie geht es weiter? Interessierte Musiker:innen können sich ab sofort für den dritten Livestream per E-Mail an info@bambergerfestivals.de bewerben. Weitere Infos gibt es unter www.bambergerfestivals.de

Text: Nicole Oppelt

„ab geht die Lutzi“: 2022 wird das Festival noch besser!

Das „ab geht die Lutzi“-Festival in Rottershausen wird auch dieses Jahr nicht stattfinden. Stillstand kommt für das Organisationsteam aber nicht infrage.

Donots @ Lutzi 2019 (Foto: Ralf Kowohl)

Leider wird es auch im Sommer 2021 kein „ab geht die Lutzi“-Festival in Rottershausen geben. Die Unsicherheit ist einfach zu hoch, die Zeit bis zum anvisierten Termin Ende Juni 2021 zu knapp. Neuer Termin für das 11. „ab geht die Lutzi“ soll nun der 23. bis 25. Juni 2022 sein. Die Verantwortlichen stecken die Köpfe jedoch nicht in den Sand. Sie vernetzen sich und versuchen, die „Lutzi“ künftig noch besser zu machen.

Ideen gab es in den vergangenen Monaten viele. Immer wieder hat das „ab geht die Lutzi“-Team über den Tellerrand geblickt, sich mit anderen Festivalmachern ausgetauscht und sich über Optionen informiert, die einen Festivalsommer 2021 mit bekannten Namen wie Anti-Flag, Moop Mama, Swiss & Die Andern, Grossstadtgeflüster, Bambägga, Radio Havanna oder auch Afrob doch noch ermöglichen könnten. Geholfen haben die „vielen Hundert Stunden Arbeit“ seit dem vergangenen Herbst leider nicht. Wochen, nachdem bereits einige große Veranstaltungen deutschlandweit abgesagt werden mussten, ist auch für den Raum Bad Kissingen klar: Das „ab geht die Lutzi“ findet erst wieder 2022 statt.

Antilopen Gang @ Lutzi 2019 (Foto: Yasemin Ikibas)

Die „Lutzi“ steht für eine unbeschwerte Zeit

„Unabhängig von behördlichen Auflagen bzw. Verboten, die in den nächsten Wochen kommen oder aufgehoben werden, sehen wir keine Chance, in diesem Sommer ein ‚Lutzi‘-Festival zu veranstalten, wie wir es bislang kennen und auch lieben“, erklärt „Lutzi“-Organisator Christian Stahl. Leicht, so macht der Festival-Chef deutlich, habe man sich die Entscheidung auch diesmal nicht gemacht. Letztlich wogen aber zwei Argumente besonders schwer. Zum einen gehe es beim „Lutzi“-Festival, neben der musikalischen Vielfalt, auch immer darum, mit Freunden und Bekannten ausgelassen zu feiern und den Moment zu genießen. Eine solch unbeschwerte Zeit sei unter den aktuellen Bedingungen schlicht nicht möglich. „Sitzplatzkonzerte oder zu strenge Regeln kommen für uns nicht infrage. Das widerspricht dem, was die ‚Lutzi‘ ausmacht“, macht Christian Stahl deutlich, dass eine „abgespeckte Version“ des Festivals nicht zur Debatte steht. „Das ist am Ende kein ‚Lutzi‘-Festival mehr.“ Zum anderen gebe es im Augenblick „keinerlei Planungsgrundlage“, sodass weitere Anstrengungen wenige Wochen vor dem anvisierten Termin Ende Juni 2021 keinen Sinn mehr ergeben würden.

(Foto: Yasemin Ikibas)

Tickets behalten ihre Gültigkeit

All jene, die in den vergangenen Wochen bereits ein Ticket für den Sommer 2021 erworben haben, kann Christian Stahl beruhigen. „Die gekauften Tickets behalten natürlich für 2022 ihre Gültigkeit. Sie können aber auch zurückgegeben werden.“ Nähere Informationen hierzu werde das Team rechtzeitig auf der „Lutzi“-Homepage bekanntgeben.

Eine Spendenaktion wie 2020 wird es diesmal jedoch nicht geben. „2021 haben wir uns von vorneherein anders aufgestellt. Eine mögliche Absage war stets im Hinterkopf. Die Situation ist daher eine andere“, erklärt der Festival-Chef. Nach der Absage für 2020, hatte das „ab geht die Lutzi“ Team dazu aufgerufen, die bereits erworbenen Tickets zu spenden. Zum einen sollten damit non-profit Organisationen, die eigentlich präsent gewesen wären, unterstützt, zum anderen so auch die bisher entstandenen Kosten kompensiert werden. Durch die gespendeten Tickets kamen rund 12.000 Euro für diese Organisationen zusammen. „Das war ein wirklich toller Erfolg, den wir für ‚Viva con Agua‘, ‚Kein Bock auf Nazis‘ und ‚Goldeimer‘ aufgeteilt und dann weitergeben haben.“

Kein Bock auf Nazis @ Lutzi 2019 (Foto: Lukas Veth)

23. bis 25. Juni 2022 – hoffentlich wieder drei Tage „Lutzi“-Festival

Das „Lutzi“-Festival wäre aber nicht das, was es nun einmal für viele ist, wenn es in diesen für Musikfreunde düsteren Tagen nicht auch an das eigene Team denken würde. Dieses ist teils seit der ersten Stunde mit höchstem Engagement bei der Sache. Die gesamte Arbeit wird ehrenamtlich erledigt. Oft genug werden wertvolle Urlaubstage für das Festival „geopfert“. Für alle Mitwirkenden ist die neuerliche Absage für 2021 sicherlich eine sehr bittere Entscheidung, sind sie doch zu einer „richtigen Festival-Familie“ zusammengewachsen. Daher kündigt Stahl schon jetzt an, Ende August zumindest sie auf der alljährlichen Teamfeier wiedersehen zu wollen. Natürlich nur, soweit es die dann aktuelle Lage zulässt.

Lutzi Crew 2019 (Foto: Lutzi Pressematerial)

Festival-Feeling „light“

Und bis dahin? Seit dem ersten Mai-Wochenende gibt es in Rottershausen zumindest eine kleine, kulinarische Abwechslung. Der Foodtruck von ‚Mexican Soulfood‘ steht nun jeden Samstag von 11 bis 19 Uhr auf dem Parkplatz Sportgelände (Siebengärten) hinter dem eigentlichen Festivalgelände. Im Gepäck hat er mexikanische Spezialitäten, Bürger und süße Leckereien. Verkauft wird das Essen „to go“ und natürlich mit „viel Abstand“. Dabei kann zumindest so ein bisschen „Festival-Feeling“ aufkommen.

Und was erwartet die Festival-Freunde im Jahr 2022? Für das „Lutzi“- Team steht fest: Es geht weiter! „Der Termin steht, an dem wir mit euch, hoffentlich mit vielen Bands des aktuellen Line-Ups, den Standbetreibern und allen anderen Mitwirkenden bei bester Laune und vor allem gesund das 11. ‚ab geht die Lutzi‘-Festival mehr als einfach nur nachholen werden.“ Die Hoffnung ist jedenfalls groß, bereits ab Herbst wieder in gewohnter Runde, in Präsenz statt online mit den Vorbereitungen beginnen zu können.

Fatoni @ Lutzi 2019 (Foto: Matthias.kPhotography)

Arbeit an „großen Themen“

Bis dahin kümmert sich das Organisationsteam um „übergeordnete Themen“, die für Stahl und seine Freunde schon seit längerer Zeit mehr und mehr in den Vordergrund rücken. „Aspekte wie Nachhaltigkeit, Inklusion, eine Festival-App und vieles mehr beschäftigen uns gerade intensiv“, sagt Christian Stahl. Mit professioneller Unterstützung und neuen Partnern, wie der Festivalplattform HÖME, soll die „Lutzi“ weiterentwickelt und fit für die Zukunft gemacht werden. „Wir wollen das Festival nach Corona auf jeden Fall besser und interessanter machen. Wir haben viele Ideen!“

Alle Infos hier:
https://www.dielutzi.de/ticketrueckgabe2021

Text: Nicole Oppelt

Geglückter Selbstversuch

Am 16. April erschien das neue Album „Tipi im Wald“ von Stephen Keise (Foto: Pressematerial)

Außergewöhnliche Situationen wirken auf Menschen ganz unterschiedlich. Während sich die Einen biedermeierlich zurückziehen, wächst in Anderen der Drang, sich auszudrücken. Der Würzburger Erzieher und Musiker Stephen Keise gehört definitiv zu Letzteren. 2020 löste in ihm einen wahren Kreativitätsschub aus. Erste Ergebnisse können Musikfreunde bereits seit einigen Wochen auf YouTube bewundern. Am 16. April folgte nun sein Album „Tipi im Wald“.

„Letztes Jahr beim Campen an der Ostsee lernte ich ‚Hippie Jens‘ kennen, einen mobilen Heilpraktiker, der noch nie einen Computer benutzt hat und ohne Smartphone und Internet lebt“, erinnert sich Stephen Keise an den Sommer 2020 zurück. Für den zweifachen Familienvater war das eine einschneidende Begegnung. „Seine Lebensfreude, Leichtigkeit und Dankbarkeit gegenüber allem beeindruckten mich sehr.“ Jens, so erzählt Stephen im Gespräch mit dem Kulturmagazin Leporello, habe ihn in seinem bisherigen Lebensweg bestärkt und ihm Literaturtipps mit auf den Weg gegeben, die in den kommenden Monaten so manches in ihm auslösen sollten. „Du musst unbedingt mal ‚Siddhartha‘ und der ‚Steppenwolf‘ von Hermann Hesse lesen“.

Einfach mal offline gehen…

Gesagt, getan. Stephen unterzog sich einem Selbstversuch. Er tauschte Internet und TV gegen Ruhe und Bücher ein. „Ich verspürte schon seit längerem den Wunsch nach einer neuen Herangehensweise beim Texten und hoffte so vielleicht auf neue Quellen der Inspiration zu stoßen“, fasst er die für ihn bislang ungewöhnlichste Arbeitsphase an einem Album zusammen. Mit Erfolg: „Der Versuch ging auf und ‚Tipi im Wald‘ schrieb sich praktisch von selbst. Songkonzepte, Texte und Melodien sprudelten nur so aus mir heraus und die ersten Demos sorgten für wohlwollendes Feedback in meinem Umfeld.“ Für ihn sei der ganze Prozess eine Art „Entgiftung“ im positiven Sinne gewesen. „So etwas habe ich zuvor noch nie erlebt. Es kamen Gedanken zum Vorschein, die sonst durch Einflüsse von außen wohl überdeckt geblieben wären“, gibt er unumwunden zu. „Hesse hat mich auf den Boden geholt und mir geholfen, auf dem Teppich zu bleiben.“

„‚Tippi im Wald‘ erinnert uns daran, wie wichtig es ist, seine eigene Formel zu finden und vielleicht ein bisschen mehr wie ‚Hippie Jens‘ zu sein“, sagt Stephen Keise. (Foto: Pressematerial)

Insgesamt zehn neue Songs entstanden auf diese Weise. Die gleichnamige Single „Tipi im Wald“ ist seit Anfang März dieses Jahres online und entführt Zuhörer wie Zuschauer in die unberührte Natur. „Dieser Titel ist aus der eigenen ‚Tipi-Erfahrung‘ entstanden. Es ist ein Tune für alle Outdoor-Fans und Frischluft-Fanatiker“, schmunzelt Stephen. Zu sehen ist er darin gemeinsam mit seiner Familie, die die neu gewonnene, freie Zeit während der Corona-Pandemie nutzt, um sich fernab ein eigenes, kleines Refugium zu errichten – ihr eigenes „Familien-Tipi“. „Das war eine echte Gemeinschaftsleistung, bei der wir alle viel gelernt haben und die unseren Zusammenhalt immens gestärkt hat. Bis heute wird es gehegt und gepflegt – und wächst stetig“, so sein Fazit.

Mit im Boot: Dr. Ring Ding und Mellow Mark

Ein „Refugium“, auf dem es viel zu entdecken gibt, ist auch das gesamte Album. Für die Produktion konnte der Würzburger unter anderem gleich zwei echte „Reggae-Veteranen“ gewinnen: Dr. Ring Ding, mit bürgerlichem Namen Richard Alexander Jung, ist ein deutscher Ska-, Reggae- und Dancehall-Künstler und wohl jedem Liebhaber dieser Genres ein Begriff, und Echo-Preisträger Mellow Mark alias Mark Schlumberger. „‚Legende‘ feat Dr. Ring Ding ist eine nostalgische Hymne, die retroperspektiv auf meinen musikalischen Werdegang zurückblickt“, erklärt Stephen. „‚Vereint im Vibe‘ feat. Mellow Mark wiederum beschreibt, wie Musik es schafft, Menschen gegen alle Widerstände zu vereinen.“
Beide Künstler kennt er bereits seit vielen Jahren. „Ich bewundere sie zutiefst. Sie haben mich definitiv geprägt.“ Während er Dr. Ring Ding mit seiner Heimatstadt Münster verbindet, kreuzen sich die Wege mit Mellow Mark nicht nur auf der Bühne, sondern auch bei vergangenen Produktionen. „Es gibt wohl kaum einen erfolgreicheren, deutschsprachigen Reggae-Künstler als Mellow Mark“, schwärmt Stephen über seinen langjährigen Freund.

„Baut mehr Tipis“, fordert Stephen Keise seine Mitmenschen auf. (Foto: Pressematerial)

Kraftquellen und Superkräfte

Natürlich geht es in „Tipi im Wald“ um Freundschaft. Darüber hinaus entfaltet Stephen Keise jedoch ein Themenspektrum aus eigenen Erfahrungen, in dem sich wohl jeder wiederfinden kann. „Resilienz“ besingt unsere Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie als Anlass für die Entwicklung unserer Superkräfte zu begreifen. „Feuerball“ wiederum ist eine Hommage an das Wunder des Lebens. „Energie“ dreht sich um unsere Kraftquelle, deren Inspiration uns befähigt, auf unserem Weg zu bleiben. „Lava“ handelt von dem Moment, wo du deiner großen Liebe zum ersten Mal begegnet bist. „Mein Löwe“ ist ein gesellschaftskritischer, treibender Song im Roots Reggae-Dancehall-Style. „Termitenhügel“ ist ein Lied für die Arbeiterklasse, das Rückgrat unserer Gesellschaft. Und „Weiter“ hinterfragt schließlich das menschliche Dasein und regt zum Nachsinnen an. „Die Beschäftigung damit hat mich auf jeden Fall klarer sehen lassen und mir die Möglichkeit gegeben, viele Dinge auf meine Art loszuwerden“, sagt Stephen.

Doch bei aller Schwere, die diese Gedanken in sich bergen können, schafft es Stephen Keise am Ende doch mit seiner unverkennbaren, humorvollen Musik „Superkräfte“ in uns allen freizusetzten…

Alle Infos zu Stephen Keise:
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Text: Nicole Oppelt

local heroes Bayern: Konzerte vor leeren Rängen fühlen sich nicht richtig an

Neben allen ausgefallenen Konzerten war bzw. ist für „Zeremony“ die Zeit am schlimmsten, in der sie nicht einmal zu dritt proben dürfen. (Foto: Matthias Mayer)

Geschlossene Clubs, verwaiste Bühnen – selbst Probenräume sind teilweise tabu. Für „Zeremony“ waren die vergangenen Monate nicht einfach. Die Landesfinalisten von local heroes Bayern hätten sich eigentlich im Sommer 2020 die Bühne mit „Stand Up Stacy“, „Victoryaz“, „Keep it close“ und „Mary Lou“ teilen und dem Publikum des „ab geht die Lutzi“-Festivals in Rottershausen zeigen sollen, was in ihnen steckt. Dieses Vorhaben soll vorraussichtlich Ende Juni 2021 nachgeholt werden. Bis dahin scheint – vor allem für den Kulturbetrieb – die Parole „Durchhalten“ zu gelten. Im Gespräch mit dem local heroes Bayern-Team erzählen „Zeremony“ wie sie damit umgehen und was ihnen im Augenblick besonders wichtig ist.

Musikalisch aktiv sein, das stand bei „Zeremony“ aus Würzburg in den vergangenen Monaten auf dem Programm. Mit einem Split-Screen Video haben sie sich aus den heimischen Wohnzimmern zu Wort gemeldet. Im Sommer gab es zudem ein echtes „Highlight“ in der so Konzert-armen Zeit. Gemeinsam mit „ThunderKant“, „Zulu“, „Bob Ross Effect“ und „Devil May Care“ nahmen die Drei am „Umsonst & Drinnen“ Streaming-Festival der Posthalle teil. Nichtsdestotrotz seien „die vergangenen Monate für jeden Künstler sehr frustrierend“ gewesen. Viele Konzerte und Festivals des Jahres 2020, die eigentlich schon fest in ihrem Terminkalender eingeplant waren, wurden abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. „Es kostet viel Zeit und Energie die Tour selbst zu planen, und dementsprechend verunsichert und frustriert schauen wir auf 2021, also ob und wann hier wieder was in welchem Rahmen stattfinden kann“, beschreibt Illy, Sänger und Gitarrist der Band, die aktuelle Situation. Selbst in den Monaten, in denen Konzerte unter Hygieneauflagen stattfinden konnten, sei es für die Band nicht wirklich möglich gewesen zu spielen. „Kleinere Locations hatten gar nicht erst die Voraussetzungen Hygienekonzepte und Quadratmeter Vorgaben umzusetzen und selbst für größere Konzertsäle dürften die wenigen Konzerte in der Regel kein lukratives Geschäft gewesen sein.“

Neues Album im Jahr 2021

Ganz den Kopf in den Sand zu stecken, kam für „Zeremony“ zwar nicht infrage, die Stimmung ist jedoch gedrückt. „Streaming-Konzerte waren eine schöne Idee, sich mal wieder zu zeigen oder die Lieblingskünstler in Aktion zu sehen. Einen Festivalsommer hat das zwar nicht ersetzt, aber wir waren froh und dankbar Teil vom Posthallen Umsonst und Drinnen Livestream zu sein!“ Gleichzeitig sei jedoch die Situation vor einem leeren Raum zu spielen und allenfalls einseitig mit dem Publikum interagieren zu können, „sehr befremdlich und fühlt sich für uns nicht richtig an“. „Ich würde nicht sagen, wir konnten der Situation wirklich etwas Gutes abgewinnen, aber ich glaube, wir haben das Beste daraus gemacht und uns aufs Songwriting und Recorden konzentriert.“

Mit Erfolg! „Wir haben 13 Songs für unser neues Full Length Album erarbeitet und aufgenommen, das wir 2021 rausbringen wollen, wenn Konzerte und Festivals dann hoffentlich wieder möglich sind.“ Darüber hinaus wurde die Konzert-freie Zeit für andere Dinge genutzt. Illy zum Beispiel hat seinen künstlerischen Horizont etwas erweitert und mit dem Bau von eigenem Equipment angefangen. Neben diversen Pedals hat er sich den Traum vom selbstgebauten Gitarren-Röhrenverstärker erfüllt.

Im Internet Leidenschaft teilen

Auch das Thema Netzwerken hat sich für sie während der „Corona-Pandemie“ als extrem wichtig erwiesen. „Wir haben vor ein paar Monaten eine Playlist auf Spotify namens ‚New Wave of Organ Rock‘ erstellt“, erzählt Illy. „Diese besteht überwiegend aus kleinen Bands, die unsere Leidenschaft von orgelgetriebenen Rock’n‘Roll teilen. In diversen Facebook Gruppen habe ich nach Künstlern gesucht und war begeistert, wie viele positive Rückmeldungen ich erhalten habe.“

Rückhalt, Ansporn, Inspiration

„Zeremony“ haben also das gemacht, was auch für local heroes Bayern oberste Priorität ist: Sie haben Netzwerke gepflegt und ausgebaut. „Gerade in diesen besonderen Zeiten erscheinen sie für Künstler*innen wichtiger denn je“, so auch der Eindruck der Organisatorinnen Dani Straßner, Lisa Fuchs und Nicole Oppelt. „Sie geben Rückhalt, Rückmeldung, Ansporn, Inspiration, aber auch mal ganz pragmatisch Hilfestellung.“ Das Trio hofft, dass diese positive Energie, die auf diesem Wege freigesetzt wird, auch die kommenden Monate überdauern kann. „Das Datum 24. bis 26. Juni, also das Wochenende, an dem das nächste ‚ab geht die Lutzi‘-Festival stattfinden soll, gibt uns wirklich Halt“, so Dani Straßner. „Darauf fokussieren wir uns, daraus schöpfen wir Hoffnung und Kraft. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit unseren Teilnehmer*innen ein grandioses Landesfinale abliefern werden. Sie sind es wert, live und lautstark gehört zu werden.“

Text: Nicole Oppelt

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local heroes Bayern ist ein Riesenprojekt. Gestemmt wird es ehrenamtlich und damit unabhängig. Das ist auch gut so! Doch ohne Unterstützer für die gemeinsame Sache geht es nicht. Support bekommt das local heroes Bayern-Team von MonsterMerch, Art Rock – Tattoo Piercing Lifestyle, Gebrüder Stolz GmbH & Co KG (Hammelburg), BrandRocks, Bamberger Festivals e.V., ArtistRadar, MainPop, Musikinitiative Hammelburg e.V. und natürlich dem „ab geht die Lutzi“-Festival. Ohne diejenigen, die an local heroes Bayern und vor allem die teilnehmenden Künstler glauben, könnte so ein Projekt nicht realisiert werden.

local heroes Bayern: Künstler*innen wird viel abverlangt

„Wir finden Beiträge in den sozialen Medien jeder Art sind wichtig für Künstler*innen in dieser Zeit, damit sie nicht vergessen werden und vielleicht trotz fehlender Gigs neue Menschen erreichen und für ihre Musik begeistern können“, so „Victoryaz“. (Foto: Chris Pham)

„Victoryaz“ hatten das local heroes Bayern-Team 2020 verzaubert. Die Jury war überzeugt, neben „Stand Up Stacy“, „Zeremony“, „Keep it close“ und „Mary Lou“ sollten sie auf der Zelt-Bühne des „ab geht die Lutzi“-Festivals in Rottershausen ihr Können unter Beweis stellen und um den Titel „Beste Nachwuchsband Bayerns“ kämpfen. Corona bedingt wurde das „musikalische Gipfeltreffen“ nun in den Sommer 2021 verlegt. Doch das heißt nicht, dass „Victoryaz“ seither untätig waren. Im Gegenteil. Zwar gerieten die bayrischen Landesfinalist*innen ob der Pandemie ins Zweifeln, doch vom Kurs abgekommen sind sie nicht.

Dass die Phase der Einschränkungen langsam lange wird, daraus machen „Victoryaz“ aus München keinen Hehl. Ende September ist auf ihrer Facebook-Seite zu lesen „Can gigs come back please so we top questioning our whole existence?“ Zwar gehe es allen soweit gut, doch „die Lage ist teilweise schon sehr demotivierend, wenn man sieht, wie wenig für Künstler*innen gemacht bzw. wie wenig Künstler*innen während dieser Zeit geholfen wird“, lässt Sängerin Vicky das local heroes Bayern-Team wissen. Von Künstler*innen werde derzeit verlangt, dass sie sich irgendwie über Wasser halten würden und dass danach alles so weiter gehe wie vorher. „Doch wovon sollen kleine Bands wie wir, die gerade angefangen haben sich etwas zu etablieren, ohne Gigs ihre neuen Projekte finanzieren?“ Das sei manchmal schon „sehr deprimierend“.

Neues Projekt umgesetzt

Auf der anderen Seite müsse man aber immer das Beste aus einer Situation machen, egal wie hart es sein möge. Man habe sowieso keine andere Wahl. „Ich habe mich darauf konzentriert neue Songs zu schreiben und alte aufzunehmen und habe seit Juni sehr viel Zeit im Studio verbracht“, lässt sie die vergangenen Monate zwischen Live-Sessions, Streaming-Konzerten und neuen Videos Revue passieren. „Die Zeit, in der man sonst unterwegs wäre und Gigs spielen würde, habe ich auf jeden Fall sehr sinnvoll genutzt.“ Daraus entstanden sei zum Beispiel eine EP. Viel verraten möchte die junge Musikerin hierzu nicht. „Ich sage nur so viel: Ohne Michael und Mario von den ‚Blackout Problems‘ wäre ich während Corona komplett aufgeschmissen gewesen. Ohne die beiden wäre meine erste EP so niemals entstanden. Wir sind extrem stolz auf das kommende Projekt.“ Auch ein Release mit Calvin Stone geht auf das Konto der jungen Sängerin, den Michael und Mario produziert haben. Zum Song „The Bells“ ´steuerte sie den Refrain bei.

Schon bald steht bei „Victoryaz“ also ein neuer, aufregender Release ins Haus. Und auch darüber hinaus bleiben sie optimistisch. „Wir hoffen sehr, dass sich die Lage bis zum ‚ab geht die Lutzi‘ beruhigt hat und wir dort spielen können!“

Der Sommer 2021 wird groß

Das hofft auch das local heroes Bayern-Team. Voller Optimismus blicken Dani Straßner, Lisa Fuchs und Nicole Oppelt dem 24. bis 26. Juni 2021 entgegen. „Wir wünschen uns wirklich sehr, dass wir in diesem Sommer das nachholen können, was wir eigentlich schon für 2020 geplant hatten: Eine musikalische Zusammenkunft, die zeigt, wie unfassbar gut Bayerns Nachwuchsbands tatsächlich sind“, so Dani Straßner. „Wenn wir Rückmeldungen wie die von „Vitoryaz“ lesen, werden wir noch einmal in unserer Auswahl der Landesfinalist*innen bestärkt. Diese Fünf sind etwas ganz Besonderes.“ Bis es soweit ist, verfolgt das Trio natürlich weiterhin den Weg von „Victoryaz“ und ihren Mitstreiter*innen. „Wir glauben, dass sich in den kommen Monaten noch viele Spannende Dinge auftun werden und freuen uns schon jetzt darauf, Neues von unseren Schützlingen zu erfahren.“

Text: Nicole Oppelt

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local heroes Bayern ist ein Riesenprojekt. Gestemmt wird es ehrenamtlich und damit unabhängig. Das ist auch gut so! Doch ohne Unterstützer für die gemeinsame Sache geht es nicht. Support bekommt das local heroes Bayern-Team von MonsterMerch, Art Rock – Tattoo Piercing Lifestyle, Gebrüder Stolz GmbH & Co KG (Hammelburg), BrandRocks, Bamberger Festivals e.V., ArtistRadar, MainPop, Musikinitiative Hammelburg e.V. und natürlich dem „ab geht die Lutzi“-Festival. Ohne diejenigen, die an local heroes Bayern und vor allem die teilnehmenden Künstler glauben, könnte so ein Projekt nicht realisiert werden.



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