Beste Newcomer-Band 2018: Perez aus Stuttgart holen „local heroes“-Titel nach Baden-Württemberg

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Durchsetzen konnten sich das HipHop-Duo „Perez“ aus Baden-Württemberg (Jurysieg). Sie sind die Gewinner der Nacht, in der insbesondere Rap-Bands und deutschsprachige Acts brillierten.

Auch wenn der Wettbewerbsgedanke bei „local heroes“ nicht im Vordergrund steht, so war die Freude bei den Jurysiegern „Perez“ dennoch gigantisch. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

HipHop aus Stuttgart – das haben eingefleischte Fans seit 2013 und dank über 100 Konzerten auch mit der Band „Schlaraffenlandung“ verbunden. Doch die Musik von Jannik und Moritz hat sich weiterentwickelt und so sollte sich auch der Name der Band verändern. Mitte August 2018 wurde aus „Schlaraffenlandung“ nun „Perez“. Ihrem Erfolg tat das jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Bereits beim „Play Live“-Finale 2017 haben sie, neben einem Slot beim Southside Festival 2018, ihr „local heroes“-Ticket gezogen und freuen sich seit dem, „neue Bands und Künstler aus dem ganzen Land kennenzulernen und mal zu sehen, was im Rest von Deutschland so geht“. Dass sie am Ende als Sieger aus dem bundesweiten Newcomer-Wettbewerb hervorgehen würden, hätten sie wohl selbst kaum erwartet.

„Ein Künstler besteht aus viel mehr als nur Noten und Takten“, das haben „Perez“ im „local heroes“-Bundesfinale bewiesen. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Los ging es für „Perez“ am 10. November mit der Startnummer drei. Jannik zögerte keine Sekunde und nahm den gesamten Raum in „Highspeed“, mit tiefgründigen Texten, mitreißendem Flow und einer unvergleichlichen Bühnenpräsenz, ein. „Lasst uns mal für 20 Minuten vergessen, dass wir auf einem Contest sind. Wir haben Bock auf Musik!“, so seine Aufforderung an das Publikum, das sofort gehorchte und sogar erste „Textsicherheiten“ bewies. Moritz überzeugte währenddessen am Schlagzeug mit einer punktgenauen Performance. Außerdem nutzte das Duo die Bühne, um mit dem Song „Namaste“ ein Statement gegen Nazis zu setzen.

Perez live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Sie selbst würden das, was sie tun, übrigens so beschreiben: „Unser Stil bewegt sich irgendwo zwischen HipHop und Popmusik. Wir versuchen, die Teile der jeweiligen Musikrichtung zu nehmen, die uns persönlich am besten gefallen. und sie dann zu etwas zusammenzubringen, das wir selbst gerne hören würden.“ Vorbilder, so sagen Jannik und Moritz, hätten sie nicht wirklich. Es gebe natürlich Künstler, „die man feiert und zu denen man aufsieht“, aber sie versuchen sich musikalisch so wenig wie möglich von ihren Playlisten beeinflussen zu lassen. Besonderen Wert legen die beiden Künstler hingegen auf Vielschichtigkeit. musikalisch und auch textlich. „Die Musik soll Ecken, Kanten und Akzente haben, die man vielleicht erst beim mehrmaligen Hören entdeckt. Textlich wollen wir etwas transportieren, eine Aussage in den Texten haben. Man hat dieses Sprachrohr, also sollte man es auch nutzen“, sind sie überzeugt. Das Duo selbst setzt sich daher insbesondere gegen den immer stärkeren Rechtsruck, Sexismus und Ressourcenverschwendung ein. Das seien ihre Hauptthemen, wenn sie „hier und da zu Moralaposteln mutieren“. Doch es gebe so vieles, das in der Welt nicht gut laufe und das ihre Generation beschäftige.

Perez (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Perez werden derweil nicht müde, ihre Gedanken in Songs zu packen. „Wir schreiben sehr viel Musik. Wir wollen in nächster Zeit einiges davon rausbringen“, erläutern die beiden ihre nächsten Schritte. „Im Frühjahr geht es auf Tour und bis dahin spielen wir noch einige Shows in Clubs mit guten Freunden.“ Dass es darüber hinaus aber noch einiges mehr braucht, um ein Musikprojekt über längere Zeit bestehen zu lassen, ist dem Duo durchaus bewusst. „Intern braucht es Musiker, die an einem Strang ziehen, eine Vision haben und den nötigen Willen, etwas zu investieren. Extern braucht ein Projekt das gewisse Etwas, das dem Zuhörer ein Gefühl von Verbundenheit gibt. Sowohl musikalisch als auch textlich. Wenn man dann alles getan hat, was in seiner Macht steht, ist es aber vor allem Glück. Wir nehmen also alles, was wir haben, und geben es der Band.“

Was verbirgt sich hinter „Perez“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Zur einstigen „local heroes“-Band „Madsen“, die an diesem Abend als Special Guest auf der Bühne standen, haben die beiden übrigens eine besondere Verbindung. „Wir hören Madsen seit ihrem ersten Album“, gestehen sie vor der Show. „Es ist immer interessant, herauszufinden, wie ein Künstler oder eine Band erfolgreich wurde. Als Konsument bekommt man ja oft nur die Spitze mit. Plötzlich war das da und es war überall. Jegliche Erfolgsgeschichte inspiriert auf eine gewisse Weise, weiterzumachen. So auch Madsen.“ Die Motivation, die von deren aktuellem Album „Lichtjahre“ ausgeht, kommt bei ihnen an, denn auch sie haben eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. „Jan hat sich vor einiger Zeit dafür entschieden, Musiker zu sein. Das Studium dann final abzubrechen, war ein Kampf, ja. Ist ja auch ein Schritt ins Ungewisse. Mo macht neben der Musik eine Ausbildung, das erfordert ein gutes Zeitmanagement. Wir haben aber zum Glück dieselbe Vision und Idee des Ganzen. Wir ziehen am selben Strang. So findet man für Alles eine Lösung.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „The Atrium“ legen epischen Start in Salzwedel hin

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Für Nordrhein-Westfalen war die Band „The Atrium“ ins Rennen gegangen und begeisterte Jury und Publikum.

„Man muss sich gegenseitig respektieren und sowohl Grenzen als auch Freiräume einräumen. Ist halt wie ‘ne Beziehung“, sagen „The Atrium“ über ihre musikalische Freundschaft. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Wir verfolgen diesen Contest schon länger. In diesem Jahr hat es einfach mal gepasst und somit haben wir uns angemeldet“, verraten Martin, Michael, Tim und Anton von „The Atrium“. Bereits seit 2010 machen die „local heroes“-Finalisten gemeinsam Musik. Schon von ihrem „local heroes“-Auftritt in Oberhausen waren sie begeistert. Es „war sehr gut organisiert und alle Bands spielten auf einem hohen Niveau“, lobten sie den Verlauf des Wettbewerbs. Am 10. November eröffneten sie mit der Startnummer eins die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel, um noch einmal zu beweisen, dass sie zu den besten Nachwuchsbands Deutschlands gehören.

The Atrium live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Zu hören bekam das Publikum an diesem Abend hymnischen Pop-Rock aus Duisburg. „Es ist schwer, eine genaue Kategorie zu finden oder zu definieren. Unsere Musik hat Pop- und Rockelemente und die neuen Sachen zum Teil auch elektronische Einflüsse. Es wird etwas tanzbarer. Hymnisch, weil wir halt Melodien mögen“, erklären die Vier noch vor ihrem Auftritt. Wert legten sie aber definitiv darauf, sich „möglichst nicht zu oft zu wiederholen“ und „ein gutes Songwriting“ abzuliefern. Gefallen muss das nicht jedem – das gibt das Quartett auch hinsichtlich professioneller Bewertungen zu denken. „Musik ist halt auch Geschmacksfrage. Am Ende sollte es um die Songs gehen. Werden diese gut gespielt, sind sie eingängig und haben sie etwas Eigenes?“

The Atrium (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für „The Atrium“ hat das im „local heroes“-Bundesfinale definitiv funktioniert. Bereits ihr Start ins Bundesfinale war episch. Großer Worte bedurfte es nicht, als sie gegen 17.30 Uhr die große Bühne betraten. „The Atrium“ ließen ihren wahrhaft hymnischen Sound für sich sprechen. Martin, Michael, Tim und Anton zogen das zunächst noch zurückhaltende Publikum an wie ein Magnet. Binnen weniger Minuten füllte sich der Raum mit Menschen, die ihrer leidenschaftlichen Performance aus vollem Herzen folgten. Ein Umstand, der auf Gegenseitigkeit zu beruhen schien, denn die vier Musiker fühlten sich dort oben sichtlich wohl. Eine fulminante Eröffnung für einen langen Konzertabend, der alle Anwesenden – zumindest inhaltlich – von Salzwedel auf die 5th Avenue nach New York entführte.

Was verbirgt sich der Band „The Atrium“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für das Quartett, das bereits eine eigene Platte geschrieben und produziert hat, war „local heroes“ lohnenswert und eine Bereicherung des eigenen Erfahrungsschatzes. Doch kaum sind die letzten Akkorde in Salzwedel verklungen, geht es für sie auch schon weiter. „Wir arbeiten auf Hochtouren an unserer zweiten Platte. Dann viel spielen und sich weiterentwickeln“, beschreiben sie ihre Pläne für die nahe Zukunft. Das sollte übrigens für alle Nachwuchsmusiker gelten. Ginge es nach ihnen, würden sie sich wünschen, dass jungen Bands „eine bessere Plattform“ geboten würde, „um im Radio gespielt zu werden“. Hier gelte es, neue Formate zu schaffen.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Erfolgsgeschichten wie die der einstigen „local heroes“-Teilnehmer „Madsen“, mit denen sie sich beim Bundesfinale die Bühne teilten, spornen sie auf jeden Fall an. Bodenständig bleiben sie dennoch. „Auch hier ist das Fundament wichtig. Eine gute Basis, sowohl beruflich als auch privat, ist ganz wichtig. Nicht jede Freundin macht den Spaß mit. Sollte es irgendwann soweit sein und wir werden zu mehr berufen, dann sind wir bereit und gut vorbereitet.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „Kesh“ reißen in Salzwedel alles ab!

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Die brandenburgische Band „Kesh“ gehörte zu den großen Abräumern des Abends und wurde mit dem 2. Platz (Jury-Wertung) und dem 3. Platz beim Publikumsvoting belohnt. Jasmin Graff, die Background-Sängerin der Band, wurde als beste Sängerin des Newcomer-Contests geehrt.

Über die Gunst des Publikums freute sich „Kesh“ ganz besonders, wie sie kurz nach der Siegerehrung gestanden. Sie selbst waren mit lediglich vier Fans angereist. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Ich habe mit Rapmusik angefangen, da war ich 14 Jahre alt. Vorher habe ich mich in Sportarten wie Fußball oder Basketball probiert, habe Theater gespielt und stand für kurze Zeit auf dem Board im Skatepark. Für all die Sachen hatte ich längerfristig keine Motivation. Bis eines Tages einige in unserer Stadt anfingen zu rappen. Das hat mich so gepackt, dass ich selbst anfing, Texte zu schreiben und nie mehr aufgehört habe“, erinnert sich Max Meißner an seine Anfänge. „Irgendwann brauchte ich einen coolen Rap-Namen und fragte meinen Dad, ob er einen Namen wüsste. Er meinte nur, ich solle mich ‘MC Pleite‘ nennen, da ich ja eh nie Geld hatte. Ich drehte den Spieß um und machte daraus Cash, schob dann noch die Buchstaben Kreuz und Quer und so entstand der Name ‘KESH‘“.

„Ohne meine Band wäre ich nicht ‘Kesh‘“, sagt Max Meißner aus voller Überzeugung. „Such‘ dir keine Männer, die dir ein Schiff bauen, such‘ dir Männer, die Sehnsucht nach dem Meer haben!“ (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Seit vier Jahren ist der 26-Jährige nun mit einer beachtlichen, zwölfköpfigen Band unterwegs. Beim „local heroes“-Bundesfinale waren sie als Vertreter ihres Heimatbundeslandes Brandenburg im Kulturhaus von Salzwedel zu erleben und räumten ganze drei Preise ab.

Kesh live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Kesh“, so beschreibt es Max, sei eine stilistische Mischung aus seinen beiden Vorbildern „Casper“ und „Bruno Mars“. „Ich liebe es, mit meinen Tänzern auf Funk Beats abzuzappeln und parallel dazu möchte ich die starken Gitarrensolos und druckvollen Instrumentals meiner Band nicht missen.“ Für ihn ist klar: „Es gibt keine ‘Universal-Bibel‘ in der steht, dass man sich nur auf ein Genre konzentrieren muss. Also, warum dann nicht auch mischen.“ Und diese Mischung, die da mit der Startnummer 10 nach vorne preschte, konnte sich absolut sehen und hören lassen.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Wir reißen alles ab“, heißt es nicht nur in einem der Songs der Band. Die mit Instrumentalist*innen, Sänger*innen, Tänzern und Front-Rapper „Kesh“ gut gefüllte Bühne bot ein beeindruckendes Schauspiel, und das Publikum feierte leidenschaftlich zu den eingängigen Songs in deutscher Sprache. „Kesh“ schaffte es dabei, auch zwischen seinen Liedern eine besondere Bindung zu den Besuchern im Kulturhaus Salzwedel aufzubauen. Und nicht nur die Zuschauer würdigten dies: „Kesh“ gehörten zu den Gewinnern des Abends, erreichten den dritten Platz im Publikumsvotum sowie den zweiten Preis in der Jury-Wertung. Über eine ganz besondere Auszeichnung darf sich außerdem Background-Sängerin Jasmin Graff freuen: Sie wurde von den Juroren zur „besten Sängerin“ des Abends ernannt.

Was verbirgt sich hinter der Band „Kesh“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Die Motivation für „Kesh“, bei „local heroes“ teilzunehmen, lag für den jungen Mann auf der Hand. „Vielleicht liegt das im Rapper-Gen, sich immer mit anderen messen zu wollen.“ „local heroes“ sei für ihn, aber auch für Teile seiner Band, der neunte und auch letzte Contest. „Meine Jungs und ich sind halt Live-Junkies. Gerade unsere Live-Präsenz zeichnet uns aus.“ „local leroes“ als letzte Station sei jedoch etwas ganz Besonderes für sie: „Im Gegensatz zu allen anderen Wettbewerben, sehen sich die Bands hier nicht als Konkurrenz, sondern haben alle Bock, gemeinsam geile Abende zu erleben. Die meisten Band-Freundschaften haben wir durch ‘local heroes‘.“

Kesh (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Nach Auffassung von Max seien solche Förderungen wie „Initiative Musik“ oder „Music Board Berlin“ eine gute Sache, nur sollten solche Förderungen deutschlandweit mehr ausgebaut werden. Kleinstädte und Kommunen sollten die Möglichkeit bekommen, ihre regionalen Künstler mehr zu fördern. Gerade in Brandenburg sei das sehr schwierig. Doch auch die Nachwuchsmusiker selbst müssen es wollen: „Musikalisch gesehen musst du einfach auf das Bock haben, was du machst. Und es sollte niemals die Hauptmotivation sein, Labels zu gefallen oder das Gleiche wie alle anderen zu machen, nur weil es gerade ein Trend ist. Bei uns heißt es immer: Wenn die Mugge geil ist, ist die Mugge geil!“ Seiner Meinung nach sei es am sinnvollsten, soviel wie möglich selbst zu machen und immer am Ball zu bleiben. „Mit einem starken Admin-Team kann man alles schaffen.“ Karrieren, wie die der einstigen „local heroes“-Band „Madsen“, spornen ihn an. „Es zeigt, dass nichts unmöglich ist und das alles klappen kann, wenn man ein wenig Glück und sehr viel Durchhaltevermögen hat. Und am meisten spornt es an, es den Leuten zu beweisen, die einen immer belächelt haben.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „The Great Cascade“ glänzen mit wohltuender Leichtigkeit

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Für Thüringen war, dank eines Kooperationsprojektes mit der Deutschen Bahn und dem Einkaufsbahnhof Erfurt, erstmalig nach circa zehnjähriger Pause wieder ein Act ins Rennen gegangen: Die Geraer Band „The Great Cascade“ begeisterte Jury und Publikum.

The Great Cascade live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Dieses Fazit kann sich hören lassen: „Wir sind sehr begeistert von der Herzlichkeit und dem familiären Umgang. Außerdem gefällt uns die Professionalität, mit der dieser Wettbewerb organisiert wird. ‚local heroes‘ stellt für uns eine gute Plattform dar, um uns mit anderen Bands zu vernetzen und hat uns bereits viel Aufmerksamkeit generiert.“ So viel Lob kommt aus dem „local heroes“-Neuzugangsland Thüringen. Das Bundesland schickte die 2016 in Gera gegründete Band „The Great Cascade“ ins Rennen. Und die zeigte sich von Anfang an begeistert. „Thüringen hat eine kleine, aber feine Musikszene. Durch Wettbewerbe wie local heroes ist es für uns Thüringer einfacher, mal über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich mit Musikern aus ganz Deutschland auszutauschen. Das ist immer eine Bereicherung. Wir haben jetzt schon sehr von local heroes profitiert.“

„Für uns ist es das Schönste, wenn nach Konzerten die Menschen zu uns kommen und sagen, dass sie unsere Musik bewegt hat“, sagen „The Great Cascade“. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Überzeugt hatten die jungen Musiker die Jury in Thüringen mit „handgemachtem Folk-Pop mit Einflüssen aus Alternative Rock, Progressive und allem, was uns sonst so vor die Ohren kommt und uns gefällt.“ Inspirationsquellen seien natürlich auch größere Bands wie Mumford & Sons, Mighty Oaks oder Riverside, beschreiben Lukas, Jonathan, Florian und Benjamin ihren musikalischen Stil, von dem sich das Publikum in Salzwedel nun bei ihrem Auftritt mit der Startnummer vier überzeugen konnte.

„Neben zahlreichen Instrumenten, mit denen wir gern experimentieren, wie zum Beispiel Melodica, Charango und Mandoline, ist Satzgesang ein festes Element unserer Songs“, erklären sie ihre Besonderheiten. „Uns ist es wichtig, dass unsere Lieder vielseitig sind und nicht ein Song wie der andere klingt. Deshalb machen wir uns auch nichts aus Genre-Grenzen“. Die Herausforderung bestehe dabei natürlich, trotzdem verbindende Elemente einzubauen, die den eigenen Sound ausmachten und die Band unverwechselbar mache.

Was verbirgt sich hinter der Band „The Great Cascade“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für „The Great Cascade“, die ihr Probenpensum in den vergangenen Wochen deutlich erhöht hatten, ging diese Idee im Bundesfinale vollends auf. Salzwedel bescherte der Band einen großartigen, Applaus-schwangeren Empfang. Und dieser schien das Quartett von Sekunde eins an zu motivieren. Die vier Musiker glänzten in den für sie besonders wichtigen Aspekten „Songwriting und Arrangements, Bühnenpräsenz, Professionalität und Originalität“. Anspruchsvolle, abwechslungsreiche Parts, sowohl stimmlich als auch instrumental, wurden in wohltuende Leichtigkeit gehüllt. „The Great Cascade“ präsentierten sich selbst bei ihren eher leisen Passagen voller Souveränität, schafften es aber auch, die Menge zum Mitmachen zu animieren.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Und wie geht es für sie nach dem Bundesfinale weiter? „Das Bandleben hält ständig neue Herausforderungen bereit“, sind die Vier überzeugt. Eine besondere Aufgabe sei aber sicherlich immer die Produktion einer CD, zumal ihre erste EP „Shelter“ für sie die erste Studioerfahrung überhaupt darstellte. Jetzt gehe es damit in die zweite Runde und damit in die Produktion einer zweiten EP. „Wir sind schon mächtig gespannt.“

Doch dem nicht genug. So stehe ein Musikvideo „kurz vor der Vollendung“ und ein weiteres, das sie beim Thüringer Landesfinale gewonnen hätten, würde in den kommenden Monaten, dank „local heroes“ und der Deutschen Bahn, produziert. Darüber hinaus stünde Ende des Jahres noch das Arsen Festival in Berlin an, auf das sie sich besonders freuten.

The Great Cascade (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Das Wichtigste verlieren die Vier bei so einem dichten Terminkalender aber nicht aus den Augen. „Für uns ist die Band wie eine Familie. Und wie in jeder guten Familie gibt es auch mal Konflikte und Meinungsverschiedenheiten. Um daran nicht zu zerbrechen, ist es eine wesentliche Voraussetzung, dass man sich gegenseitig respektiert, die Eigenarten akzeptiert und sich vor allem auch verzeihen kann.“ Diesen familiär-unterstützenden Gedanken wünschen sie sich übrigens auch von politischer Seite. „Es wäre schön, nicht nach der Schule oder generell als Band ‘alleingelassen‘ zu werden“, so ihr Appell. Die Förderung musikalischer Talente und junger Bands sei leider nicht immer ohne finanzielle Unterstützung, leichter zu organisierenden Proberäumen oder Ähnlichem realisierbar. „Sicherlich würde das einige Talente befeuern, ihrer Begabung nachzugehen.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „Ivory Stone“ bringt echte Gefühle auf die Bühne

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Für Rheinland-Pfalz war die Sängerin, Songwriterin und Produzentin „Ivory Stone“ ins Rennen gegangen und begeisterte Jury und Publikum.

„Bei allem steht das Gefühl ganz vorne, egal ob lautere oder leisere Töne, es muss mich immer emotional packen“, sagt „Ivory Stone“. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„local heroes“-Geschäftsführerin Julia Wartmann hatte sich Singer-Songwriter im diesjährigen Wettbewerb gewünscht – und „Ivory Stone“ aus Mainz war zur Stelle. Die 26jährige, die eigentlich Tabea Steinhauer heißt, hatte im „local heroes“-Bundesfinale 2018 eine echte Sonderstellung. Zum einen ist sie als einziger Act des Abends „auf Solopfaden unterwegs“. Zum anderen war sie eine der ganz wenigen Frauen an diesem Abend.

Ivory Stone live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für die Musikerin keine neue Erfahrung. „Leider ist das eine Position, in der ich mich häufiger sehe und mit der ich mich dementsprechend schon etwas auskenne“, verrät sie bereits vor dem Start des Wettbewerbs im Kulturhaus von Salzwedel. „Ich habe selbst lange in Bands gespielt und hatte dabei auch immer sehr viel Spaß.“ Es mache für sie allerdings keinen großen Unterschied, als Solokünstlerin oder als Teil einer Band anzutreten. Letztlich müsse man seine eigene Musik so gut wie möglich auf die Bühne bringen, ist sie überzeugt. Im Verlauf des „local heroes“-Wettbewerbs sei es jedenfalls kein Nachteil gewesen, dass sie allein auftrete. „Als einzige oder eine von wenigen Frauen dabei zu sein, ist leider auch nichts Neues. Es gibt definitiv nicht genug weibliche Künstler, deren Arbeit ausreichende Aufmerksamkeit erhält. Das betrifft nicht nur die Musikindustrie.“ Sie selbst wolle sich davon nicht einschränken lassen, aber sie freue sich auch auf Zeiten, in denen das nicht mehr so sein werde. „Je schneller wir dahin kommen, desto besser. Und bis dahin – Augen zu und durch.“

Was verbirgt sich hinter „Ivory Stone“? Moderator Howie Yagaloo stand sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Bereits im vergangenen März war Ivory Stone auf den lokalen „local heroes“-Ableger „Rockbuster“ in Rheinland-Pfalz aufmerksam geworden und hatte sich dort beworben. „Ich hätte aber nie gedacht, dass ich letztlich tatsächlich mal im Bundesfinale lande. Die drei Konzerte, die ich im bisherigen Verlauf meiner Teilnahme spielen durfte, gehören für mich zu den Highlights dieses Jahres“, so „Ivory Stone“. Was sie am 10. November in Salzwedel mit der Startnummer 13 ablieferte, dürfte dem Publikum in Erinnerung bleiben: Denn die Sängerin, Produzentin und Pianistin brachte echte Gefühle auf die Bühne. Ihre ehrlichen, atmosphärischen Songs stellten ihr musikalisches Talent perfekt zur Schau und brachten eine völlig neue Nuance in das „local heroes“-Bundesfinale. So mancher im Zuschauerraum wird sich gefragt haben: Wer ist diese junge Frau, die Musik schon immer als Teil ihres Lebens beschreibt? Im zarten Alter von etwa sieben Jahren begann sie, Klavier zu spielen, und das ganz klassisch. „Irgendwann wuchs dann aber der Wunsch, modernere Töne anzuschlagen. Ich fing an zu singen und eigene Songs zu schreiben“, erinnert sie sich zurück. „Mit meinen eigenen Songs live aufzutreten habe ich mich vor circa sechs Jahren das erste Mal getraut.“ Stilistisch bewegt sie sich heute „zwischen Birdy und Florence + the Machine“, die sie beide sehr gerne möge. „Meine eigene Musik in Genre-Begriffe zu fassen fällt mir tatsächlich schwer. Es ist hauptsächlich Singer Songwriter mit Indie und Synth-Pop-Einflüssen, manchmal ein bisschen sophisticated, aber immer Pop“, versucht sie eine nähere Beschreibung.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Was sie aber ganz genau weiß: „Mir ist die Liebe zur Musik und zum Detail sehr wichtig. Dazu gehören vor allem stimmige Texte und Melodien, die einen mitnehmen, einlullen und entführen.“
Für den längerfristigen Erfolg eines Musikprojektes sieht die Künstlerin klare Faktoren: „Ich glaube, neben den musikalischen Anforderungen an sein eigenes Instrument (die Stimme), ist ein langer Atem sehr wichtig. Ich glaube, dass die unterschiedlichsten Musikstile und Acts ihr Publikum finden können. Nur dort hin zukommen erfordert viel Zeit und Kraft. Für mich bedeutet das, neben der tatsächlichen Arbeit am Projekt, an der Musik und an den Business-Fragen drumherum, einen Ausgleich zu haben. Ich jogge und mache Yoga zur Entspannung, das hält mir den Kopf frei, um mich bei der Arbeit auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Aber in erster Linie: die Liebe zur Musik. Die muss man aktiv pflegen und bewahren, damit sie im Stress des Musikeralltags nicht untergeht.“

Ivory Stone unplugged auf der Foyerbühne. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Dass das nicht immer einfach ist, dessen ist sich die junge Frau wohl bewusst. „Der eigene Schweinehund kooperiert gerne mit den Selbstzweifeln, um auch das letzte bisschen Motivation aus den Knochen zu saugen.“ Wenn man aber erstmal so richtig in Schwung sei, falle es auch wieder leichter. „Immer schön dran bleiben – steter Tropfen höhlt den Stein.“

Das heißt es jetzt übrigens auch für Ivory Stone. Derzeit arbeitet sie an der nächsten EP und ist fleißig am Songs schreiben und produzieren. Diese möchte sie nächstes Jahr veröffentlichen, mehr Konzerte spielen und mehr tolle Erfahrungen mit Publikum und Fans sammeln – egal ob live oder online.

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen