Archiv für November 2015

Investition in Nachwuchs und Nachhaltigkeit

Das Festival „… und ab geht die Lutzi“ beschenkt wenige Monate nach dem Mega-Event drei ausgesuchte Institutionen

Christoph Stürmer überreichte Vanessa Schmitt im Rahmen des „Lutzi“-Helferfestes 600 Euro für den Kindergarten St.-Dionys. (Foto: Christian Wetterich)

Ein Treffen der Generationen, das ist auf dem „… und ab geht die Lutzi“-Festival in Rottershausen ein ganz normales Bild. Von Anfang an hat das Team rund um die beiden „Köpfe“ Christian Stahl und Klaus Schmitt Wert darauf gelegt, die mittlerweile zweitägige Veranstaltung als echtes Familienfestival zu betrachten. Damit das auch so bleibt, haben sie sich im Anschluss an die sechste Ausgabe im vergangenen Juni entschieden, etwas zurückzugeben.

Im Rahmen des traditionellen Helferfestes am 31. Oktober zeigte sich das „Lutzi“-Team von seiner spendablen Seite. Gleich drei Institutionen konnten sich auf hohe dreistellige Spendenbeträge freuen. Die Verantwortlichen haben ihre Auswahl mit Bedacht getroffen. Getan werden sollte etwas für die Region, aber auch Sinnvolles im weiteren Umkreis.

So überreichte das „Lutzi“-Team unter anderem dem Kindergarten St.-Dionys in Rottershausen eine Spende in Höhe von 600 Euro. Persönlich an Vanessa Schmitt übergeben wurde der Scheck vom angestammten „Lutzi“-Moderator Christoph Stürmer. Und diese freute sich sichtlich über die unverhoffte Zuwendung. Dass es der Kindergarten im Ort sein soll, war für das Team übrigens von Anfang an klar. „Hier sind viele Kinder unserer freiwilligen Helfer untergebracht. Und natürlich spielen hier unsere Helfer und Organisatoren von morgen“, so Christian Stahl über die Beweggründe.

Hochaktuell und dringend gebraucht

Ebenfalls über eine Spende in Höhe von 600 Euro durfte sich „Viva con Agua de Sankt Pauli e.V.“ freuen. Die Initiative engagiert sich für die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern und ist auch vielen „Lutzi“-Besuchern von anderen Festivals her ein Begriff. „Das passt ganz gut zu uns. Wir finden es toll, was die Leute da machen, eine sehr sympathische Organisation“, resümiert Christian Stahl. Die 2006 gegründete Hilfsorganisation ist auch im Raum Würzburg-Schweinfurt vertreten. Überlegungen, sie 2016 auch auf das „… und ab geht die Lutzi“ zu holen, seien Stahl zufolge bereits im Gange. Die dritten im Bunde waren schließlich „Aktion Deutschland hilft“, die auch mit 600 Euro bedacht wurden. Die jungen Rottershäuser sind absolut überzeugt von dem, was das Bündnis renommierter deutscher Hilfsorganisationen in Sachen Katastrophen- oder Flüchtlingshilfe unternehme. Überdies spreche man mit dieser Wahl auch gleich zwei brandaktuelle Themen an.

Das „… und ab geht die Lutzi“ hat sich binnen weniger Jahre zu einer echten Kult-Veranstaltung entwickelt. (Foto: Lutzi)

Dass sie in diesem Jahr etwas von ihrem Erfolg weitergeben möchten, war für das „Lutzi“-Team bereits kurz nach der jüngsten Veranstaltung klar. Das Festival sei in jeder Hinsicht sehr gut gelaufen, so die Bilanz. „Wir und die meisten Gäste hatten eine geniale und total chaotische Woche bzw. Wochenende. Wenn man nach einer Woche Party und Spaß mal wieder im Alltag ankommt, fällt vielen von uns auf, dass ja leider nicht alle Menschen um uns herum die Möglichkeiten haben so etwas zu machen oder einfach nur daran teilzunehmen. Daher wollten wir diesmal auch etwas an diese Leute weitergeben, die es nicht so gut haben“, erklären die beiden Hauptverantwortlichen die Intention gerade mit Blick auf die beiden letztgenannten Institutionen. Auf diese Weise, so sind sie sich sicher, hätten auch diese Menschen etwas von ihrem Festival.

Das „… und ab geht die Lutzi“ ist Jahr für Jahr ein rauschendes Fest. Das Team bedenkt jedoch auch die, denen das nicht möglich ist. (Foto: Lutzi)

Dieses wurde Ende Oktober übrigens ordentlich „aufgewärmt“. Gut 230 Voranmeldungen von Helfern von etwa eins bis 80 Jahren hätten die Verantwortlichen in diesem Jahr gehabt. Die Turnhalle in Rottershausen sei dabei tatsächlich fast an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. Ausgelassen feierten die Gäste noch einmal, was sie im Sommer mit unzähligen Stunden ehrenamtlichen Einsatzes auf die Beine gestellt hatten. Kulinarisch ließen sie sich von „camp cuisin“ verwöhnen, dem beliebten Burgerstand des Festivals, den sie während des Events aus Zeitmangel nie selbst aufsuchen können. Auch musikalisch ging es heiter zu. Statt einer professionellen Band, gingen die „Lutzi Allstars“ an den Start. Dank eines installierten Konsolenspiels hatte als jeder, der Lust hatte an Gitarre, Bass Schlagzeug und Mikro zu greifen, Gelegenheit, zu zeigen, was in ihm steckt. Abgerundet wurde das Fest mit zahlreichen Rückblicken auf die schönsten Tage des Jahres. Die Diashows und Filme verfehlten ihre Wirkung nicht und ließen bei dem ein oder anderen „recht witzige Erinnerungen“ wieder aufleben.

Text: Nicole Oppelt

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Vollends abgeräumt!

Dass sie am Ende das ganz große Los ziehen würden, damit haben Peak City aus Berlin so gar nicht gerechnet. Die Crew um Frontmann Khang Ly zündete im Kulturhaus von Salzwedel eine explosive musikalische Bombe, die ihre vielschichtigen Vorlieben in 20 Minuten bündelte. Manch einer der Gäste des „local heroes“-Bundesfinales dürfte ihre Darbietung völlig zu Recht als den Abriss des Abends bezeichnet haben. Honoriert wurde das schließlich mit dem Sieg in der Jurywertung. Sie sind die „local heroes 2015“…


„Wir sind Fans von großen Bildern. In unseren Texten badet man in einem Meer aus Metaphern“, sagen Peak City über ihre Songs, die viel Raum für Interpretation lassen. (Foto: Malte Schmidt)

„Peak City scheint auf den ersten Blick wie ein Labyrinth, doch wenn man sich darauf einlässt, ist ein roter Faden zu erkennen, der alle Songs in einen Kontext setzt“, stellen sich Peak City aus Berlin selbst vor. Als geballtes Sextett kommen sie seit Sommer 2014 auf die Bühne und stellen das Publikum seither vor eine echte Herausforderung. Denn das, was dieses zu hören bekäme, sei ein „chaotischer Mix aus Rock, EDM, Pop und Hardcore- und Metalelementen“. Die Intention dahinter klingt jedoch plausibel: „So wollen wir verhindern in eine Schublade gesteckt zu werden, ohne unsere Massentauglichkeit zu verlieren.“ Und natürlich sei das auch die Musik, die ihnen am besten gefalle, da sie die eigenen Lieblingsgenre mische. Gleichzeitig sei das Finden eines solchen Sounds übrigens auch die bisher größte Herausforderung für sie als Band gewesen. Insgesamt habe das ein Jahr intensiver Studiosessions mit verschiedenen Produzenten gebraucht. „Unsere Musik soll polarisieren. Entweder man liebt es oder hasst es. Es gibt nichts dazwischen“, sagen sie selbstbewusst.


(Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

Doch genau darum geht es Khang Ly und seinen Bandkollegen. Danach gefragt, worauf sie musikalisch und menschlich am meisten Wert legen, erklären sie: „Musikalisch legen wir besonderen Wert darauf, dass man genau die Musik macht, die einem gefällt und sich nicht von Dritten zu etwas Anderem drängen lässt. Völlig egal, um was für eine Art von Musik es geht, kann eine Band unserer Meinung nach nur dann erfolgreich sein, wenn sie voll hinter dem steht, was sie macht. Es ist wichtig, seine Authentizität im Laufe seiner Entwicklung nicht zu verlieren. Menschlich ist es uns wichtig, immer die Meinung des Anderen zu respektieren. Unabhängig davon, ob es sich dabei um Bandmitglieder oder Außenstehende handelt oder man diese Meinung nun teilt oder nicht.“


(Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

„Wir haben zwei neue Songs vorbereitet, die in Salzwedel ihr Debüt feiern werden. Zudem werden wir unsere Show vom Berlin Finale erweitern und verfeinern“, kündigten sie im Vorab-Gespräch an. Nun stand für Peak City also das große Bundesfinale an. Dort gingen sie am 7. November mit der Startnummer acht ins Rennen und schafften es am Ende bis ganz nach oben. Sie wurden Jurysieger und damit „local heroes 2015“. Obendrein wählte sie das Publikum auf Platz zwei seiner Wertung.

Ihren Auftritt eröffneten Khang Ly und seine Truppe mit einem echten Paukenschlag: Donnerhall, Blitzlichtgewitter, Mystik pur. „Peak City“ empfahlen sich schon mit den ersten Takten eindrucksvoll. Ihr fulminanter Sound erfüllte den Raum bis in den letzten Winkel. Die absolute Bühnenpräsenz – nicht nur des Frontmanns – ließ sämtliche Augen stur geradeaus blicken. Das Publikum gehorchte ihnen entsprechend aufs Wort. Ihre Fans gaben alles: „Berlin ist am Start!“ und steckte Salzwedel gehörig an. „Die gehen ab wie Schmitts Katze!“, so das einhellige Urteil selbst in den hintersten Reihen.


(Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

Doch auch hinter den Kulissen lief es reibungslos: „Ein besonders positiver Aspekt ist, dass wir durch local heroes viele Kontakte knüpfen konnten und viele Leute gefunden haben, die uns unterstützen“, resümieren sie ihre Erfahrungen der letzten Wochen und Monate. „Was uns nicht gefallen hat ist, dass es teilweise Jurymitglieder gab, die ein sehr veraltetes Bild einer guten Band hatten und sich nur auf die musikalischen Fähigkeiten konzentriert haben, anstatt auf das Potenzial der Band zu achten.“ Sie würden es jedenfalls als „fair“ erachten, wenn in jedem Jahr eine neue Jury zusammengestellt und auf „alte Hasen“ verzichtet werden würde, so ihre Kritik mit Blick auf den Berliner Wettbewerb im Vorfeld des Bundesfinales.


Ungewöhnliche Kulisse: In der hauseigenen local heroes-Badewanne macht das Fotoshooting sichtlich Spaß. (Foto: Dani Red)

Doch auch für sie gilt, nach dem Bundesfinale ist vor der nächsten Show. „Nach dem Bundesfinale in Salzwedel haben wir vor, zusammen mit unserem Produzenten eine Art EP aufzunehmen und im Laufe des nächsten Jahres zu veröffentlichen“, geben sie schon jetzt einen kleinen Einblick in ihren nächsten Pläne. Und auch ihr Fazit fällt am Ende des Tages versöhnlich aus: „Wir glauben zwar nicht, dass ein Sieg bei local heroes Rockstars aus uns macht, jedoch ist es eine großartige Plattform um Kontakte zu knüpfen und die Bandkarriere nach vorne zu treiben.“

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Ungeahnte Höhen

Dass Philipp Rodrian am Ende tatsächlich als bester Sänger des „local heroes“-Bundesfinales 2015 gekürt werden würde, dürfte einigen schon bei seinen ersten Tönen klar gewesen sein. Unfassbar, wie viele Oktaven dieser junge Mann geradezu spielerisch meisterte. Doch nicht nur der Frontmann überzeugte. „Mitreißende Drums gepaart mit groovigen Basslines (…) Brettharte Gitarrenklänge und (…) einprägsame Melodien der Keys (und) spielerische Vocals“ – ihr Erfolgsrezept ging auch in Salzwedel völlig auf…


Pop, Rock, Funk und HipHop: Bereits seit 2011 mischen die Jungs von FofoTank die Szene auf. Ihre zweite Veröffentlichung „Silhouettes“ wurde Anfang 2015 unter die Leute gebracht. (Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

„Nach den ersten Tönen der Südpfälzer Band FofoTank wurde bereits klar, dass es sich hier um etwas ganz besonderes handeln musste. Der jüngsten Band des diesjährigen Rockbuster-Finals gelang es binnen kürzester Zeit das Publikum und auch die Jury komplett auf seine Seite zu ziehen“, bilanzierte Rockbuster, der Newcomer Contest des Landes Rheinland-Pfalz, nach dem diesjährigen Finale. Insgesamt sechs Newcomer-Bands hatten im Kuppelsaal der Festung Ehrenbreitstein um den Einzug ins Bundesfinale gekämpft. „Überbordende Spielfreude, spannendes Songwriting und mit Philipp Rodrian einen symphatischen wie versierten Sänger, von dem man sich fragt wie er in so jungen Jahren schon so gut sein kann, bescherte den fünf Musikern den (fast) einstimmigen Beschluss der Jury.“


(Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

Nun stand für FofoTank also das große Bundesfinale im Kulturhaus in Salzwedel an. Dort gingen sie am 7. November mit der Startnummer zwölf ins Rennen. Philipp wurde am Ende zum besten Sänger des Abends gekürt. Bislang sei der Rockbuster 2015 ihre größte Herausforderung als Band gewesen, sagen sie. Den Druck, der nun auf ihren Schultern lastete, ließen sie sich jedoch nicht anmerken. Benedikt und seine Truppe präsentierten sich überaus lässig und souverän. Mitwippen war definitiv Programm, die Party vor der Bühne stand. Kurz stehen blieb der ein oder andere Zuhörer jedoch sicher bei so manchem Ton des Frontmannes, der eine geradezu herausragende Range zu bieten hatte und am Ende des Bundesfinales auch entsprechend ausgezeichnet wurde. Er durfte ein professionelles Vocal Set von TC-Helicon inklusive VoiceLive Touch 2 + MP-76 microphone + Switch-6 (gestiftet von TC-Helicon) mit nach Hause nehmen.


(Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

Das Erfolgsrezept für ihre „immer treibende Musikmaschine“ lautete auch in Salzwedel: „Mitreißende Drums gepaart mit groovigen Basslines (…) Brettharte Gitarrenklänge und (…) einprägsame Melodien der Keys (und) spielerische Vocals“ – davon konnte sich das Publikum an diesem Abend vollends überzeugen.


Die Finalisten hatten im Rahmen des Bundesfinales nicht nur Gelegenheit, sich auf der großen Bühne zu präsentieren. Geladen wurden sie auch von Howie Yagaloo in dessen „Wohnzimmer“. (Foto: Dani Red)

Bereits seit vier Jahren machen die Fünf gemeinsam Musik. „Zusammen gekommen sind wir durch ein Musikprojekt an unsere Schule, aber wir haben direkt angefangen eigene Songs zu schreiben“, erinnern sie sich im Vorab-Gespräch zum Bundesfinale an ihre Anfänge zurück. Den Status als „Schulband“ hätten sie mittlerweile allerdings hinter sich gelassen.

Über die Jahre sind sie ein eingeschworenes Team geworden. „Besonders Wert legen wir auf Zusammenhalt und Vertrauen“, so Benedikt und seine Bandkollegen. Und auch musikalisch wissen sie heute genau, was sie wollen. „Wir achten auf Sauberkeit und dass unsere Stücke ‚aufgeräumt‘ sind.“


Ungewöhnliche Kulisse: In der hauseigenen local heroes-Badewanne macht das Fotoshooting sichtlich Spaß. (Foto: Dani Red)

Vom Traditions-Wettbewerb local heroes hätten sie erst durch Rockbuster erfahren. Der Begeisterung tut das allerdings keinen Abbruch. „Wir denken, dass wir durch die Plattform Kontakte zu anderen Musiker knüpfen und andere/neue Musikrichtungen entdecken können“, so das Quintett. Besonders spräche sie an, dass Bands aus fast jedem Bundesland mit von der Partie wären. Entsprechend intensiv fiel bei ihnen auch die Vorbereitung auf das Bundesfinale aus. „Wir werden viel Proben, uns nochmal genau über das Set absprechen, was man anders machen kann und uns um den letzten Feinschliff kümmern“, verrieten sie wenige Tage vor dem großen Abend. „Arrangements, Zusammenspiel, Technik und Bühnenpräsenz, eben ein gutes Gesamtkonzept“, darauf würden Publikum und Jury wohl am meisten Wert legen, waren sie sich schon im Vorfeld sicher.

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Sieger der Herzen

Wenn es einen Auftritt gibt, der noch lange im Gedächtnis haften bleiben wird, dann ist es der von Môrre. Der sensible junge Mann verzauberte das „local heroes“-Publikum mit einer märchenhaft-mystischen Szenerie und Texten, die sprichwörtlich unter die Haut gingen. Auch bei seinem Coach David Pfeffer sorgte der Nachwuchsmusiker für Begeisterung. Dem Fachmann zufolge sei Môrre eine absolute Bereicherung, die einem solchen Contest extrem gut stehe…


„Mein Anspruch ist ganz klar Popmusik zu machen. Sprich Musik, die möglichst große Teile der Gesellschaft anspricht“, so Môrre, der Salzwedel mit seinem „Piano-Pop“ begeisterte. (Foto: Malte Schmidt)

Rückblick: „Die Überraschung des Abends lieferte der Jüngste des Abends, Singer/Songwriter und Geburtstagskind Moritz Schanz. Er überzeugte Jury und Fan-Gemeinde und tritt unter seinem Künstlernamen ‚Môrre‘ nun als Bundeslandvertreter des nationalen Wettbewerbs an“, so das Fazit anlässlich des „local heroes“-Landesfinales Sachsen-Anhalt Ende September. In Magdeburg setzte sich der „Liebhaber ruhiger Töne“ gegen fünf Konkurrenten durch. Und das eindrucksvoll: „Môrre hat uns überrascht. Er schaffte es das Publikum in der Feuerwache zu fesseln und zur Ruhe zu bringen und gleichzeitig auf den Punkt zu spielen. Handwerklich und im Gesamteindruck hat er uns eindeutig überzeugt, mit diesem Potential wird er auch im Bundesfinale am 07.11.2015 in Salzwedel sehr gute Platzierungen belegen können“, prognostizierte damals Jury-Sprecher Torsten Kieling (MDR Sputnik).

Nun stand für Môrre also das große Bundesfinale im Kulturhaus in Salzwedel an. Dort ging er am 7. November mit der Startnummer zehn ins Rennen.


(Foto: Malte Schmidt)

Der überragende Eindruck aus dem Landesfinale setzte sich am Ende auch in Salzwedel fort. Môrre, der hier als einziger Singer-Songwriter antrat, hatte die Zeit bis zum Bundesfinale gut genutzt. Jubelnd wurde der junge Mann empfangen, der sich dem Publikum zunächst nicht offenbarte. Einzig eingespielte Zitate, die auf den „mutigen“ Auftritt in der Feuerwache zurückblickten, ließen erahnen, was da kommen mag. Noch während der ersten Takte blieb er versteckt hinter einem großen weißen Tuch und entführte die Anwesenden so eine ganz persönliche „Blind Audition“. Plötzlich fanden sie sich wieder in einem völlig intimen Raum, den Môrre einzig mit seiner Stimme und den Klängen seines Klaviers einzunehmen vermochte. Gekommen war er elegant. Weißes Hemd, glitzernde Fliege und eine schillernde Maske, die einen letzten Rest Mysterium übrig ließ. Doch auch so kaufte man ihm jede Zeile ab. Hing an seiner dennoch deutlich sichtbaren Mimik und lauschte, was da noch kommen mochte. Mit Inbrunst sang der 20-Jährige: „Die Bühne ist phänomenal. Alles so schön bunt hier.“ Ein Gefühl, das bei seinem Publikum in jede Faser drang.

Auch Coach David Pfeffer ist überzeugt von seinem Talent. „Das ist eine Facette der Musik, die immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Für mich ist sie aus dem Musikmarkt in Deutschland nicht wegzudenken“, so Pfeffer, der Môrre bereits im Landesfinale gesehen hatte. „Er ist extravagant und bringt eine ganz ganz andere Farbe mit.“ Etwas anders zu machen, bedeute sehr viel Mut aufzubringen. Eine Leistung, die auch noch einmal vor dem Hintergrund seines noch jungen Alters gesehen werden muss. „Das muss man sich trauen und muss vor allem sehr überzeugt von dem sein, was man tut. Das ist er.“ Pfeffer zufolge sei Môrre eine absolute Bereicherung, die einem solchen Contest extrem gut stehe. Er wünscht sich, dass es in Zukunft noch viel mehr Facetten gebe. „Rock ist nicht alles, was es auf der Welt gibt!“ Sein Fazit: „Das, was er heute gemacht hat, war sehr gut, sehr stimmig, sehr überlegt. Er hat den Willen, für das Publikum die möglichst beste Show zu liefern. Das ist eine Eigenschaft, die nicht jeder Künstler mitbringt. Ich glaube, wenn er dran bleibt, wir er seinen Platz in der Welt finden.“ Môrre könne sich jedenfalls, wie alle anderen auch immer bei ihm melden.


(Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

Der junge Mann wurde im Vorfeld übrigens auch vom MDR begleitet. Das Ergebnis ist in den kommenden Tagen noch in der Mediathek „MDR Sachsen-Anhalt heute“ (Sendung vom 7. November) zu bewundern.

„Ich habe einen Traum. Einen Traum von Musik. Von meiner Musik. Auf einem Album oder einer großen Bühne. Mit vielen Menschen, die mitsingen. Das wäre schön“, stellt sich der junge Mann bereits im Vorfeld des Bundesfinales selbst vor. Klavierspielen, singen und Lieder schreiben, das könne er zwar noch nicht wirklich gut. „Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht“, sagt er bescheiden. Immerhin, der junge Mann ist erst seit einem halben Jahr auf den Brettern, die die Welt bedeuten, aktiv. „Im Sommer habe ich viel an meiner Gesundheit, der Stimme und den Liedern gearbeitet und jetzt stehe ich plötzlich im Bundesfinale. Zwei Wochen vor meiner Qualifikation hierzu kannte mich praktisch noch niemand. Nicht einmal die meisten meiner Freunde wussten darüber Bescheid, dass ich Solo-Musik mache“, kann er es eigentlich noch immer nicht glauben.


Die Finalisten hatten im Rahmen des Bundesfinales nicht nur Gelegenheit, sich auf der großen Bühne zu präsentieren. Geladen wurden sie auch von Howie Yagaloo in dessen „Wohnzimmer“. (Foto: Dani Red)

Entsprechend sei auch das Landesfinale Sachsen Anhalt bis zum 7. November der absolute Höhepunkt in seiner Karriere als Môrre gewesen. „Ich bin nur in Unterhose auf die Bühne gegangen, wie man in diversen Artikel auf meiner Facebook-Seite nachlesen kann. Damit wollte ich den Zuschauern zeigen, wie nackt ich mich in meiner Musik vor ihnen mache. Als Künstler stand ich da voll hinter, aber schwer war gerade der Moment bevor ich auf die Bühne kam schon. Der schwerste Moment in meiner Musikerkarriere“, erinnert er sich zurück.

Obschon erst wenige Monate dabei, ist der junge Musiker reflektiert bis in die Haarspitzen. „Harmonisch sind meine Lieder unter großem Einfluss der Klassik (1750-1810) bzw. frühen Romantik entstanden (1810- ca. 1850). Neuerdings verarbeite ich auch gern Elemente aus dem Jazz“, klärt er auf. „Ich versuche, wie es längst modern ist, einen Klangteppich zu schaffen und lege somit weniger Wert auf Melodie und Rhythmus außerhalb des Gesangs.“ In puncto Arrangement halte er sich „straight“ an die Regeln eines typischerweise unter Pop verstandenen Schemas. „Mir ist es wichtig, Gefühle zeigen und verstehen zu können, um sie zu beeinflussen. Diesem Ansatz folge ich auch ganz klar in Text und Musik“, sagt Moritz, dem es nicht um politische oder persönliche Botschaften geht. „Ich lasse die Musik tatsächlich fließen.“


Ungewöhnliche Kulisse: In der hauseigenen local heroes-Badewanne macht das Fotoshooting sichtlich Spaß. (Foto: Dani Red)

„local heroes“ empfindet er als Riesenmöglichkeit und Förderung. „Es macht mich glücklich, dass sich Menschen hier mit meiner Musik auseinandersetzen, obwohl ich überhaupt nicht bekannt bin! (…) Da sind viele großartige Musiker dabei. Ich bin dankbar, dass es diese Plattform gibt und sehr, sehr stolz, dabei zu sein.“ Entsprechend ernst nimmt der junge Mann den Wettbewerb. So habe er im Vorfeld intensiv mit seiner Gesangslehrerin gearbeitet und Schauspielunterricht genommen, „um ein möglichst perfektes Programm auf die Bühne zu bringen“.

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Gänsehaut-Garantie!

Alles unter einen Hut zu kriegen, das bezeichnete „Kyles Tolone“ als ihre größte Herausforderung. Dass sie Alltag und Kunst wunderbar vereinen und dabei durchaus hörbare Resultate lieferten, davon konnte sich Salzwedel am 7. November ausführlich überzeugen. Honoriert wurde das von den „local heroes“-Bundesfinal-Gästen entsprechend: Eric und seine Bandkollegen wurden die Publikumssieger der langen Musik-Nacht…


Ihren Stil beschreiben „Kyles Tolone“ selbst als „authentisch, unaufgeregt, dynamisch“. Davon konnte sich am Samstag auch das Publikum in Salzwedel vollends überzeugen. (Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

„Treibende Beats, Gitarrensound mit Bodenhaftung, intelligentes Songwriting und eine einmalige Stimme“ dazu „sphärische Synthies, die den Gesamt-Sound abrunden“: So empfehlen sich die Göttinger „Kyles Tolone“. Und das völlig zu Recht. Bereits im Rahmen des Göttinger Vorentscheids zum Landeshalbfinale konnten sie ordentlich Eindruck schinden. Und das nicht nur beim Schlagzeuger der Guano Apes und Juror, Dennis Poschwatta, der das Quartett schon bei dieser Veranstaltung absolut auf dem Schirm hatte. „Die Gruppe hat das kompakteste Bild abgegeben. Besonders der Sänger hat überzeugt“, so Poschwatta, dessen Band 1996 den „local heroes“-Wettbewerb gewann und danach eine weltweite Karriere startete.


(Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

Nun stand für die seit 2012 bestehenden „Kyles Tolone“ das große Bundesfinale im Kulturhaus in Salzwedel an. Dort gingen sie am 7. November mit der Startnummer sieben ins Rennen und wurden am Ende Publikumssieger.

Poschwattas Urteil wurde im Bundesfinale übrigens noch einmal eindrucksvoll untermauert. Die kernige Stimme von Frontmann Eric Pulverich ging unter die Haut und zog vollkommen in ihren Bann. Gänsehaut war hier garantiert. „Kings of Leon“ lässt grüßen! „Kyles Tolone“, die dem Publikum auch Stoff von ihrer neuen Platte mitgebracht hatten, verschmolzen im Laufe ihres Auftritts zusehends mit der überdimensionalen LED-Wand, die die Bühne des Kulturhauses in diesem Jahr schmückte. „Wir hatten eine super Zeit und haben viele nette Leute kennen gelernt“, so ihr Fazit am Ende des Auftritts.


(Foto: Aktion Musik // Local Heroes e.V.)

„Die größte Herausforderung ist für uns alles unter einen Hut zu kriegen: Musik, Studium und Privatleben. Da kann es zwischenzeitlich doch manchmal ziemlich eng werden“, so die Band noch bevor sie die Bundesfinal-Bühne betraten. Immerhin nehmen sie das, was sie tun, 100 Prozent ernst. Entsprechend legen sie vor allem Wert auf Professionalität. „Nur so erreichen wir unsere Ziele“, stellen die Musiker heraus. Das attestieren sie übrigens auch dem ältesten Non-Profit-Bandwettbewerb Deutschlands. „Wir sind bei local heroes dabei, weil es ein sehr gut organisierter Bandcontest ist, qualitativ sehr gute Bands daran teilnehmen und wir unser Netzwerk weiter ausbauen können“, lautet ihr einhelliges Urteil. Es sei ein „starker Wettbewerb“. Bands wie Schmutzki, Dioramic, The Love Bülow hätten in den letzten Jahren erfolgreich teilgenommen und sich in Folge einen Namen machen können. „Das spricht für die Qualität der Bands, die an einem local heroes Bundesfinale teilnehmen.“


Die Finalisten hatten im Rahmen des Bundesfinales nicht nur Gelegenheit, sich auf der großen Bühne zu präsentieren. Geladen wurden sie auch von Howie Yagaloo in dessen „Wohnzimmer“. (Foto: Dani Red)

Dennoch macht es für die jungen Göttinger keinen Unterschied, ob sie in einem kleinen Club oder wie nun vor mehr als 1000 Zuschauern spielen. Vorbereitet hätten sie sich auf diesen Abend nämlich „wie auf jedes Konzert.“ Fleißig sei geprobt worden und auch in den Sozialen Medien wurde ordentlich getrommelt, um die Fanbase weiter auszubauen.

Gedanken haben sie sich natürlich auch darüber gemacht, wie Jury und Publikum die Darbietungen des Teilnehmerfelds bewerten würden. Ganz klar steht für sie der Gesamteindruck im Vordergrund, meinen die Musiker. Der Gesang, der „Sound“ und die „Tightness“ der Band. Eigentlich umfassend, möchte man meinen. Doch „Kyles Tolone“ hätten in diesem Zusammenhang den ein oder anderen Verbesserungsvorschlag: „Neben den üblichen Kategorien wäre sicherlich eine Kategorie sinnvoll, die berücksichtigt, wie aktiv und präsent eine Band auf Online- und Social-Media Kanälen vertreten ist bzw. wie professionell das Auftreten der Band im Internet wirkt. Das gehört neben guten Songs und einer guten Live Performance zu einer Band mit Zukunftsaussichten einfach dazu.“


Ungewöhnliche Kulisse: In der hauseigenen local heroes-Badewanne macht das Fotoshooting sichtlich Spaß. (Foto: Dani Red)

local heroes-Projektleiterin Julia Wartmann wird sich dazu sicherlich ihre Gedanken machen. Für die Band stehen nun aber erst einmal andere Dinge an. „Wir möchten die Schlagzahl unserer Konzerte in 2016 erhöhen sowie an unserem Debüt-Album arbeiten“, geben sie einen knappen Abriss über ihre nächsten Pläne.

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