Archiv für Dezember 2016

„Wir sind alle eins!“

Der Wahl-Würzburger Stephen Keise setzt gemeinsam mit bekannten Akteuren der Reggae-Szene ein deutliches Zeichen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit.

Die gemeinsame Suche nach „positiven Antworten“ mündete für die vier Künstler in den eingängigen Song „Push It!“. (Foto: Jennifer Többen Photografie)

„My lord this world be likkle we come in all shades like a bag of skittles“, rappt Stephen Keise in seinem neuesten Song „Push It!“. Zu deutsch: „Die Welt ist klein, bunt gemischt wie ’ne Tüte Skittles.“ Gemeinsam mit dem französischen Sänger und Pianisten Doc Dondo, dem Ska-, Reggae- und Dancehall-Künstler Dr. Ring Ding sowie dem argentinischen Sänger, Songwriter und Produzent Paco Mendoza, vielen bekannt als Teil von „Raggabund“, hat er dieser Tage ein Video dazu herausgebracht. Mit „Push It!“ will das Quartett sich klar positionieren: Gegen Ausgrenzung und für viel mehr Gemeinschaft.

„Im Sommer 2016 hatte ich aufgrund der Flüchtlingskrise und der damit verbundenen teilweise schlechten Stimmung innerhalb der Bevölkerung das Gefühl, unsere Werte von Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu verlieren“, lässt Stephen Keise den Anstoß für den aktuellen Song Revue passieren. Erlebt habe er das nicht nur in den Medien, sondern auch bei seinen Mitmenschen. Zwar habe es nach wie vor Personen gegeben, die halfen. Doch viele andere hätten sich plötzlich um ihren Wohlstand gesorgt und begegneten jenen, die in unser Land gekommen seien, mit Ablehnung.

(Foto: screenshot youtube)

Für ihn und seinen Musiker-Kollegen Doc Dondo eine nicht länger hinnehmbare Situation. Die beiden Künstler tun sich zusammen, um in einem Song daran zu erinnern, was alle Menschen gleichermaßen brauchen: „Familie, Freunde, Freude und Frieden“. „Wir haben uns entschieden, selbst die Veränderung zu bringen, die wir uns so wünschen“, sagt der in Münster geborene Deutsch-Jamaikaner. Das Ziel, das sich bereits durch sein gesamtes künstlerisches Schaffen zieht: Hoffnung statt Panik verbreiten.

„Vielfalt“ auf mehreren Ebenen

Inspiration fand Stephen Keise diesmal in der Vergangenheit. Die PBS-Dokumentation „Citizen King – Martin Luther King Jr.“ war für den Musiker der Schlüssel. „Kings Haltung, seine Vibes, wie er unsere Werte bedingungslos lebte, entfachten in mir ein Feuerwerk der Kreativität. Mein Text schrieb sich wie von Geisterhand“, erinnert er sich zurück. Mit ihrer Euphorie steckte das Duo schließlich auch Dr. Ring Ding und Paco Mendoza an. Ihr Anliegen überzeugte und beide gesellten sich als Feature-Gäste dem musikalischen Projekt hinzu.

(Foto: screenshot youtube)

Das Ergebnis stellt „Vielfalt und Einheit“ nun gleich auf mehreren Ebenen dar: Denn nicht nur inhaltlich feiert „Push It!“ ihr gemeinsames Thema. Sprachlich setzt sich die Botschaft auf Englisch, Französisch und Spanisch fort. „Wir leben unser Anliegen par excellence“, ist Keise überzeugt. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, teils gegensätzliche und nicht unproblematische Historien der Vorfahren – und dennoch kämen in der Gegenwart alle wunderbar miteinander aus.

„Musik ist für uns kein Wirtschaftstool“

Welchen Teil die Medien zum Gelingen oder eben Scheitern dieses Miteinanders ihrer Ansicht nach beitragen, verarbeiten die Vier zudem in der Story ihres Videos. Sie beginnt mit einer Schlagzeile, die von einem missglückten Interview berichtet. Das Quartett befindet sich mitten in einer Pressekonferenz. „Wir sprechen darüber, dass wir alle gleich sind auf der Welt – alle eins“, beschreibt Stephen Keise die Situation in die immer wieder Bilder aus Afrika eingeblendet werden. „Wir, als Menschen aus dem Westen, machen uns Gedanken über jene, die weit weg von uns leben. Denn wir sind alle eins! Auch wenn wir das manchmal vergessen.“ Doch die Presse wolle die „Message“ hinter „Push It!“ nicht verstehen. „Liebe“ zu vermarkten oder gar zu verkaufen, das funktioniere nicht, so die Meinung der vermeintlichen Profis. „Die Journalisten wollen eine Story. Doch diese können wir nicht liefern. Musik ist für uns kein Wirtschaftstool. Wir machen unsere Kunst nicht des Geldes wegen“, so Keise.

(Foto: screenshot youtube)

Für Keise ist mit diesem Song und dem dazugehörigen Clip ein echter „Batterie-Auflader“ entstanden. „Ich wurde vergangenen Sommer von einer medialen Welle regelrecht erschlagen. Politik und Gesellschaft waren mit den Flüchtlingsströmen schlicht überfordert. Wir, oder besser gesagt ich auch“, sagt er heute. Ein Aufladegerät habe er damals zunächst nicht finden können und dieses intensiv suchen müssen. Den Zuhörern und Zuschauern wollen er und seine Mitstreiter mit „Push It“ den direkten Weg anbieten. „Mit diesem Song kann man sich 100 Prozent aufgeladener fühlen.“

Doch wie hört sich die Produktion von Doc Dondo eigentlich an? „Es klingt nach Vintage Reggae“, sagt Keise. „Es soll sich alt anhören, aber dennoch neue, digitale Einflüsse haben.“ Angelegt sei der Song so, dass er auch auf einem großen Festival mit einer stattlichen Liveband funktioniere und das Publikum von 0 bis 99 erreiche.

Und hier ist nun das Video:

Text: Nicole Oppelt

„… ab geht die Lutzi“: „Madsen“ sind die Headliner 2017

Das Festival in Rottershausen ist über die Jahre zu einem Inbegriff für außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement geworden. (Foto: Lukas Veth)

Gut ein halbes Jahr nach dem „… ab geht die Lutzi“-Festival 2016 stand für das ehrenamtliche Team erst einmal ausgiebiges Feiern auf dem Programm. Die Organisationsspitze nutzte das große Helferfest Ende November aber auch, um Bilanz zu ziehen, zahlreiche Spendenchecks zu verteilen und schon jetzt Lust auf die Veranstaltung 2017 zu machen. Denn die Headliner für das kommende Jahr ist niemand Geringeres als die bekannte Indie-Rock-Band „Madsen“.





Nach dem Trubel des „… ab geht die Lutzi“-Festivals 2016 war in Rottershausen Ruhe eingekehrt. Bis jetzt. Vor Kurzem kamen die rund 250 ehrenamtlichen Helfer erneut zusammen. Diesmal hatten sie allerdings keine Pflichten zu erfüllen – außer eine: Ausgiebig sich selbst zu feiern. Die „Lutzi“-Chefs Christian Stahl und Klaus Schmitt hatten anlässlich der siebten erfolgreichen Festival-Ausgabe erneut für ein gebührendes Dankeschön gesorgt. Leckeres Essen, eine BIO-Cocktailbar und nicht zuletzt die in der Region beliebte Live-Band „Bei die Omma“ schnürten ein gelungenes Party-Paket, das bis in die frühen Morgenstunden begeisterte.

Nach der Arbeit kommt das Vergnügen. Mit der Band „Bei die Omma“ wurde bis tief in die Nacht gefeiert. (Foto: Klaus Schmitt)



„Mit dem Helferfest will sich das Team und der Verein FCE Rottershausen bei den vielen Freiwilligen bedanken, ohne die das Festival in dieser Größenordnung und der Art und Weise, wie es momentan stattfindet, nicht möglich wäre“, so Christian Stahl. Auch der immer noch im Verhältnis zu anderen Festivals sehr niedrige Eintrittspreis sei nur durch ein solch großes Engagement der ehrenamtlichen Helfer zu halten.



Festival hat Renommee weit über den Landkreis hinaus



Was bislang gemeinsam geschafft wurde, ist beachtlich. Das Festival hat sich über die vergangenen Jahre zu einem kulturellen Event weit über die Grenzen des Landkreises und Frankens hinaus entwickelt. „Gäste nehmen teilweise 300 Kilometer Anfahrt auf sich, um ein Wochenende lang dabei zu sein“, nennen die Organisatoren ein Beispiel. Auch die Wahrnehmung von offizieller Seite habe sich mittlerweile stark verändert und die Zusammenarbeit mit Behörden, vor allem die Unterstützung durch den Bürgermeister und die Gemeinde Oerlenbach, sei sehr gut und erleichterte die Planungen immens.

Große Spendenübergabe auf dem Helferfest. Das Lutzi – Team hat sich diesmal Institutionen aus der Region ausgesucht. (Foto: Klaus Schmitt)



Ihren Erfolg wollte das „Lutzi“-Team auch 2016 teilen. Insgesamt wurden im Rahmen des Helferfestes Spenden in Höhe von 3000 Euro überreicht. Die Zuwendungen erneut wohl überlegt. Nachdem 2015 für einige Hilfsorganisationen, die weltweit agieren, gespendet wurde, gingen diesmal alle finanziellen Mittel an Vereine oder Organisationen, in denen auch die Helfer des Festivals aktiv sind. Unterstützung gab es zum Beispiel für die Anschaffung eines Defibrillator für die Heimatgemeinde, der von der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr betreut wird. Der Kindergarten darf sich über eine Waldhütte freuen. Denn der bisher direkt neben dem Festivalgelände gelegene Platz war für die Kleinen nicht mehr ideal. Zu guter Letzt wurde ein Beitrag zur Reparatur der Kirchenorgel geleistet. „Dieses Geld hat die Lutzi als Vertreterin der Kirche persönlich entgegengenommen“, freuen sich die Organisatoren. Außerdem gingen bereits während des Festivals im Juni weitere 1.900 Euro an die Non-Profit-Organisation „Viva con Agua“, die sich über das Pfand generiert hatten. 



2017 gibt’s Rock, Punk und Pop aus dem Wendland

Einen musikalischen Grundstein für ein erfolgreiches Festival 2017 legten die Verantwortlichen an diesem Abend gleich mit. Nachdem sich das Team mit den „Donots“ schon in diesem Jahr einen echten Traum erfüllt hat, setzen sie für die kommende Ausgabe „nochmal ordentlich einen oben drauf“. Begeistert werden soll das Publikum zum Höhepunkt des „… ab geht die Lutzi“-Festivals 2017 mit Rock, Punk und Pop aus dem Wendland. Und diese Mixtur kann in ihren Augen wohl kaum einer besser als „Madsen“, die spätestens seit dem Sommer 2005 in aller Munde sind. Große Events wie Rock im Park, Rock am Ring, das Highfield-Festival sowie das Hurricane-Festival und dessen Schwesterfestival Southside gehören zu ihren Stationen. Auch als Vorband bei Avril Lavigne machte sich die Band einen nachhaltigen Namen. Als musikalische Botschafter gingen sie nicht nur für das Goethe Institut auf USA-Reise, sondern traten für Niedersachsen gleich zweimal beim Bundesvision Song Contest an.

„Madsen war schon immer eine Mischung aus brachial und Pop. Diese Rezeptur werden wir auch nicht ändern“, sagt Sascha. (Foto: Pressematerial)


„(…) insbesondere live zählen Madsen nach wie vor zu den mitreißendsten Bands weit und breit“, urteilen die Kollegen vom Open Flair Festival über die Musiker. Und die haben offenbar auch eine ordentliche Portion Humor. Von einer Journalistin auf die früheren „Tocotronic“-Vergleiche angesprochen, schätzt Sebastian Madsen sich und seine Bandkollegen heute wie folgt ein: „Ich würde kurz sagen, wir sind eine Mischung aus den Toten Hosen, den frühen Strokes und dem jungen Mike Krüger.“



Vorverkauf startet im Februar 2017



Kein Wunder also, dass in Rottershausen die Vorfreude auf den Sommer 2017 schon jetzt immens ist. Weitere bekannte Namen seien bereits in Arbeit. Außerdem würde natürlich wieder „an allen Ecken und Enden gefeilt“, um das Festival „noch schöner und einzigartiger“ zu machen. Nicht nur an den Attraktionen für die Gäste werde gearbeitet, sondern auch die Situation für die Helfer werde permanent weiterentwickelt, um ihnen die Arbeit im kommenden Jahr möglichst angenehm zu gestalten und es ihnen zu ermöglichen, die ein oder andere Band zu genießen. „Es soll insgesamt ein anstrengendes, aber sehr schönes Wochenende sein.“

Die Lutzi lockte diesen Sommer so viele Menschen wie nie auf das Gelände. (Foto: Lukas Veth)


Angezählt wird für die „Lutzi“ bereits in wenigen Wochen. Der Vorverkauf soll im Februar starten. Musikfans sollten sich sputen. „Nachdem der Samstag diesmal zu späterer Stunde ausverkauft war und es einen Einlass-Stopp an der Abendkasse gab, empfiehlt es sich bereits im Vorfeld sein Ticket zu reduzierten Preisen zu sichern“, sagt Christian Stahl.“ Es wird definitiv eine Abendkasse geben, allerdings sieht es so aus, als wäre diese 2017 sehr begrenzt.“

Text: Nicole Oppelt