Pad und die Waschbärbande beim local heroes-Bundesfinale 2017

(Pad und die Waschbärbande // Fotograf: Sascha Schröder / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Pad und die Waschbärbande“ – das sind Patrick, Lukas, Pascal und Niklas – zogen beim local heroes-Bundesfinale mit der Startnummer zwei ins Rennen. Ein echter Coup, immerhin gibt es die „Waschbärbande“ erst seit Anfang 2017. „Vorher gab es nur Pad, den Singer & Songwriter und Solokünstler“, erzählen sie. Nun seien Solo- und Bandkonzerte möglich, wobei die Band ihren eigenen Stil entfaltet und weiterentwickelt habe.

In ihrer noch kurzen gemeinsamen Bandzeit sei das local heroes-Landesfinale in Bremen das schönste Erlebnis gewesen. „Es ist schön, von so vielen Menschen unterstützt zu werden und zu merken, dass wir plötzlich gehört werden sowie präsent sind.“ Das Bundesfinale sei für sie übrigens eine organisatorische Herausforderung gewesen, da sie, um dabei zu sein, ihren wohl größten Auftritt in diesem Jahr beim „Hallo Verden Festival“ absagen mussten.

Ganz zur Freude des Salzwedeler Publikums, das mit „ehrlichem, authentischen deutschsprachigen (Indie-)Pop mit Einflüssen aus dem Bereich Folk, Hip Hop und Rock“ belohnt wurde. „Ich denke, dass unsere Vorbilder wohl sehr unterschiedlich sind und nicht unbedingt etwas mit dem Musikstil zu tun haben, den wir machen. Ich war früher zum Beispiel total fasziniert von Kurt Cobain und habe durch verschiedene Bandprojekte (Punk, Alternative Rock) zurück zu den Ursprüngen gefunden“, so Pad vor dem Auftritt. „Ich glaube, dass sich das auch auf der Bühne wiederspiegelt.“

Wir legen Wert darauf, dass wir authentisch und ehrlich bleiben, obwohl wir das ‚anonyme‘ Konzept von Masken haben“, erzählen „Pad und die Waschbärbande“. (Fotograf: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

In Salzwedel blies die „Bande“ dem Publikum sofort ihre geballte Energie und intensives Gefühl entgegen. Getragen von Pads sanfter und zugleich kraftvoller Stimme, ließen sie die Menge an Themen wie Freundschaften, Erinnerungen, persönlichen Zweifeln und vielen weiteren Emotionen teilhaben. Nicht wenige honorierten schon gleich zu Beginn den noch sehr neuen Titel „Land in Sicht“ mit breitem Lächeln. „Das hätte so auch schon im Radio laufen können!“

Ihren ersten Auftritt hatten die Bremer übrigens im Rahmen eines Plattdeutschwettbewerbs (Plattsounds). Dieser habe dann auch den Anstoß gegeben, „das Band-Ding zu intensivieren“. Und das taten sie: „Wir haben uns ziemlich früh dem Druck ausgesetzt, viele Konzerte zu spielen und mussten dafür unser Programm entwickeln und proben. Es war eine Herausforderung sich auf die Konzerte vorzubereiten, wenn wir sehr viel unterwegs waren und teilweise Gigs von 1,5 Stunden spielen mussten. Das war gleichzeitig eine positive Erfahrung, da wir sehr viele Menschen kennen lernen durften, merken konnten, wie unterschiedlich unsere Musik wirkt und uns gleichzeitig besser kennen lernen konnten.“ Vor allem für Pad sei es nach langer Zeit etwas total Schönes gewesen, mit einer Band aufzutreten und die Musik, vor allem die Drums, den Bass, die E-Gitarre, „so richtig zu spüren“. „Das tut gut und ist ein schöner Kontrast zu ruhigen Gigs“, so das Resümee des Frontmanns.

(Fotograf: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Dass es überhaupt zur Teilnahme an local heroes kam, war übrigens ein Glücksfall. „Wir wollten eigentlich nur ‚mindestens‘ einen weiteren Auftritt haben und dachten uns, dass wir uns über dieses Netz einen kleinen Namen machen können bzw. wahrgenommen werden“, erzählen sie. „Für uns war es ein sehr schönes Erlebnis mit einer Gefühlsachterbahn. Wir waren ja quasi schon in der Vorrunde raus, da wir sehr wenige Leute als Unterstützer dabei hatten. Das Votingsystem gehört schließlich dazu. Im Finale lief es genau anders. Wir dachten uns – jetzt erst recht. Das war eines der wunderschönsten Bühnenerlebnisse, obwohl sich bei uns der Line-Check um 20 Minuten in die Länge zog.“

Während des Interviews mit Pop10 & Yagaloo wurde für die Fans Pizza gebacken. (Fotograf: Sascha Schröder / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Pad und seine Bandkollegen sind jedenfalls top motiviert. „Wir wollen gerne weiterwachsen und das können wir bei euch sehr gut“, loben sie das local heroes-Konzept. „Alleine durch die Preise bisher (Beispiel: Bandcoaching). Es entstehen neue Reize und Überlegungen.“ Dass local heroes-Chefin Julia Wartmann nun einen direkten Draht in die Politik hat – ein Glücksgriff. „Es muss Maßnahmen gegen das ‚Bühnensterben‘ geben“, sind sie überzeugt. „Musik muss wieder interessanter/attraktiver werden für die Leute.“ Es wäre schön, wenn das Geld wieder eine zweitrangige Bedeutung hätte, sind sich die Musiker einig. Dann hätten „echte“ Bands auch mal echte Chancen, sich vernünftig zu etablieren auf dem Markt. „Heutzutage gibt es in der Musikindustrie zu viel Industriemusik – zu viel ‚Inszest‘ und ‚Zucht‘“, glaubt Pad. „Ich würde mir wünschen, dass sich das irgendwann etwas neutralisiert und mehr ‚Echheit‘ herrscht.“ Viel wichtiger sei aber, dass es die Möglichkeit für Musikförderung für Jedermann, egal ob arm oder reich, gebe. Auf Grundschulebene gebe es zu wenige Musiklehrer. „Vielleicht sollten wir Musiker in die Schulen gehen, um zu vermitteln, wofür die Musik steht: Zusammenhalt, Gefühle, Kreativität, Teilhabe usw. Ich wünsche mir mehr Musik.“

Unplugged auf der Pop10 & Yagaloo-Bühne im Foyer. (Fotograf: Sascha Schröder / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Das sieht auch die gesamte Band so. Ihr Appell am Ende des local heroes-Wettbewerbs könnte daher nicht durchdringender ausfallen: „Wir wünschen uns, dass die Menschen mehr auf Konzerte gehen, denn es gibt so viele gute Nachwuchsmusiker.“ Ihre eigenen Pläne für die Zukunft sehen entsprechend aus. „Wir wollen bald ins Studio gehen und zuvor weiter neue Songs schreiben. Eine (neue) Platte wäre schön. Weitere Auftritte und tolle Erfahrungen wären auch schön. Vielleicht dürfen wir ein wenig mit unserer Fanbase wachsen und ein paar schöne Festivals bespielen. Die Pläne bestehen also daraus, die nächsten Schritte nach vorne zu gehen, anstatt stehenzubleiben oder zurückzugehen.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen


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