„ab geht die Lutzi“: Ehrenamt aus Überzeugung

Am vergangenen Samstag durften es sich die vielen fleißigen Helfer des „ab geht die Lutzi“-Festivals in Rottershausen selbst einmal gutgehen lassen

Für ihre „Lutzi“ geben die Helfer vollen Körpereinsatz. (Foto: Lutzi-Crew)

Das Team des „ab geht die Lutzi“ nutzte des diesjährige Helferfest nicht nur, um seine beachtliche Unterstützergemeinschaft zu würdigen. Traditionell wurden auch diesmal ausgesuchte Institutionen und Vereine mit fast 3000 Euro an Spendengeldern bedacht. Knapp drei Monate nach der neunten Festival-Ausgabe ist zudem klar, die „Jubiläums-Lutzi 2019“ wird deutlich wachsen.

„Die Lutzi aufzuziehen, das ist nicht immer einfach. Gefühlt sind eine Million Helfer nötig, um das Ganze zu stemmen“, so das Fazit des „ab geht die Lutzi“-Orga-Teams rund um Christian Stahl und Klaus Schmitt. 2018, so fassen sie zusammen, sei für die gesamte Mannschaft ein „sehr anstrengendes Jahr“ gewesen. Nicht nur das Wetter schlug Kapriolen, auch der überraschend große Ansturm auf dem Campinggelände verlangte ihnen einiges ab.

„Musik für alle!“: Am „ab geht die Lutzi“-Festival kommt kaum ein Musikfreund aus der Region mehr vorbei. (Foto: Lutzi-Crew)

Wie viele Menschen hinter den Kulissen für den reibungslosen Ablauf dieser für das kleine Rottershausen nun wahrhaft riesigen Veranstaltung sorgen, wurde am vergangenen Samstag deutlich. Gut 350 Personen bevölkerten das Festival-Areal des Sommers und ließen es sich bei Pizza, Pulled Pork-Burgern, Cocktails und jeder Menge guter Musik einmal so richtig gut gehen. Verdient hatten sie sich diese „Mini-Lutzi“, wie Christian Stahl das diesjährige Helferfest betitelt, allemal. Neun Jahre hintereinander haben sie mit ihrer Vision von einem gelungenen Festival Erfolge feiern können, sich stetig mehr Reputation beim Publikum als auch Künstlern internationalen Formats erarbeitet. Zuletzt strömten rund 5000 Gäste aufs „ab geht die Lutzi“-Festival, wo sie von Acts wie Kellerkommando, Heisskalt, Royal Republic, Chefboss und vielen, vielen mehr aufs Beste unterhalten wurden.

Glitzer, Glamour und ein „königliches Gewitter“ – Das boten die diesjährigen Samstags-Headliner „Royal Republic“ aus Schweden. (Foto: Lutzi-Crew)

Ein Dorf „lebt“ für sein Festival

Spätestens in diesem Sommer wurde wohl dem Letzten klar: Diese Gemeinschaft, ja dieses ganze Dorf, lebt für „ihre Lutzi“. Und das fast 365 Tage im Jahr. Das Helferfest nutzten Stahl und seine Kollegen, um zahlreiche Festival-Impressionen zu zeigen und bisher nicht veröffentlichte Schnappschüsse aus der Vor- und Nachbereitung zu präsentieren. Aufbau, Ausbau, Gestaltung, Handwerk und Kreativität waren und werden auch in Zukunft in allen Bereichen gefordert sein. Doch die mitunter kräftezehrenden Einsätze schrecken offenbar nicht ab – im Gegenteil: Ehrenamt geschieht hier aus Überzeugung.

Die „Lutzi“ entsteht Jahr für Jahr „wie aus dem Nichts“. (Foto: Lutzi-Crew)

750 Euro für musikalische Früherziehung

„Die diesjährige Lutzi ist super gelaufen“, so das Fazit. „Wir sind uns unserer Verantwortung jedoch bewusst“, leiten sie über zu einem seit jeher wichtigen Punkt ihrer Arbeit. Das „Lutzi“-Festival will auch 2018 einen Teil an die Gemeinschaft weitergeben. Bedacht wurden diesmal erneut der Musikverein Rottershausen. „Musikalische Früherziehung ist uns einiges Wert“, sind die „Lutzi“-Chefs seit langem überzeugt. Wie schon 2017 erhielt der Verein 750 Euro, die direkt in das Projekt „Wir musizieren“ (WIM) fließen. WIM wurde vor einigen Jahren von der Bayerischen Musikakademie Hammelburg in Zusammenarbeit mit verschiedenen musikalisch aktiven Verbänden entwickelt.

Endlich einmal nicht im Einsatz – die „Lutzi“-Helfer genossen die Würdigung durch das Orga-Team. (Foto: N. Oppelt)

Die Pilotphase startete im Februar 2010 an sechs Grundschulen in Unter- und Mittelfranken. Die Finanzierung wird weitgehend vor Ort von den Kooperationspartnern, teilweise unter Beteiligung der Kommunen, geleistet. „Die Gesamtkonzeption des WIM-Projektes ist so angelegt, dass ausnahmslos alle Kinder, die das erste und zweite Schuljahr besuchen, kostenfreien musik-praktischen Unterricht in der Grundschule erhalten“, informiert hierzu die Musikakademie Hammelburg. Alle Kinder würden zudem unabhängig ihrer Nationalität und ihrer sozialen Herkunft einbezogen. Somit sei das WIM-Projekt ein praxisorientiertes Projekt für die Integration.

„Alle für Klos! Klos für Alle!“

Ganze 2000 Euro kamen dem Projekt „Goldeimer“ zugute. Und auch das aus einem guten Grund: „Das Motto hier lautet ‚Alle für Klos! Klos für Alle!‘“, erklärt das Team seine Beweggründe. „Noch immer haben rund 4,5 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sanitären Anlagen.“ „Goldeimer“ wolle genau das ändern. „Keine andere Erfindung hat in den vergangenen 200 Jahren mehr Menschenleben gerettet als das gute, alte Klo“, heißt es von Seiten des Projekts selbst. Leider wisse das aber kaum jemand mehr. Die gemeinnützige GmbH ist deshalb mit Komposttoiletten auf Open Air Events präsent, verteilt Klopapier mit „viel viel guter Laune“ und Klo-Produkte, „die (…) das Leben leichter machen“. Mit den Gewinnen wird die Arbeit von „Viva con Agua“ sowie der Welthungerhilfe unterstützt, „um allen Menschen weltweit den Zugang zu würdigen sanitären Anlagen zu ermöglichen“. Belohnt wurde so viel Engagement bereits mit einer Nominierung des Social Business Konzepts für den ZEIT Wissen-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit”.

Engagement macht Spaß – jeder findet bei diesem Festival „seinen Bereich“. (Foto: Lukas Veth)

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und der Universität Stuttgart wurde außerdem bereits 2015 ein breit angelegtes Forschungsvorhaben zum Potential von Komposttoiletten für Open Air Events umgesetzt, dessen Abschlussbericht Anfang 2017 vorgelegt und als Grundlage für die eigene Pionierarbeit in Deutschland hinsichtlich nachhaltiger Sanitärversorgung genutzt wurde. Das Ergebnis waren nicht nur komfortable Toiletten, sondern vor allem saubere – in jeder Hinsicht: „Unsere Toiletten benötigen weder Wasser noch Chemie. Die gesammelte Biomasse kann zu fruchtbarem Humus kompostiert werden – Abfälle existieren für uns nicht“, erklärt das „Goldeimer“-Team.

„Artgerechte Haltung unserer Camper“

Apropos Festival-Besucher. Bereits Ende August war der Orga-Stab der „Lutzi“ zur ersten Klausurtagung nach Heiligenhafen aufgebrochen, um die weichen für das 10. „ab geht die Lutzi“-Festival am 14. und 15. Juni 2019 zu stellen. Welche Acts schon jetzt im Raum stehen, wollte noch keiner preisgeben. Nach dem immensen Camper-Zulauf in diesem Jahr wurde jedoch schon jetzt bekannt: Die bereits beachtliche Camping-Fläche von zwei Hektar wird 2019 auf gut sieben Hektar anwachsen. Das gesamte Festival-Areal wächst von 6,2 auf sagenhafte 17 Hektar. Diesen Schritt gehen wir für eine „artgerechte Haltung unserer Camper“, schmunzelt das Team. Wohl wissend, dass gerade die Campingfläche mit seinen bisher ausgetüftelten Annehmlichkeiten, wie Open Air-Duschen oder zuletzt gar ein Saunawagen, für viele Besucher zu den größten Pluspunkten des „ab geht die Lutzi“-Festivals gehört.

„Chefboss“ aus Hamburg brachten die HipHop-Area am späten Samstagabend zum Beben. (Foto: Lukas Veth)

In den kommenden Monaten steht für Christian Stahl, Klaus Schmitt und ihre Mannschaft viel auf dem Programm. Das Lineup 2019 will gestaltet, die Infrastruktur auf dem Gelände gepflegt und verbessert und zu guter Letzt so manche Überraschung zum zehnten Geburtstag ausgeheckt werden. Sicher ist schon jetzt: Die „Lutzi“ 2019 wird diese Herausforderungen meistern und wie stets „noch ein bisschen schöner werden“.

Text: Nicole Oppelt


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