„local heroes“-Bundesfinale 2018: „The Great Cascade“ glänzen mit wohltuender Leichtigkeit

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Für Thüringen war, dank eines Kooperationsprojektes mit der Deutschen Bahn und dem Einkaufsbahnhof Erfurt, erstmalig nach circa zehnjähriger Pause wieder ein Act ins Rennen gegangen: Die Geraer Band „The Great Cascade“ begeisterte Jury und Publikum.

The Great Cascade live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Dieses Fazit kann sich hören lassen: „Wir sind sehr begeistert von der Herzlichkeit und dem familiären Umgang. Außerdem gefällt uns die Professionalität, mit der dieser Wettbewerb organisiert wird. ‚local heroes‘ stellt für uns eine gute Plattform dar, um uns mit anderen Bands zu vernetzen und hat uns bereits viel Aufmerksamkeit generiert.“ So viel Lob kommt aus dem „local heroes“-Neuzugangsland Thüringen. Das Bundesland schickte die 2016 in Gera gegründete Band „The Great Cascade“ ins Rennen. Und die zeigte sich von Anfang an begeistert. „Thüringen hat eine kleine, aber feine Musikszene. Durch Wettbewerbe wie local heroes ist es für uns Thüringer einfacher, mal über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich mit Musikern aus ganz Deutschland auszutauschen. Das ist immer eine Bereicherung. Wir haben jetzt schon sehr von local heroes profitiert.“

„Für uns ist es das Schönste, wenn nach Konzerten die Menschen zu uns kommen und sagen, dass sie unsere Musik bewegt hat“, sagen „The Great Cascade“. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Überzeugt hatten die jungen Musiker die Jury in Thüringen mit „handgemachtem Folk-Pop mit Einflüssen aus Alternative Rock, Progressive und allem, was uns sonst so vor die Ohren kommt und uns gefällt.“ Inspirationsquellen seien natürlich auch größere Bands wie Mumford & Sons, Mighty Oaks oder Riverside, beschreiben Lukas, Jonathan, Florian und Benjamin ihren musikalischen Stil, von dem sich das Publikum in Salzwedel nun bei ihrem Auftritt mit der Startnummer vier überzeugen konnte.

„Neben zahlreichen Instrumenten, mit denen wir gern experimentieren, wie zum Beispiel Melodica, Charango und Mandoline, ist Satzgesang ein festes Element unserer Songs“, erklären sie ihre Besonderheiten. „Uns ist es wichtig, dass unsere Lieder vielseitig sind und nicht ein Song wie der andere klingt. Deshalb machen wir uns auch nichts aus Genre-Grenzen“. Die Herausforderung bestehe dabei natürlich, trotzdem verbindende Elemente einzubauen, die den eigenen Sound ausmachten und die Band unverwechselbar mache.

Was verbirgt sich hinter der Band „The Great Cascade“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für „The Great Cascade“, die ihr Probenpensum in den vergangenen Wochen deutlich erhöht hatten, ging diese Idee im Bundesfinale vollends auf. Salzwedel bescherte der Band einen großartigen, Applaus-schwangeren Empfang. Und dieser schien das Quartett von Sekunde eins an zu motivieren. Die vier Musiker glänzten in den für sie besonders wichtigen Aspekten „Songwriting und Arrangements, Bühnenpräsenz, Professionalität und Originalität“. Anspruchsvolle, abwechslungsreiche Parts, sowohl stimmlich als auch instrumental, wurden in wohltuende Leichtigkeit gehüllt. „The Great Cascade“ präsentierten sich selbst bei ihren eher leisen Passagen voller Souveränität, schafften es aber auch, die Menge zum Mitmachen zu animieren.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Und wie geht es für sie nach dem Bundesfinale weiter? „Das Bandleben hält ständig neue Herausforderungen bereit“, sind die Vier überzeugt. Eine besondere Aufgabe sei aber sicherlich immer die Produktion einer CD, zumal ihre erste EP „Shelter“ für sie die erste Studioerfahrung überhaupt darstellte. Jetzt gehe es damit in die zweite Runde und damit in die Produktion einer zweiten EP. „Wir sind schon mächtig gespannt.“

Doch dem nicht genug. So stehe ein Musikvideo „kurz vor der Vollendung“ und ein weiteres, das sie beim Thüringer Landesfinale gewonnen hätten, würde in den kommenden Monaten, dank „local heroes“ und der Deutschen Bahn, produziert. Darüber hinaus stünde Ende des Jahres noch das Arsen Festival in Berlin an, auf das sie sich besonders freuten.

The Great Cascade (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Das Wichtigste verlieren die Vier bei so einem dichten Terminkalender aber nicht aus den Augen. „Für uns ist die Band wie eine Familie. Und wie in jeder guten Familie gibt es auch mal Konflikte und Meinungsverschiedenheiten. Um daran nicht zu zerbrechen, ist es eine wesentliche Voraussetzung, dass man sich gegenseitig respektiert, die Eigenarten akzeptiert und sich vor allem auch verzeihen kann.“ Diesen familiär-unterstützenden Gedanken wünschen sie sich übrigens auch von politischer Seite. „Es wäre schön, nicht nach der Schule oder generell als Band ‘alleingelassen‘ zu werden“, so ihr Appell. Die Förderung musikalischer Talente und junger Bands sei leider nicht immer ohne finanzielle Unterstützung, leichter zu organisierenden Proberäumen oder Ähnlichem realisierbar. „Sicherlich würde das einige Talente befeuern, ihrer Begabung nachzugehen.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen