Ab geht die Lutzi 2019: „Das ist wie heimkommen!“

Schöner hätte man den Abend nicht beenden können: Die „Lutzi“ tanzt gemeinsam mit den „Donots“ den Geburtstagstanz. (Foto: RE ON TOUR)

Der zehnte Geburtstag des „ab geht die Lutzi“-Festivals in Rottershausen war ein rauschendes Fest. Ein ganzes Wochenende lang feierten alte und neue Bekannte die Musik in all ihren Facetten.

Weit kommt die „Lutzi“ nicht, wenn sie ihr Festival besucht. Die „Gutsherrin“ ist bekannt wie ein bunter Hund. (Foto: Lukas Veth)

Ganze drei Tage lang stand Rottershausen Kopf. Zur Jubiläumsausgabe des „ab geht die Lutzi“-Festivals hatten die Organisatoren einen ganzen Festivaltag obendrauf gepackt. Zu füllen wussten sie die Extrazeit mit Bravour. Auf den Bühnen des Festivalgeländes tummelten sich so illustre Gäste wie die „Donots“, „Leoniden“, „Adam Angst“ oder die „Antilopen Gang“. Auch abseits der Hauptbühne gab es viel zu entdecken – angefangen mit einer Bierprobe auf dem Campingplatz, einer Schnitzeljagd quer über das Gelände, einem Freestyle Rap-Battle bis hin zum alljährlichen Frühschoppen mit Blasmusik war für jeden Geschmack etwas geboten.

Drei Tage Party: Zum 10. Geburtstag ließ sich die „Lutzi“ ausgiebig feiern. (Foto: Lukas Veth)

Es war der Gänsehautmoment des Festivals – Ingo Knollmann, Frontmann der „Donots“ und „Gutsherrin“ Lutzi höchstpersönlich lagen sich freudestrahlend in den Armen. Innig umschlungen tanzten die beiden zum eigens auf ein zum „Lutzi-Geburtstag“ umgedichtetes Ramones-Cover, bevor der Konfettiregen das Festivalwochenende feierlich beschloss. Das Bild, das die beiden boten, steht stellvertretend für die seit 2010 geschrieben Erfolgsgeschichte des Festivals. Seit den Anfangstagen wird generationenübergreifend an einem Strang gezogen. Das ganze Dorf packt an, um bei Tausenden Besuchern nachhaltige Erinnerungen zu schaffen.

Schon zum „Warm up“ am Donnerstagabend tanzten weit mehr als 1000 Menschen zur „Panda Party“. (Foto: RE ON TOUR)

Campen auf der „Lutzi“ – für fast 3000 Festivalbesucher gehörte dieser Spaß unbedingt dazu. (Foto: Lukas Veth)

Nette Leute treffen, neue Freunde finden

Viele der Besucher, das zeigte ein Gang über das riesige Camping-Areal, sind mittlerweile zu jährlich wiederkehrenden „Lutzi“-Jüngern geworden. Andere waren auf der Suche nach genau einem solchen kleineren Festival und haben hier eine „neue Heimat“ gefunden. Die Stimmung im Campingbereich hat es allen angetan. Leute treffen und vielleicht sogar neue Freunde finden – das hat für viele oberste Priorität. Dazu noch viel gute Musik. Was will man mehr. Viele wünschen sich, dass die „Lutzi“ genau so bleibt, wie sie ist: Klein und familiär, um so noch viele Jahre bestehen zu können. „Es ist schön, dass es hier so ein lokales Festival gibt, auf dem man immer wieder bekannte Leute trifft“, schwärmt etwa Sandro Aul von der Musikinitiative Hammelburg e.V., der sich in diesem Jahr besonders auf die „Donots“ und das „Freestyle Battle“ freute. „Die ‚Lutzi‘“, so sein Fazit, „ist auf dem richtigen Weg.“ Das sieht auch Luise so. Die 18-Jährige ist zum dritten Mal hier und ist vom Charme des Festivals mehr als angetan. „Es ist eine Mischung aus Dorffeier und einem Festival. Man kennt ganz viele Menschen – und obwohl es mittlerweile richtig groß geworden ist, ist es immer noch klein und niedlich. Man hat sich einfach lieb hier!“

Der zweite Auftritt der „Donots“ auf dem „ab geht die Lutzi“ glich einem echten „Heimspiel“. (Foto: Julius Erhard)

„Es war Liebe auf den ersten Blick!“

Und auch so manche Band stattet der „Lutzi“ immer wieder gerne einen Besuch ab. „Ich habe mich in keinem Moment hier so gefühlt als wäre ich fremd. Es ist ein bisschen so wie nach Hause kommen“, schwärmt etwa Ingo Knollmann, der mit seiner Band dieses Jahr selbst 25-jähriges Jubiläum feiert und schon 2016 mit dieser zu Gast war. Ähnlich empfinden das auch „Scallwags“. Die Band aus Schweinfurt ist dem „Lutzi“-Festival seit der ersten Stunde verbunden. Sie sind sich einig: „Es war Liebe auf den ersten Blick!“

Premiere auf der „Lutzi“: „Adam Angst“ fühlten sich auf dem kleinen Festival pudelwohl. (Foto: RE ON TOUR)

Roman und David von „Adam Angst“ zeigten sich im Interview begeistert vom Flair der „Lutzi“. (Foto: RE ON TOUR)

„Lutzi“-Neulinge wie die „Leoniden“ und „Adam Angst“ wurden ebenfalls sofort von der besonderen Atmosphäre des Festivals am Dorfrand in den Bann gezogen. Roman und David von „Adam Angst“ etwa entdeckten sofort die Vorzüge eines bis ins Detail liebevoll gestalteten Festivals und gingen ihren „Lutzi“-Nachmittag sichtlich entspannt in der Hängematte an, bevor es am Abend auf die Bühne ging. „Wenn man hier auf den Platz geht, merkt man, mit wie viel Einsatz und Engagement ehrenamtliche Helfer etwas auf die Beine gestellt haben“, loben die beiden Gitarristen Roman Hartmann und David Frings während sie vom Shisha-Wäldchen aus über das Gelände blicken. „So etwas, wie diesen Ort, in dem wir gerade sitzen, gibt es auf einem großen Festival nicht. Hier steckt verdammt viel Arbeit drin. Das merkt man als Künstler und auch die Leute, die herkommen.“ Begeistert zeigen sich Roman und David übrigens auch von der „Lutzi“ selbst, die als 70-jährige Dame das Aushängeschild des Festivals ist und stets den Kontakt mit den jungen Leuten sucht.

Ausgelassene Stimmung hinter den Kulissen: „Leoniden“-Frontmann Jakob plauderte im Interview aus dem Nähkästchen. (Foto: RE ON TOUR)

Auch Jakob Amr von den „Leoniden“ findet, dass Festivals wie das „ab geht die Lutzi“ „etwas ganz Wichtiges und Fantastisches“ sind. Ehrenamtlich gestemmte Veranstaltungen wie diese seien „Gold“. Viel hätten sie im Laufe ihres Musikerdaseins bereits gesehen. Ein sicheres Indiz dafür, dass alles richtig laufe sei ihrer Meinung nach, „wenn die Leute hinter den Kulissen nicht rennen“. „Auf der Lutzi werde sich um alles sehr gut gekümmert. Alle sind gechillt und es hat eine super Größe.“ Es sei ein Festival, das abseits großer Städte wie Hamburg, Berlin oder Köln stattfinde und eigentlich immer um Gäste kämpfen müsste. „Das wurde hier sehr gut geschafft.“ Sein Fazit: „Schaut euch um und geht mehr auf solche Festivals!“ Er selbst hat das übrigens im Laufe des „Leoniden“-Konzerts wortwörtlich genommen und sich sein Publikum mittels eines Bads in der Menge ganz genau angesehen. „Ich feiere einfach Leute, die feiern, was wir tun“, freut sich Jakob Amr über genau solche Gelegenheiten.

Immer ganz nah bei den Fans: „Leoniden“-Frontmann Jakob genoss das Bad in der Menge. (Foto: Lukas Veth)

Eskalation und hochemotionale Momente

Die Gedanken dieser Künstler stehen stellvertretend für alle Acts, die an diesem Wochenende den „Lutzi“-Geburtstag mitgefeiert haben. Jeder konnte sich hier wiederfinden – von totaler Eskalation bei den „Leoniden“, den „Donots“, „Das Ding aus dem Sumpf“ oder „Der Wahnsinn“ bis hin zu hochemotionalen Momenten während der letzten Sonnenstrahlen des Samstagabends beim niederländischen Singer-Songwriter Tim Vantol.

„Der Wahnsinn“ tobte am Samstagabend auf der Zeltbühne. (Foto: RE ON TOUR)

Tim Vantol sorgte am frühen Samstagabend für Gänsehautmomente auf dem „ab geht die Lutzi“. (Foto: RE ON TOUR)

Heidenspaß beim Freestyle-Battle

Übrigens, auch an die Hip-Hop-Fans der Region wurde mit einem besonderen Programmpunkt gedacht: Punkt 17 Uhr zog es die Musikfans am Samstagnachmittag in Scharen zur Zeltbühne. Und das aus gutem Grund. Die dritte Ausgabe des Freestyle Rap-Battles stand an. Insgesamt acht Kandidaten stellten sich der Herausforderung und versuchten in vorher ausgelosten Duellen das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Konnte sich das Publikum nicht klar entscheiden, sprang eine dreiköpfige Fachjury ein.

Die dritte Ausgabe des Freestyle-Battles war ein voller Erfolg. Juror B-Tight zeigte sich voll des Lobes. (Foto: RE ON TOUR)

Am Ende konnte sich „Crash Bundy“ im Fight gegen den bisherigen Titelverteidiger „Gusy“ durchsetzen und ihn vom Freestyle Rap-Battle-Thron stoßen. Das hielt die beiden jedoch nicht davon ab, während des anschließenden Sets von Gusy noch einmal gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

Erst im Battle, dann gemeinsam auf der Bühne: Rapper Gusy und sein Kontrahent Crash Bundy lebten vor, Musik ein Miteinander und kein Wettbewerb ist. (Foto: RE ON TOUR)

Juror B-Tight, das merkte man ihm während des gesamten Wettkampfes an, hatte sichtlich Spaß an den Darbietungen. „Da waren drei, vier dabei, die richtig gut waren“, lobt der Berliner Rapper das Teilnehmerfeld. „Der Sieg von Crash Bundy war tatsächlich verdient.“ Er als Profi habe vor allem darauf geachtet, dass die „Sprüche fetzen“. „Es muss lustig, nicht verbittert und flüssig sein.“ Sprachlich gebe es seiner Ansicht nach mittlerweile keine Grenzen mehr. Immerhin wüssten die Teilnehmer, was sie erwarte. „Es geht schließlich darum, den Anderen zu blamieren.“ Aussehen oder Style der Freestyler sei hingegen völlig nebensächlich. Dass sich die duellierenden Rapper berühren, sei allerdings ein „No Go“. Mit ein bisschen Talent, davon ist der überzeugt, könne übrigens jeder Freestyle-Rap erlernen.

Dem Auftritt von B-Tight auf der Zeltbühne hatte das Publikum lange entgegengefiebert. (Foto: RE ON TOUR)

Mit-Organisator Andreas Röder stand nach Ende des Battles die Freude ins Gesicht geschrieben. „Das war der absolute Abriss“, freute er sich über die Darbietungen und das bis auf die letzte Ecke ausgefüllte Zelt. „Seit der ersten Ausgabe steigert sich das Niveau.“ Sieger „Crash Bundy“ habe durch seinen Style und seine Messages überzeugt. Er habe seine Gegner so schlecht aussehen lassen wie es eben nur ginge. „Das war richtig cool!“ Moderator Manuel Schmitt sieht das genauso. „Crash Bundy hat krasse Punchlines gebracht. Das war vom Feinsten.“

Freestyle-Battle-Organisator Andreas Röder und der diesjährige Gewinner Crash Bundy. (Foto: RE ON TOUR)

Vom Feinsten erwies sich übrigens auch die etwas später an diesem Abend stattfindende Freestyle-Aktion von „Das Ding aus dem Sumpf“. Frei nach dem Motto „Freestyle-Battle 2.0“ forderten sie das Publikum auf, während ihres Konzerts live per Whatsapp Stichwörter für ihre Raps zu schicken. Auf einem Monitor konnte dies simultan mitverfolgt werden.

Freestyle 2.0! „Das Ding aus dem Sumpf“ banden ihr Publikum via Whatsapp ins Geschehen ein. (Foto: RE ON TOUR)

Apropos besonderer Programmpunkt, bereits am Freitag konnten die vier Finalisten des Bayernablegers des Nachwuchswettbewerbs „local heroes“ ihr Talent auf der Zeltbühne unter Beweis stellen. Am Ende konnte die Band „Betamensch“ aus Nürnberg den Contest für sich entscheiden und wird im November Bayern auf dem Bundesfinale vertreten. Vielleicht kommen sie die „Lutzi“ ja in ein paar Jahren wieder besuchen, um dann ebenfalls mit ihr auf der Hauptbühne zu feiern.

Die Premiere von „local heroes Bayern“ auf dem „ab geht die Lutzi“ war ein voller Erfolg. (Foto: Julia Wartmann)

Super Stimmung vor und hinter den Kulissen

Nach drei Tagen und Nächten auf der „Lutzi“ kann auch Veranstaltungschef Christian Stahl ein positives Fazit ziehen. „Es waren wieder knapp 5000 Gäste am Samstag auf dem Platz. Am Freitag lediglich ein paar weniger.“ Und auch der Auftakt am Donnerstag sei sehr gut besucht gewesen. Zwischen 2000 und 3000 Camper hätten das Areal bevölkert. „Aus unserer Sicht lief es sehr gut. Bis auf kleinere Pannen war alles bestens. Viel Stress, aber super Stimmung vor und hinter den Kulissen“, zieht er Bilanz. „Es war die bisher größte und sicherlich schönste ‚Lutzi.‘ Alle Bands waren super gelaunt und nett.“ Ein Highlight für sein Team war das „unglaublich nette Wiedersehen“ mit den „Donots“. „Das machte den Samstag für die Crew zu einem ganz besonderen ‚Lutzi‘-Tag.“ Es habe sich angefühlt, als gehöre diese Band tatsächlich zum Team dazu.

Kaum zu glauben, was aus der „Lutzi“ geworden ist. Aus anfangs einem Tag und acht Bands ist mittlerweile ein Festival geworden, das in der Region wohl einzigartig ist. (Foto: RE ON TOUR)

Mittlerweile seien auch sehr viele Standbetreiber wie Viva con Aqua, Goldeimer und „Kein Bock auf Nazis“ Teil der „Lutzi“, die sich für drei bis vier Tage ins Team integrierten. „Teils treffe man hier auf alte Bekannte, aber auch viele nette neue Gesichter. „Es ist immer wieder super, mit den Jungs und Mädels hier das Wochenende zu rocken.“

„Angiz“ machten dem „Lutzi“-Publikum nicht nur sprichwörtlich Dampf. (Foto: RE ON TOUR)

Perfekte Festivaltage, Zahlen spielen keine Rolle

Neue Angebote, wie etwa die Schnitzeljagd, seien wunderbar angenommen worden. Gut 500 Menschen hätten sich auf den Weg durch Wald und Wiesen rund um das Festival gemacht. „Besonders stolz sind wir auf unsere Gäste auf dem Campinggelände, die uns hier einen unglaublich sauberen Campingplatz hinterlassen haben. Danke, Danke, Danke!“

Auch Fatoni ist ein „Lutzi“-Wiederholungstäter. Bei seinem Auftritt platzte das Zelt aus allen Nähten. (Foto: RE ON TOUR)

Zahlen, so resümiert er am Sonntagnachmittag, seien eigentlich auch gar nicht so wichtig. Diese hätte das Team über die drei Tage komplett ausgeblendet. „Wenn man über das Gelände gelaufen ist, war es vom Gefühl her genau so, wie wir uns den perfekten ‚Lutzi‘-Festivaltag vorstellen!“

Text: Lisa Fuchs, Nicole Oppelt


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acht × = vierundsechzig