„local heroes“-Bundesfinale 2019: „Feathers and Greed“ überzeugen mit Liebe zum Detail

Percussions, Gitarren, Cello und mehrstimmiger Gesang: „Feathers and Greed“ lieferten eine der außergewöhnlichsten Shows in der „local heroes“-Geschichte. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch die Landesfinalisten aus Niedersachsen „Feathers and Greed“. Die sechs jungen Leute aus Hannover, die mit Startnummer neun ins Rennen gingen, begeisterten Jury und Publikum: Die Jury ehrte die Band mit Platz zwei, das Publikum überließ ihnen die Bronzemedaille des Abends, den dritten Platz.

Voller Erfolg in Salzwedel: Die Jury wählte „Feathers and Greed” auf den zweiten Platz im Gesamtklassement. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Local heroes haben wir mit Spaß, langem Warten und kurzen Um-/Auf- und Soundcheckzeiten erlebt“, schmunzeln Marek, Jacob, René, Luca, Matthias und Lukas. Das Sextett aus Hannover gewann den Sixpack-Bandcontest 2018 und schaffte es so über das Landesfinale Niedersachsen bis ins „local heroes“-Bundesfinale 2019. Die Erwartungen an Deutschlands traditionsreichsten Newcomer-Contest sind groß. „Die Teilnahme am Contest hilft uns hoffentlich etwas Aufmerksamkeit für unsere erste Platte zu bekommen und vielleicht springen auch einige Leute auf unseren Zug auf“, erzählten sie vor ihrem Gang auf die große Bühne im Kulturhaus von Salzwedel.

Und „Feathers and Greed“ nutzten die Gelegenheit. Im Vorfeld ihres Auftritts wurde intensiv geprobt und Fans „zusammengetrommelt“. Mit Erfolg: Nicht nur die Hannoveraner Fangemeinde, die die Band nach Salzwedel begleitete, war sichtlich angetan von der außergewöhnlichen Performance des Sextetts. Mit mysteriöser Gesichtsbemalung und einer so bei local heroes noch nie dagewesenen Instrumentalbesetzung hatten die Musiker das Publikum von der ersten Sekunde an fest im Griff.

Ungewöhnlich und weit vom Mainstream entfernten Akustik-Rock präsentierten „Feathers and Greed“ im Kulturhaus von Salzwedel. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Tendenz zu Misanthropie und Wahnsinn“

„Anstelle eines Drumsets gibt es bei uns Percussion in Form von Djembé, Darbuka, Becken und Shaker. Neben einer Western-Gitarre gibt es auch ein Cello und drei von uns singen“, erklären sie ihre ungewöhnliche Aufstellung. „Alleinstellungsmerkmal ist dann wohl die E-Gitarre“, so „Feathers and Greed“ schmunzelnd über ihren musikalischen Stil, den sie selbst als „Artrock“ bezeichnen. „Der Inhalt unserer Musik hat eine Tendenz zu Misanthropie und Wahnsinn. Ansonsten gibt es auch immer individuellen Interpretationsspielraum, es ist nichts eindeutig in Stein gemeißelt.“ Doch es gibt auch Aspekte, über die verhandeln die sechs jungen Leute nicht: „Bei unserer Musik ist uns vor allem wichtig: Liebe zum Detail, Groove, Dynamik, Spannung, Authentizität und Gemeinschaft in der Band.“ Entsprechend setzen sie auch an sich selbst anspruchsvolle Kriterien wie Originalität, Musikalität, Zusammenspiel, Groove und Inhalt an. Und die kamen auch bei ihrer Bundesfinal-Show gut an: Stimmungsvoll und psychedelisch wirkte ihr mehrstimmiger Gesang, getragen von wehmütigen Celloklängen, rhythmischen Gitarren und Percussions. Die Band verlor nicht viele Worte zwischen den Songs, sondern überzeugte allein mit ihrer Musik – und die Zuschauer*innen im Kulturhaus Salzwedel dankten es den sechs Musikern mit tosendem Applaus.

Interview bei Howie Yagaloo. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Feathers and Greed“ setzen auf den Glücksfaktor

Dabei hatten „Feathers and Greed“ einst klein angefangen: Zu zweit begannen die beiden Cousins Luca und Marek einst Musik zu machen. Doch Gitarre und Gesang schien einfach nicht genug zu sein. „Eine Band mit mehreren Instrumenten war immer der Plan. Nun sind wir schon sechs Leute“, blicken sie zurück. Ob da noch „Luft nach oben“ ist? Vielleicht. Im Augenblick scheinen die Musiker jedenfalls zufrieden. „Erfolgreiche Bandprojekte haben heutzutage entweder ein großes Label, einen großen Förderer im Rücken oder Risikobereitschaft und auch Glück. Große Marken und Labels interessieren uns nicht sonderlich, deshalb setzen wir bislang eher auf den Glücksfaktor“, beschreiben sie ihre momentanen Bestrebungen. Und für diesen Weg haben sie sich wohl ganz bewusst entschieden. „Firmen der Musikbranche suchen häufig nicht die Kunst, sondern das Geld. Für erfolgreiche Musik gibt es Formeln, die angewendet werden. Politik und Wirtschaft tragen an dieser Stelle sicher nicht wenig dazu bei“, kritisieren sie die ihrer Meinung nach existierenden momentanen Hürden für den musikalischen Nachwuchs in Deutschland.

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Sie nehmen die Sache daher lieber selbst in die Hand. „Die nahe Zukunft besteht bei uns daraus, unsere Platte rauszubringen und zu vertreiben, Konzerte zu spielen, ein Live-Video aufzunehmen und uns um neues Songmaterial kümmern.“ Ihre Gewinne als Preisträger von „local heroes“ dürften ihnen da definitiv gelegen kommen: Für den zweiten Preis in der Jurywertung erhält die Band einen Gutschein für einen Albumrelease, gestiftet von recordJet. Ihr dritter Platz im Publikumsvotum wurde mit einem 200-Euro-Gutschein von Thomann belohnt.

„Local heroes“-Geschäftsführerin Julia Wartmann freut sich ganz besonders über das gute Abschneiden von „Feathers and Greed“: „Über viele Jahre gewann Niedersachsen den Publikumspreis, aber für die Jury hat es aus verschiedenen Gründen nie gereicht. In diesem Jahr sind sie unter die Top 3 gekommen. Nicht nur für die Band, sondern auch für die Veranstalter*innen in Niedersachsen freue ich mich sehr. Sie haben eine ganz phänomenale und außergewöhnliche Band ins Rennen geschickt.“ Nicht nur in Hannover dürfte man von dieser Band wohl noch Hören.

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen


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