Archiv der Kategorie 'Allgemein'

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „Kesh“ reißen in Salzwedel alles ab!

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Die brandenburgische Band „Kesh“ gehörte zu den großen Abräumern des Abends und wurde mit dem 2. Platz (Jury-Wertung) und dem 3. Platz beim Publikumsvoting belohnt. Jasmin Graff, die Background-Sängerin der Band, wurde als beste Sängerin des Newcomer-Contests geehrt.

Über die Gunst des Publikums freute sich „Kesh“ ganz besonders, wie sie kurz nach der Siegerehrung gestanden. Sie selbst waren mit lediglich vier Fans angereist. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Ich habe mit Rapmusik angefangen, da war ich 14 Jahre alt. Vorher habe ich mich in Sportarten wie Fußball oder Basketball probiert, habe Theater gespielt und stand für kurze Zeit auf dem Board im Skatepark. Für all die Sachen hatte ich längerfristig keine Motivation. Bis eines Tages einige in unserer Stadt anfingen zu rappen. Das hat mich so gepackt, dass ich selbst anfing, Texte zu schreiben und nie mehr aufgehört habe“, erinnert sich Max Meißner an seine Anfänge. „Irgendwann brauchte ich einen coolen Rap-Namen und fragte meinen Dad, ob er einen Namen wüsste. Er meinte nur, ich solle mich ‘MC Pleite‘ nennen, da ich ja eh nie Geld hatte. Ich drehte den Spieß um und machte daraus Cash, schob dann noch die Buchstaben Kreuz und Quer und so entstand der Name ‘KESH‘“.

„Ohne meine Band wäre ich nicht ‘Kesh‘“, sagt Max Meißner aus voller Überzeugung. „Such‘ dir keine Männer, die dir ein Schiff bauen, such‘ dir Männer, die Sehnsucht nach dem Meer haben!“ (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Seit vier Jahren ist der 26-Jährige nun mit einer beachtlichen, zwölfköpfigen Band unterwegs. Beim „local heroes“-Bundesfinale waren sie als Vertreter ihres Heimatbundeslandes Brandenburg im Kulturhaus von Salzwedel zu erleben und räumten ganze drei Preise ab.

Kesh live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Kesh“, so beschreibt es Max, sei eine stilistische Mischung aus seinen beiden Vorbildern „Casper“ und „Bruno Mars“. „Ich liebe es, mit meinen Tänzern auf Funk Beats abzuzappeln und parallel dazu möchte ich die starken Gitarrensolos und druckvollen Instrumentals meiner Band nicht missen.“ Für ihn ist klar: „Es gibt keine ‘Universal-Bibel‘ in der steht, dass man sich nur auf ein Genre konzentrieren muss. Also, warum dann nicht auch mischen.“ Und diese Mischung, die da mit der Startnummer 10 nach vorne preschte, konnte sich absolut sehen und hören lassen.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Wir reißen alles ab“, heißt es nicht nur in einem der Songs der Band. Die mit Instrumentalist*innen, Sänger*innen, Tänzern und Front-Rapper „Kesh“ gut gefüllte Bühne bot ein beeindruckendes Schauspiel, und das Publikum feierte leidenschaftlich zu den eingängigen Songs in deutscher Sprache. „Kesh“ schaffte es dabei, auch zwischen seinen Liedern eine besondere Bindung zu den Besuchern im Kulturhaus Salzwedel aufzubauen. Und nicht nur die Zuschauer würdigten dies: „Kesh“ gehörten zu den Gewinnern des Abends, erreichten den dritten Platz im Publikumsvotum sowie den zweiten Preis in der Jury-Wertung. Über eine ganz besondere Auszeichnung darf sich außerdem Background-Sängerin Jasmin Graff freuen: Sie wurde von den Juroren zur „besten Sängerin“ des Abends ernannt.

Was verbirgt sich hinter der Band „Kesh“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Die Motivation für „Kesh“, bei „local heroes“ teilzunehmen, lag für den jungen Mann auf der Hand. „Vielleicht liegt das im Rapper-Gen, sich immer mit anderen messen zu wollen.“ „local heroes“ sei für ihn, aber auch für Teile seiner Band, der neunte und auch letzte Contest. „Meine Jungs und ich sind halt Live-Junkies. Gerade unsere Live-Präsenz zeichnet uns aus.“ „local leroes“ als letzte Station sei jedoch etwas ganz Besonderes für sie: „Im Gegensatz zu allen anderen Wettbewerben, sehen sich die Bands hier nicht als Konkurrenz, sondern haben alle Bock, gemeinsam geile Abende zu erleben. Die meisten Band-Freundschaften haben wir durch ‘local heroes‘.“

Kesh (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Nach Auffassung von Max seien solche Förderungen wie „Initiative Musik“ oder „Music Board Berlin“ eine gute Sache, nur sollten solche Förderungen deutschlandweit mehr ausgebaut werden. Kleinstädte und Kommunen sollten die Möglichkeit bekommen, ihre regionalen Künstler mehr zu fördern. Gerade in Brandenburg sei das sehr schwierig. Doch auch die Nachwuchsmusiker selbst müssen es wollen: „Musikalisch gesehen musst du einfach auf das Bock haben, was du machst. Und es sollte niemals die Hauptmotivation sein, Labels zu gefallen oder das Gleiche wie alle anderen zu machen, nur weil es gerade ein Trend ist. Bei uns heißt es immer: Wenn die Mugge geil ist, ist die Mugge geil!“ Seiner Meinung nach sei es am sinnvollsten, soviel wie möglich selbst zu machen und immer am Ball zu bleiben. „Mit einem starken Admin-Team kann man alles schaffen.“ Karrieren, wie die der einstigen „local heroes“-Band „Madsen“, spornen ihn an. „Es zeigt, dass nichts unmöglich ist und das alles klappen kann, wenn man ein wenig Glück und sehr viel Durchhaltevermögen hat. Und am meisten spornt es an, es den Leuten zu beweisen, die einen immer belächelt haben.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „The Great Cascade“ glänzen mit wohltuender Leichtigkeit

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Für Thüringen war, dank eines Kooperationsprojektes mit der Deutschen Bahn und dem Einkaufsbahnhof Erfurt, erstmalig nach circa zehnjähriger Pause wieder ein Act ins Rennen gegangen: Die Geraer Band „The Great Cascade“ begeisterte Jury und Publikum.

The Great Cascade live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Dieses Fazit kann sich hören lassen: „Wir sind sehr begeistert von der Herzlichkeit und dem familiären Umgang. Außerdem gefällt uns die Professionalität, mit der dieser Wettbewerb organisiert wird. ‚local heroes‘ stellt für uns eine gute Plattform dar, um uns mit anderen Bands zu vernetzen und hat uns bereits viel Aufmerksamkeit generiert.“ So viel Lob kommt aus dem „local heroes“-Neuzugangsland Thüringen. Das Bundesland schickte die 2016 in Gera gegründete Band „The Great Cascade“ ins Rennen. Und die zeigte sich von Anfang an begeistert. „Thüringen hat eine kleine, aber feine Musikszene. Durch Wettbewerbe wie local heroes ist es für uns Thüringer einfacher, mal über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich mit Musikern aus ganz Deutschland auszutauschen. Das ist immer eine Bereicherung. Wir haben jetzt schon sehr von local heroes profitiert.“

„Für uns ist es das Schönste, wenn nach Konzerten die Menschen zu uns kommen und sagen, dass sie unsere Musik bewegt hat“, sagen „The Great Cascade“. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Überzeugt hatten die jungen Musiker die Jury in Thüringen mit „handgemachtem Folk-Pop mit Einflüssen aus Alternative Rock, Progressive und allem, was uns sonst so vor die Ohren kommt und uns gefällt.“ Inspirationsquellen seien natürlich auch größere Bands wie Mumford & Sons, Mighty Oaks oder Riverside, beschreiben Lukas, Jonathan, Florian und Benjamin ihren musikalischen Stil, von dem sich das Publikum in Salzwedel nun bei ihrem Auftritt mit der Startnummer vier überzeugen konnte.

„Neben zahlreichen Instrumenten, mit denen wir gern experimentieren, wie zum Beispiel Melodica, Charango und Mandoline, ist Satzgesang ein festes Element unserer Songs“, erklären sie ihre Besonderheiten. „Uns ist es wichtig, dass unsere Lieder vielseitig sind und nicht ein Song wie der andere klingt. Deshalb machen wir uns auch nichts aus Genre-Grenzen“. Die Herausforderung bestehe dabei natürlich, trotzdem verbindende Elemente einzubauen, die den eigenen Sound ausmachten und die Band unverwechselbar mache.

Was verbirgt sich hinter der Band „The Great Cascade“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für „The Great Cascade“, die ihr Probenpensum in den vergangenen Wochen deutlich erhöht hatten, ging diese Idee im Bundesfinale vollends auf. Salzwedel bescherte der Band einen großartigen, Applaus-schwangeren Empfang. Und dieser schien das Quartett von Sekunde eins an zu motivieren. Die vier Musiker glänzten in den für sie besonders wichtigen Aspekten „Songwriting und Arrangements, Bühnenpräsenz, Professionalität und Originalität“. Anspruchsvolle, abwechslungsreiche Parts, sowohl stimmlich als auch instrumental, wurden in wohltuende Leichtigkeit gehüllt. „The Great Cascade“ präsentierten sich selbst bei ihren eher leisen Passagen voller Souveränität, schafften es aber auch, die Menge zum Mitmachen zu animieren.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Und wie geht es für sie nach dem Bundesfinale weiter? „Das Bandleben hält ständig neue Herausforderungen bereit“, sind die Vier überzeugt. Eine besondere Aufgabe sei aber sicherlich immer die Produktion einer CD, zumal ihre erste EP „Shelter“ für sie die erste Studioerfahrung überhaupt darstellte. Jetzt gehe es damit in die zweite Runde und damit in die Produktion einer zweiten EP. „Wir sind schon mächtig gespannt.“

Doch dem nicht genug. So stehe ein Musikvideo „kurz vor der Vollendung“ und ein weiteres, das sie beim Thüringer Landesfinale gewonnen hätten, würde in den kommenden Monaten, dank „local heroes“ und der Deutschen Bahn, produziert. Darüber hinaus stünde Ende des Jahres noch das Arsen Festival in Berlin an, auf das sie sich besonders freuten.

The Great Cascade (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Das Wichtigste verlieren die Vier bei so einem dichten Terminkalender aber nicht aus den Augen. „Für uns ist die Band wie eine Familie. Und wie in jeder guten Familie gibt es auch mal Konflikte und Meinungsverschiedenheiten. Um daran nicht zu zerbrechen, ist es eine wesentliche Voraussetzung, dass man sich gegenseitig respektiert, die Eigenarten akzeptiert und sich vor allem auch verzeihen kann.“ Diesen familiär-unterstützenden Gedanken wünschen sie sich übrigens auch von politischer Seite. „Es wäre schön, nicht nach der Schule oder generell als Band ‘alleingelassen‘ zu werden“, so ihr Appell. Die Förderung musikalischer Talente und junger Bands sei leider nicht immer ohne finanzielle Unterstützung, leichter zu organisierenden Proberäumen oder Ähnlichem realisierbar. „Sicherlich würde das einige Talente befeuern, ihrer Begabung nachzugehen.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „Ivory Stone“ bringt echte Gefühle auf die Bühne

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Für Rheinland-Pfalz war die Sängerin, Songwriterin und Produzentin „Ivory Stone“ ins Rennen gegangen und begeisterte Jury und Publikum.

„Bei allem steht das Gefühl ganz vorne, egal ob lautere oder leisere Töne, es muss mich immer emotional packen“, sagt „Ivory Stone“. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„local heroes“-Geschäftsführerin Julia Wartmann hatte sich Singer-Songwriter im diesjährigen Wettbewerb gewünscht – und „Ivory Stone“ aus Mainz war zur Stelle. Die 26jährige, die eigentlich Tabea Steinhauer heißt, hatte im „local heroes“-Bundesfinale 2018 eine echte Sonderstellung. Zum einen ist sie als einziger Act des Abends „auf Solopfaden unterwegs“. Zum anderen war sie eine der ganz wenigen Frauen an diesem Abend.

Ivory Stone live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für die Musikerin keine neue Erfahrung. „Leider ist das eine Position, in der ich mich häufiger sehe und mit der ich mich dementsprechend schon etwas auskenne“, verrät sie bereits vor dem Start des Wettbewerbs im Kulturhaus von Salzwedel. „Ich habe selbst lange in Bands gespielt und hatte dabei auch immer sehr viel Spaß.“ Es mache für sie allerdings keinen großen Unterschied, als Solokünstlerin oder als Teil einer Band anzutreten. Letztlich müsse man seine eigene Musik so gut wie möglich auf die Bühne bringen, ist sie überzeugt. Im Verlauf des „local heroes“-Wettbewerbs sei es jedenfalls kein Nachteil gewesen, dass sie allein auftrete. „Als einzige oder eine von wenigen Frauen dabei zu sein, ist leider auch nichts Neues. Es gibt definitiv nicht genug weibliche Künstler, deren Arbeit ausreichende Aufmerksamkeit erhält. Das betrifft nicht nur die Musikindustrie.“ Sie selbst wolle sich davon nicht einschränken lassen, aber sie freue sich auch auf Zeiten, in denen das nicht mehr so sein werde. „Je schneller wir dahin kommen, desto besser. Und bis dahin – Augen zu und durch.“

Was verbirgt sich hinter „Ivory Stone“? Moderator Howie Yagaloo stand sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Bereits im vergangenen März war Ivory Stone auf den lokalen „local heroes“-Ableger „Rockbuster“ in Rheinland-Pfalz aufmerksam geworden und hatte sich dort beworben. „Ich hätte aber nie gedacht, dass ich letztlich tatsächlich mal im Bundesfinale lande. Die drei Konzerte, die ich im bisherigen Verlauf meiner Teilnahme spielen durfte, gehören für mich zu den Highlights dieses Jahres“, so „Ivory Stone“. Was sie am 10. November in Salzwedel mit der Startnummer 13 ablieferte, dürfte dem Publikum in Erinnerung bleiben: Denn die Sängerin, Produzentin und Pianistin brachte echte Gefühle auf die Bühne. Ihre ehrlichen, atmosphärischen Songs stellten ihr musikalisches Talent perfekt zur Schau und brachten eine völlig neue Nuance in das „local heroes“-Bundesfinale. So mancher im Zuschauerraum wird sich gefragt haben: Wer ist diese junge Frau, die Musik schon immer als Teil ihres Lebens beschreibt? Im zarten Alter von etwa sieben Jahren begann sie, Klavier zu spielen, und das ganz klassisch. „Irgendwann wuchs dann aber der Wunsch, modernere Töne anzuschlagen. Ich fing an zu singen und eigene Songs zu schreiben“, erinnert sie sich zurück. „Mit meinen eigenen Songs live aufzutreten habe ich mich vor circa sechs Jahren das erste Mal getraut.“ Stilistisch bewegt sie sich heute „zwischen Birdy und Florence + the Machine“, die sie beide sehr gerne möge. „Meine eigene Musik in Genre-Begriffe zu fassen fällt mir tatsächlich schwer. Es ist hauptsächlich Singer Songwriter mit Indie und Synth-Pop-Einflüssen, manchmal ein bisschen sophisticated, aber immer Pop“, versucht sie eine nähere Beschreibung.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Was sie aber ganz genau weiß: „Mir ist die Liebe zur Musik und zum Detail sehr wichtig. Dazu gehören vor allem stimmige Texte und Melodien, die einen mitnehmen, einlullen und entführen.“
Für den längerfristigen Erfolg eines Musikprojektes sieht die Künstlerin klare Faktoren: „Ich glaube, neben den musikalischen Anforderungen an sein eigenes Instrument (die Stimme), ist ein langer Atem sehr wichtig. Ich glaube, dass die unterschiedlichsten Musikstile und Acts ihr Publikum finden können. Nur dort hin zukommen erfordert viel Zeit und Kraft. Für mich bedeutet das, neben der tatsächlichen Arbeit am Projekt, an der Musik und an den Business-Fragen drumherum, einen Ausgleich zu haben. Ich jogge und mache Yoga zur Entspannung, das hält mir den Kopf frei, um mich bei der Arbeit auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Aber in erster Linie: die Liebe zur Musik. Die muss man aktiv pflegen und bewahren, damit sie im Stress des Musikeralltags nicht untergeht.“

Ivory Stone unplugged auf der Foyerbühne. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Dass das nicht immer einfach ist, dessen ist sich die junge Frau wohl bewusst. „Der eigene Schweinehund kooperiert gerne mit den Selbstzweifeln, um auch das letzte bisschen Motivation aus den Knochen zu saugen.“ Wenn man aber erstmal so richtig in Schwung sei, falle es auch wieder leichter. „Immer schön dran bleiben – steter Tropfen höhlt den Stein.“

Das heißt es jetzt übrigens auch für Ivory Stone. Derzeit arbeitet sie an der nächsten EP und ist fleißig am Songs schreiben und produzieren. Diese möchte sie nächstes Jahr veröffentlichen, mehr Konzerte spielen und mehr tolle Erfahrungen mit Publikum und Fans sammeln – egal ob live oder online.

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „Noriega Mind“ erobern Salzwedel mit größtmöglicher Leidenschaft

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Für Hessen war die Band „Noriega Mind“ ins Rennen gegangen und begeisterte Jury und Publikum.

Noriega Mind live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Kleine Zeitreise gefällig? Gut! Man rufe sich also den Sound von Rock-Giganten wie Led Zeppelin, The Doors oder ACDC ins Gedächtnis und schwelge in Erinnerungen an längst vergangene Tage. Um am Ende aber doch wieder in der Gegenwart zu landen, empfiehlt es sich, diesem Klang ein paar moderne Aspekte hinzuzufügen, vielleicht sogar südamerikanische Elemente – und schon landet man bei „Noriega Mind“ aus Kassel, die seit Mitte 2016 gemeinsam Musik machen. Classic Rock ist ihre Passion, die sie Anfang 2018 bereits auf ihrem Debütalbum verewigen konnten. Doch das ist nur die eine Seite von Julio, Daniel, Ulf und Marlon. „Extrem viel Wert legen wir auf unsere Live-Performances, da das der Moment ist, indem man der Welt zweifelsohne am besten zeigen kann wer man ist.“ Beim „local heroes“-Bundesfinale in Salzwedel war ihr Moment mit der Startnummer 14 gekommen. Somit enterten sie als letzte Wertungsband die Bühne von Deutschlands größtem unkommerziellen Newcomer-Contest.

Bringen den Sound der Rocklegenden auf die „local heroes“-Bühne: Noriega Mind aus Hessen. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Dabei wurden sie dem ihnen vorauseilenden Ruf mehr als gerecht, nahmen das sehr gut gefüllte Kulturhaus mit in die 1970er Jahre und transportierten ihre Songs impulsiv und mit größtmöglicher Leidenschaft. Sänger Julio, der sich mit einer beeindruckenden stimmlichen Range empfahl, passte nicht nur gut nach Salzwedel. Seine Erscheinung hätte gut und gerne auch viele Jahrzehnte früher Bestand gehabt. Ein Umstand, der kurz vor dem Auftritt von „Madsen“ Jung und auch Etwas Älter vor der großen Bühne zu vereinen wusste.

Noriega Mind (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Zu „local heroes“ waren sie übrigens gekommen, da Gitarrist Daniel im Jahr 2017 schon einmal mit seiner Band „Anchester“ teilgenommen und „im Großen und Ganzen nur Gutes“ zu berichten hatte. „Bei vielen Band-Contests heutzutage stehen nicht mehr die Bands, geschweige denn die Musik im Vordergrund. Bei ‚local heroes‘ ist das eindeutig nicht der Fall!“, so ihr Fazit noch bevor sie die große Bühne im Kulturhaus von Salzwedel betraten. Locker wollten sie es vor dem alles entscheidenden Auftritt dennoch angehen lassen. „Auch wenn ‚local heroes‘ natürlich etwas ganz Besonderes ist, werden wir uns genauso gut auf den Tag vorbereiten wie auf jedes andere Konzert. Uns ist es wichtig, uns so wenig wie möglich zu verstellen. Das heißt: So viel proben, wie es geht, und dann einfach wir selbst sein“, lautet die Essenz ihrer bisherigen Erfolgsgeschichte.

Was verbirgt sich hinter der Band „Noriega Mind“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Und diese dürfte sich gerne fortschreiben, so ihr einhelliger Wunsch: „Da wir in diesem Jahr erstmalig die Luft einiger größerer Bühnen, wie die des Open Flair Festivals oder Hessentags, schnuppern durften, hoffen wir, dass wir in Zukunft öfter bzw. regelmäßiger mit einem größerem Publikum unsere Musik und Energie teilen dürfen.“ Sie selbst werden ihren Teil definitiv dazu beitragen. Denn, damit ein Musik-Projekt oder eine Band auf Dauer bestehen könne, brauche es vollstes Vertrauen und Verständnis unter den Musikern als auch Professionalität und Fokus in Bezug auf das Gesamtbild, sind sie überzeugt.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Ansporn gebe ihnen nicht zuletzt die einstige „local heroes“-Band „Madsen“, die das Bundesfinale 2018 als Special Guest krönte. „Selbstverständlich spornt es einen an, zu wissen, dass großartige Bands wie Madsen mehr oder weniger auf derselben Bühne gestartet haben“, sagen Julio, Daniel, Ulf und Marlon. Denn auch sie wissen: „Definitiv ist es oft nicht leicht, die Musik für die man lebt, mit seinem Beruf unter einen Hut zu bringen. Allerdings glauben wir persönlich, dass kein Beruf, kein Studium oder Familie einen von der Musik abhalten kann, so lange man es mit vollem Herz und Leidenschaft angeht.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

„local heroes“-Bundesfinale 2018: „Reiche Söhne“ sind Abräumer des Abends!

Am 10. November brachten insgesamt 14 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Die Hallenser Band „Reiche Söhne“, die für Sachsen-Anhalt ins Rennen ging, gehörte zu den großen Abräumern des Abends und wurde vom Publikum mit dem 2. Platz sowie dem Zweitstimmensieg und von der Jury mit dem 3. Platz belohnt.

Reiche Söhne (Foto: Malte Schmidt / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Diese Drei machen richtig Spaß. Das bekam das „local heroes“-Team nicht erst mit, als Jonas, Marius und Stijn aka „Reiche Söhne“ aus Halle mit der Startnummer neun die Bühne des „local heroes“-Bundesfinales 2018 betraten und es letztlich auf den dritten Platz schafften. Das Publikum überzeugte das humoristische Trio so sehr, dass sie es mit dem zweiten Platz im Zuschauer-Voting sowie mit dem Zweitstimmensieg belohnten.

„Reiche Söhne“ überzeugten beim Bundesfinale der „local heroes“ mit Humor und hymnischen Melodien. Dafür wurde die Band aus Sachsen-Anhalt gleich mit mehreren Preisen ausgezeichnet. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Schon im Vorfeld sorgte die Band aus Sachsen-Anhalt für jede Menge Schmunzeln. Kleine Kostprobe gefällig? Danach gefragt, seit wann und warum sie miteinander Musik machen, antworten sie: „Die Band ‚Reiche Söhne‘ gibt es seit Oktober 2017. Beim wöchentlichen Golfspiel ist uns die Idee gekommen, eine Band gründen. Der Name für die Band fiel uns beim Blick in unsere Portmonees ein. Außerdem sind wir alle Drei von Beruf Sohn.“ Um längerfristig bestehen zu können, sei ihnen obendrein vor allem eines wichtig, nämlich, „dass die Gage immer gerecht durch drei geteilt wird“. Mit Blick auf ihren großen Auftritt in Salzwedel hofften sie zudem, „dass die Jury uns unseren Hüftschwung hoch anrechnet“. Denn: „Wir machen Musik für reiche Söhne und reiche Töchter. Jeder, der auf unsere Konzerte kommt, soll vor allem eines haben: Spaß. Ironische Texte und tanzbarer Beat – das zieht sich durch unser Konzert.“ So weit, so gut. Funktioniert hat ihr Gute-Laune-Modell auf der Bühne des Salzwedeler Kulturhauses auf jeden Fall.

„Reiche Söhne“ sind Musiker mit Leib und Seele: „Bei uns ist es mittlerweile auch mehr so, dass wir in unserem Proberaumanwesen abhängen, als dass wir in die Uni gehen.“ (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Denn sobald die Zwillinge Jonas und Marius in perfekt aufeinander abgestimmtem Outfit gemeinsam mit ihrem Drummer Stijn die Bühne stürmten, war das Publikum auf Eskalation gepolt. Das Trio besang dicke Hipster, das Leben als reicher Sohn zwischen Kaffee- und Kuchen-Gedeck und die ominöse Frieda. Nicht nur ihre extra aus Halle (Saale) angereisten Fans begeisterte dies: Bei der 20-minütigen Show konnte absolut niemand still stehen bleiben.

So viel Energie kommt sicher nicht von Ungefähr. „Seit der Gründung unserer Band geht es für uns ziemlich euphorisch zu – eigentlich passiert auf jedem Konzert irgendetwas Schönes“, verrieten sie schon vor dem Final-Auftritt. „An was wir uns sicherlich immer wieder gerne erinnern werden, ist der Moment, in dem wir erfahren haben, dass wir im Sachsen-Anhalt-Finale der ‚local heroes‘ gewonnen haben und gemeinsam mit unseren Idolen von ‚Madsen‘ auf der Bühne stehen werden.“

Reiche Söhne live im Kulturhaus Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Karrieren wie die der einstigen „local heroes“-Band „Madsen“ spornen die drei Musiker übrigens extrem an. „Wir kennen Madsen mindestens seit dem MTV Bandtrip mit Itchy (Poopzkid) und haben sie seitdem oft live gesehen. Auch Bands wie Schmutzki oder Heisskalt haben ja schon bei ‚local heroes‘ mitgemacht – Bands, mit denen wir gern auch mal im Backstage einen Chardonnay trinken würden“, gestehen sie augenzwinkernd.

Auf einem guten Weg ist das Trio auf jeden Fall. Sie wissen, wer sie sind und was sie möchten. „Unsere Musik ist keine Nischenmusik, das wissen wir. Wir scheuen uns nicht vor dem Mainstream“, erklären sie ihr Konzept. „Unsere Musik soll unterhalten und ins Ohr gehen. Allerdings stehen wir auf Handgemachtes. Gitarre, Bass, Schlagzeug und vielleicht mal ein kleines bisschen Synthi – das reicht uns. Wichtig ist uns, dass sich unsere Attitüde ‘Reiche Söhne‘ in jedem Song bemerkbar macht.“

Was verbirgt sich hinter der Band „Reiche Söhne“? Moderator Howie Yagaloo standen sie im Foyer des Kulturhauses Rede und Antwort. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Das Potential, das „local heroes“ für sie bietet, haben sie übrigens zunächst unterschätzt, wie sie selbst gestehen. Als sie sich im vergangenen Jahr gegründet hatten, sei noch nicht klar gewesen, dass sie 2018 verhältnismäßig viele Konzerte spielen würden, weshalb sie die Teilnahme am Wettbewerb auch erst einmal als eine weitere „gute Auftrittsmöglichkeit“ verbuchten. „Ans Weiterkommen haben wir damals nicht gedacht. Nachdem wir allerdings die Jury beim Landesvorentscheid für Sachsen-Anhalt überzeugen konnten, schien das Bundesfinale doch greifbar“, erinnern sie sich nicht nur an das Lob der Jury, sondern auch an eine „unglaublich“ starke Konkurrenz, sowohl im Vorentscheid als auch im Landesfinale. Mittlerweile sind sie vollends von „local heroes“ überzeugt und sagen, dass sie „jeder Nachwuchsband empfehlen können, bei local heroes mitzumachen“.

Die „local heroes“-Finalisten 2018 konnten sich auf der unplugged-Bühne von einer völlig anderen Seite präsentieren. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Zum einen seien die Locations, in ihrem Fall das „Objekt 5“ und der „Moritzhof“ in Magdeburg, „unglaublich schön“ und man spiele „vor vielen Leuten aus der Umgebung, die einen noch nicht gehört haben“. Außerdem merke man, dass es den Wettbewerb schon eine Weile gebe. „Alles ist sehr gut durchgeplant und professionell“. Das hätten sie bei anderen Wettbewerben auch schon anders erlebt. Ihnen jedenfalls habe es auch auf der Bühne immer viel Spaß gemacht, weil auch die Technik-Crew unglaublich gut arbeite und der Sound spitze sei.

Für die Zukunft wünscht sich die Band gleich mehrere Dinge. Zum einen wäre es toll, wenn sich die Probenraumsituation für Nachwuchsmusiker unter anderem bei ihnen Zuhause in Halle verbessern würde. Zum anderen stehen bei ihnen nun gleich mehrere – hoffentlich erfolgreiche – Projekte an, wie zum Beispiel „Videodrehs, Booking und Pläne für die nächste EP schmieden und vieles mehr“.

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen