RE ON TOUR http://REONTOURblog.blogsport.de Mon, 18 Nov 2019 19:25:19 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Neu zusammengeschweißt… http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/neu-zusammengeschweisst/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/neu-zusammengeschweisst/#comments Mon, 18 Nov 2019 19:08:49 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/neu-zusammengeschweisst/

Nach gut einem Jahr Pause meldet sich die Münchner Band „The Governors“ mit ihrer neuen Single zurück. Der Weg dorthin führte sie über Las Vegas und Frank Sinatra direkt zu ihren Fans.

Shows mit Juli, Jupiter Jones, Dexters und Panda Lux, Deutschland Tour, europaweite Auftritte, 50.000 Plays auf gängigen Plattformen – „The Governors“ blicken bereits auf einige Erfolge zurück. (Foto: Julian Wolff)

Der 9. November 2019 stand ganz im Zeichen des Erinnerns. 30 Jahre Mauerfall. 30 Jahre wachsende Verbindungen zwischen Ost und West. Und mittendrin: Das „local heroes“-Bundesfinale 2019. Der dahinterstehende Verein Aktion Musik / local heroes e.V. steht par excellence für diesen Gedanken, bringt er doch seit der Wendezeit junge Menschen aus Ost und West zusammen. Erstmals seit fünf Jahren zog das Bundesland Bayern mit ihren Landesfinalisten „Betamensch“ wieder in ein Bundesfinale ein. Schon jetzt ist für die Landesveranstalter klar: „Von ihnen wird die Musikwelt noch viel hören.“

Dass das Team mit solchen Prognosen stets richtig liegt, bewiesen sie bereits im Falle der Band „The Governors“, die 2013 ins Rennen um die „Beste Nachwuchsband Deutschlands“ gestartet war. Die Verbindung zu Christian Staab (Gitarre/Synthie), Steffen Zenglein (Bass/Gesang), Christoph Sauer (Gitarre/Gesang) und Felix Debor (Drums) blieb bestehen und so freuten sie sich gemeinsam mit den Musikern bereits 2018 über deren neue EP „Apollo“.

Rauschende Casino-Nächte

Jetzt melden sich „The Governors“ erneut zu Wort. „Bayerns beste Nachwuchsband ist erwachsen geworden“ kündigen sie dieser Tage an. Nicht ohne Grund: Schon kurz nach dem Release von „Apollo“ wurde der erste Labelvertrag unterzeichnet und die erste Deutschlandtour stand an. „The Governors“ werden außerdem als Förderkandidat der Fachstelle Pop Bayern 2019 ausgezeichnet. Viel los, könnte man meinen.

Doch dem nicht genug: Am 15. November setzte das Quartett zum nächsten Meilenstein in seiner musikalischen Laufbahn an. „Luck Be A Lady“ wurde veröffentlicht, die neue Single der vier gebürtigen Unterfranken. Was dahintersteckt, beschreiben sie selbst als „playlistenkompatibler Dancefloor-Feger für jede Indie Disco“ mit Sing-a-Long-Refrain.

Musikalisch bewegen sie sich dabei „irgendwo zwischen US-Alternative, Pop“ und natürlich besagter Indie-Disko. Recht haben sie! Denn schon nach wenigen Sekunden spitzen sich unweigerlich die Ohren. Kopf, Hände und Füße folgen dem Takt. Sich dem zu entziehen scheint beinahe ausgeschlossen.

Wem der Titel des Songs irgendwie bekannt vorkommen mag, der liegt übrigens goldrichtig. „Der Song ist benannt nach dem gleichnamigen Frank Sinatra-Song ‘Luck be a Lady‘ in dem sich Sinatra wünscht, dass das Glück im Spiel ihm treu bleibt wie seine ‘lady‘“, erklärt das Quartett. Da es in ihrer neuen Single um Gambling und Nächte im Casino gehe, habe das für sie perfekt gepasst. Warum, ist schnell erklärt: Steffen, der die Texte der Band schreibt, sei öfter an der US-amerikanischen Westküste in der Nähe von Seattle unterwegs. Dort gebe es eine große Casino-Kultur und dementsprechend habe er sich auch schon „die ein oder andere Nacht im Casino um die Ohren geschlagen“. „Der Song ist eine Hommage an diese Nächte mit absurden und lustigen Erlebnissen“, sagen „The Governors“. Wie sie hier den Bogen zu Sinatra fanden, liegt für die Musiker ebenfalls auf der Hand. „Frank Sinatra hat in den 60ern wie kein zweiter die Glücksspielhauptstadt Las Vegas geprägt und der Stadt Klasse und Coolness gegeben“, klären sie alle jene auf, an dem dieser Kultsänger tatsächlich vorübergezogen sein sollte. „Wir hatten bereits die Ehre, auf dem Frank Sinatra Boulevard in Las Vegas zu schlendern. Es musste einfach eine Erinnerung an ihn geben.“

Überraschungen in einer Waldhütte

Laut und schillernd ist diese Hollywood-Casino-Welt. Sie schweigt niemals. Umso spannender ist der Ort, an dem „The Governors“ ihre Inspiration gesucht und tatsächlich auch gefunden haben. Kurz gesagt, mehr Kontrastprogramm geht wohl kaum. Denn die Hitze der Westküste wurde getauscht mit winterlichen Minus 15 Grad in Deutschland, die Weite der Wüste einer kleinen, gemütlichen Waldhütte vorgezogen. Hier haben sie sich eingeschlossen, „um zum ersten Mal seit über einem Jahr Pause neue Musik zu schreiben“.

Anfang 2019 war das. Die kleine Hütte „mitten im Nirgendwo“ diente nur einem Zweck: Sich komplett von der Außenwelt abzuschotten, um ungestört und fokussiert an neuen Songideen zu arbeiten. Für Christian, Steffen, Christoph und Felix war das die absolut richtige Entscheidung, wie sie sagen: „Die Atmosphäre war tatsächlich so wie man es sich im ersten Moment vorstellt: Ruhig, gemütlich, urig, familiär. Alles in allem hatten wir eine grandiose Zeit!“ Dass dort dann mit „Luck Be A Lady“ eine Indie-Disco Nummer zu Stande gekommen sei, habe sie selbst etwas verwundert, gestehen sie schmunzelnd. „Wir haben daneben aber auch weitere Songs geschrieben, die es sehr wahrscheinlich auch in nächster Zeit zu hören gibt.“

Konzentration auf das Wesentliche

Aufgenommen haben sie diese natürlich nicht in der Einöde, sondern sich in die deutlich wärmeren Munich Session Studios begeben. „Es war unfassbar schön, wieder gemeinsam im Studio zu sein und neue Songs aufzunehmen“, sind sie sich einig. „Und dann auch noch direkt im Herzen Münchens.“ Die Atmosphäre, die Kreativität, das Zusammenarbeiten – da habe wirklich gepasst. „Wir hatten eine super Zeit und haben zusammen mit den Produzenten weiter unseren Plan verfolgt, Synthesizer und alles Elektronische bewusst aus den Songs zu lassen und uns, entgegen dem Trend immer elektronischer zu werden, auf die klassische Indie-Instrumentierung Gitarre, Bass und Drums konzentriert.“

Nichts kann sie trennen

Doch zurück zum 9. November. Spätestens jetzt wird deutlich, dass auch „The Governors“ für den Gedanken dieses Tages stehen – für Verbindung und Zusammenhalt – menschlich wie musikalisch. Nach ihrer Gründung 2011 und einem regelrechtem Blitzstart, wurden die Vier zunächst mit einer ganz anderen Seite konfrontiert. Studium, konstante geografische Trennung, sogar drei Jahre Pause aufgrund von Auslandsaufenthalten (2014-2017) schlugen sich auf das kreative Schaffen nieder. Bedingungen, die weiß Gott nicht jede Nachwuchsband zusammengehalten hätte. Im Fall von „The Governors“ haben diese Widrigkeiten jedoch das Gegenteil bewirkt. Statt hinzuschmeißen, arbeiteten sie in dieser schwierigen Zeit, verteilt über ganz Europa an ihrem Sound und Konzept. Statt sich auf eine Musikrichtung festzulegen, haben sie sich entschieden, einfach ihre beiden Einschläge, US-Alternative und Indie Rock, zu kombinieren. Und all das hat sie am Ende nur noch mehr zusammengeschweißt…

Alle Infos zu „The Governors“:
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Text: Nicole Oppelt

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„local heroes“-Bundesfinale 2019: „Betamensch“ feiern bayerisches Comeback in Salzwedel http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-betamensch-feiern-bayerisches-comeback-in-salzwedel/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-betamensch-feiern-bayerisches-comeback-in-salzwedel/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:44:13 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-betamensch-feiern-bayerisches-comeback-in-salzwedel/

„Wir lieben es live zu spielen“, sagen „Betamensch“. Mehr Gründe, um bei „local heroes“ mitzumachen, braucht es nicht. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Erstmals seit fünf Jahren war auch der Freistaat wieder mit einer Finalistenband vertreten. „Betamensch“ aus Nürnberg sorgte für einen gebührenden Neustart auf Bundesebene. Das Trio ging mit der finalen Startnummer 15 ins Rennen.

„Die Idee ‘Betamensch‘ zu gründen entstand im Sommer 2013, man munkelt es sei eine dieser bekannten ‘Schnapsideen‘ gewesen“, erinnern sich Tobias Ottenschläger, Miguel Mayorga und Johannes Pressl schmunzelnd an ihre Anfangstage zurück. Weit weniger dem Zufall überließen die Drei ihr Fortkommen im Rahmen von „local heroes 2019“. Schon im bayerischen Landesfinale Mitte Juni überzeugten die Mittelfranken Publikum und Jury gleichermaßen. Strukturiert, diszipliniert und bestens vorbereitet lieferten die jungen Musiker ihr Set auf dem „ab geht die Lutzi“-Festival – dem neuen Austragungsort von local heroes Bayern – ab. „Wir freuen uns riesig, Bayern beim Bundesfinale präsentieren zu dürfen und haben natürlich auch die Erwartung an uns selbst, dass wir das würdig machen“, so die Stimmung wenige Wochen vor dem großen Auftritt.

Was für ein „Sound-Gewitter”! „Betamensch” hinterließen in Salzwedel gewaltige musikalische Fußspuren. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„local heroes“ – das ist gegenseitiger Austausch

Viel wurde seither geprobt und organisiert. „Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Songs hängen bleiben, indem wir Melodien schreiben, die wir selbst gerne mitsingen würden und allem voran, dass wir unsere Texte ehrlich verpacken und authentisch bleiben“, sinnieren sie über das, was sie als Band ausmacht und vielleicht sogar bis ganz nach vorne bringen kann. Und wie hört sich das an? In Salzwedel kam das Publikum in den Genuss das zu erleben, was im fernen Rottershausen bereits für Furore gesorgt hat.
„Die Songauswahl steht bereits und bedingt durch die kurze Spielzeit von 20 Minuten werden es quasi nur ‘Hits‘ sein. Wir haben ein paar Ideen für das Bundesfinale, mal sehen, ob wir diese umsetzen können“, prognostizierten sie wenige Wochen vor dem großen Auftritt. Und das hat funktioniert. Die Mittelfranken lieferten gegen 0.30 Uhr morgens nicht weniger als energetischen Rock, gepaart mit einer spritzigen Liveshow ab. Geradeheraus, kompromisslos und ohne Umschweife ist die Musik, dabei aber nicht ohne einen gewissen Popappeal – so geht „Aufwachen mit Betamensch!“

Nicht nur dem Trio stand dabei die Freude über die bayerische Rückkehr in den Wettbewerb ins Gesicht geschrieben. Auch das Publikum ließ sich zum Ende des Wettbewerbs noch einmal vollends fesseln. Und so floss nicht nur auf der Bühne jede Menge Schweiß, auch davor wurde gesprungen, getanzt, gesungen und gejubelt, als gebe es kein Morgen mehr. „Diese Chance haben wir nur einmal!“, rief Sänger Miguel in den Raum. Er und seine Bandkollegen haben sie definitiv genutzt. Sie haben alle Kräfte gebündelt und dem „local heroes“-Bundesfinale 2019 zu einem mehr als würdigen Abschluss verholfen.

Interview bei Howie Yagaloo. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für eine gelungene Überraschung sorgten „Betamensch“ übrigens schon einige Stunden zuvor: Gleich zu Beginn des Abends hatten sie als erste Band die Gelegenheit, sich auf der Foyerbühne des Kulturhauses vorzustellen. Dort standen sie nicht nur Howie von „Yagaloo“ Rede und Antwort, sondern präsentierten auch ihren Song „Nie mehr“ in einer Akustikversion. Ein durchaus besonderer Moment: Erst kurz vor dem Bundesfinale hatten sich die Drei überhaupt mit dem Thema „unverstärkt“ befasst. Nun gelang ihnen auf Anhieb ein Gänsehaut-Moment mit mehrstimmigem Gesang und einem Publikum, das schnell in den Song einstimmte.

„Betamensch“ habe sich „sehr gut“ geschlagen, so das Urteil von Juror und Coach David Pfeffer, der die Bayern zu seinem „Favoritenkreis“ zählte. Seiner Ansicht nach hätten sie sich „deutlich professioneller“ als manch andere Band im Teilnehmerfeld präsentiert. Die Erfahrung in Sachen Bühne und Songwriting habe man ihnen angemerkt. „Das war schon gut“, lobt er den in Salzwedel hinterlassenen Eindruck. „Betamensch bedienen ein populäres Genre mit einem relativ großen Feld an Bands. Man wird nicht so sehr davon überrascht“, ordnet er das Abschneiden von „Betamensch“ im Gesamtklassement ein. „Trotz alledem waren sie in diesem Feld handwerklich hervorragend.“ Einen speziellen Rat möchte er dem Trio nicht mit auf den Weg geben. „Sie machen das alle schon lange genug und wissen, was sie tun.“ Gerade in punkto Bühnenpräsenz habe er nicht den Eindruck gehabt, dass „Betamensch“ hier „Nachhilfe“ bräuchten.

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Der „Ausgang“ des Bundesfinales war und ist aber gar nicht entscheidend für die Band. „Wir haben das bereits mehrmals im Landesfinale betont, wir sehen den Wettbewerb nicht als Wettbewerb, sondern als Plattform des gegenseitigen Austauschs, sowohl mit den Bands und dem Publikum als auch mit den Initiatoren und Veranstaltern. Wir fühlen uns nach wie vor super aufgehoben und haben das gesamte ‚local heroes‘ Bayern Team seit Tag Eins ins Herz geschlossen.“ Das Landesfinale sei für sie bereits das „Nonplusultra“ gewesen. „Wir haben super viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, neue Kontakte geknüpft und auf einem super charmanten Festival mit einem grandiosen Lineup spielen dürfen. Die Teilnahme am Bundesfinale ist quasi das ‘Zuckerl‘, und wir nehmen dabei gerne mit, was kommt.“

Spagat zwischen Band, Sozialleben und Geld

Ihre Einschätzung von „local heroes“ teilt auch Projektleiterin Julia Wartmann, die das diesjährige Bundesfinale nicht nur ob des historischen Datums, dem „9. November“, unter genau jenes Motto „Begegnungen“ gestellt hat. „Betamensch“ scheinen hier par excellence für einen Gedanken zu stehen, der innerhalb des Projekts seit gut 30 Jahren gepflegt wird. Es geht um Herzblut, Leidenschaft und den Willen, etwas zu bewegen. Tobias, Miguel und Johannes beweisen das seit März dieses Jahres gemeinsam. Seither sind „Betamensch“ in dieser aktuellen Besetzung unterwegs. Nach kurzer Zeit waren sie ein eingespieltes Team, das auch menschlich „gut miteinander harmoniert“. „Die größte Herausforderung ist es für uns, den Spagat zwischen Band, Sozialleben und Geld verdienen zu schaffen“, sagen die Drei. „Das liegt daran, dass man, wenn man eine Band mit unserem kleinen Status ernsthaft betreiben und nach vorn treiben will, sehr viel Zeit und Herzblut investieren muss. Dabei muss aber trotzdem noch die Miete überwiesen werden und dafür gesorgt werden, dass im Idealfall die Freundin nicht wegläuft, auch wenn man mal wieder bei einer Supporttour quer durch Deutschland draufgezahlt hat und die Wochenenden alle mit Proben und Songwriting-Sessions belegt sind.“

Songs über eigene Gefühlswelten

Müssten sie sich selbst bewerten, wären Authentizität, gutes Songwriting und Interaktion die Aspekte, auf die sie am meisten Wert legen würden, „weil das für uns die weitestgehend stilunabhängigsten Kriterien sind“. Dass dies wohl auch ihrem Publikum am wichtigsten ist, zeigte sich nicht zuletzt am 26. April dieses Jahres – der wohl bisher größten Herausforderung in ihrer noch jungen Bandgeschichte. Damals stand der zweite EP-Release in der Astra Stube in Hamburg an. „Wir drei Bayern sind ohne große
Erwartungen nach Hamburg zu unserer EP-Releaseshow gefahren“, erinnert sich das Trio. „Letzten Endes wurden wir damit überrascht, dass viele neue und fremde Gesichter zur Show kamen und unsere Texte inbrünstig mitsangen, obwohl wir gar nicht aus der Region kommen.“ Warum ihre Inhalte auch abseits der Heimat so gut ankommen, mag viele Gründe haben. Eine mögliche Erklärung gibt es dennoch: „Wir möchten keine selbsternannten ‘Weltverbesserer‘ sein und werden das auch niemals werden, aber wir möchten mit dem, was wir tun, einige Menschen auf ihrem Weg berühren“, sagen die Drei über ihre inhaltlichen Schwerpunkte und Botschaften. „Wir verarbeiten in unseren Texten unsere eigenen Gefühlswelten. Es geht um Sachen, die wir selbst erlebt haben (Trennung, Realitätsflucht, Freunde, die abgerutscht sind), da wir diese Inhalte am ‘echtesten‘ transportieren können. Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl, wenn Fans schreiben, dass man ihnen durch eine schwere Zeit geholfen hat.“

Dieses Team hat sich gesucht und gefunden: „Betamensch“, das „local heroes“-Bayern-Team und „local heroes“-Projektleiterin Julia Wartmann. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Auf Authentizität kommt es an

„Betamensch“ sind ambitioniert – das wird schnell deutlich. Auf die Frage, was ein Musikprojekt heutzutage mitbringen müsste, um längerfristig zu bestehen, haben sie denn auch prompt eine Antwort parat. Zunächst sollte ihrer Meinung nach klar sein, welche Art von „Musikprojekt“ man starten möchte. Soll es ein Hobby bleiben oder hat man doch weitere Ambitionen? „Falls es doch mehr werden soll, braucht man definitiv einen langen Atem. Ein gutes Beispiel hierfür sind ‘Billy Talent‘, welche erst nach zehn Jahren, mit einem veröffentlichen Album unter altem Namen, bekannt wurden“, so Tobias, Johannes und Miguel. Ihr Rat: „Man sollte sich als ambitionierter Musiker immer vor Augen halten, dass hinter erfolgreichen Acts immer noch tausende gestrandete Musikerseelen liegen, die es nicht nach vorne geschafft haben. Was wir jedoch immer wieder merken, ist, dass ‘Authentizität‘, sei es musikalisch, im kreativen Prozess oder in der Außenwirkung, immens wichtig ist. Außerdem sorgt das zu machen, was einem am Herzen liegt, und nicht das, wovon man sich schnellen Erfolg verspricht, dafür, nicht den Spaß an der Sache zu verlieren.“

Doch es gibt durchaus Dinge, die liegen nicht in der Hand der Newcomer. Das wissen auch „Betamensch“. „Es gibt viele Hürden, weshalb viele junge Leute weniger bis keine Musik mehr machen, aber das grundlegende Problem liegt an unserer schnelllebigen Gesellschaft“, sind sie sich einig. Man bekomme das Gefühl vermittelt, dass Kunst und Kultur brotlos sei, weshalb Angebote und Fördermöglichkeiten eingeschränkt oder gar ganz gestrichen würden. Was bleibe, sei eine Gesellschaft, die versuche junge Menschen so zu formen, dass sie mit Anfang 20 beginnen würden ihre Doktorarbeit zu schreiben. „Das mag für einige gut und sinnvoll sein, aber Menschen sind und bleiben unterschiedlich, weshalb man andere Denk- und Fördermöglichkeiten ausbauen und anbieten sollte“, so ihre Überzeugung. „In Deutschland ist man getrimmt auf vermeintliche Sicherheiten, bekommt aber selten die Frage gestellt ‘was möchtest du eigentlich?‘ – unserer Meinung nach sollten folgende Punkte in Deutschland wieder einen höheren Rang bekommen: Kunst, Kultur, Gesundheit/Pflege.“

In Bayern gibt’s noch viel zu tun

Zuhause in Bayern hätten es die Musiker*innen mit einer verschärften Situation zu tun. „In der aktuellen Situation im Freistaat ist es so gut wie unmöglich Fördermöglichkeiten zu bekommen, da diese meist mit einem politischen Zweck oder gewissen Auflagen verknüpft sind“, schildern sie ihren Eindruck. „Mit Hinblick auf das Bundesfinale hatten wir diesbezüglich vor mit einer größeren Entourage anzureisen, von welchen wir die Kosten zum Teil durch Sponsoring und Fördermöglichkeiten abfangen wollten, jedoch scheint dies so gut wie unmöglich.“ Überdies sei die Proberaumsituation in Bayern miserabel, was sich auch mit dem noch prekäreren Wohnungsmarkt decke. „Diejenigen, die noch Räume anbieten, ziehen den jungen Musikern leider nur das Geld aus der Tasche. Im Gegenzug erhält man einen versifften, modrigen, kalten Raum, der dann als ‘Proberaum‘ bezeichnet wird.“

All das kann „Betamensch“ jedoch nicht von ihrer großen Leidenschaft abhalten: der Musik. Frei nach dem Motto: „Packen wir’s an!“ schreiben sie aktuell an ihrem ersten Album, welches 2020 mit neuen Shows auf die Bretter geschickt werden soll.

Doch zuvor lässt die Band den Bundesfinalabend Revue passieren: „Wir sind fertig, aber es war schön“, lautete das erste Fazit von „Betamensch“ nach dem großen Finale. Nach vielen Stunden im Kulturhaus haben sie die Anstrengungen endlich hinter sich lassen können und es „verdient zu schlafen“. „Wir freuen uns sehr für alle anderen Bands“, beglückwünschen sie ihre vielen Mitstreiter und Mitstreiterinnen aus ganz Deutschland. Die Zeit in der Hansestadt haben sie jedenfalls gut genutzt und den Netzwerk-Gedanken des Newcomer-Contests mehr als hochgehalten. Dass man in der Zukunft mit der ein oder anderen Bundesfinal-Band etwas zusammen auf die Beine stellen könnte, schließen sie jedenfalls nicht aus. „Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Und dass man um 0.30 Uhr auf die Bühne geht und dann auch abliefern muss“, seien für sie die wesentlichsten Dinge, die sie aus Salzwedel mitnehmen würden. „Wir haben es durchgezogen und sind schon ein wenig stolz!“ Für sie sei es unglaublich gewesen zu erleben, wie viele „geile Bands“ in einer so kurzen Zeit auf die Bühne kämen und „abliefern“ würden. „Das war beeindruckend, so etwas mitzuerleben – auch die Vorbereitungen hinter den Kulissen. Alles hat wunderbar geklappt.“

Mit den Fans zuhause in Bayern wollen „Betamensch“ auf jeden Fall noch einmal feiern – spätestens am 26. Dezember in Nürnberg…

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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„local heroes 2019“: „Mischa“ liefern ihren „besten Fight“ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-2019-mischa-liefern-ihren-besten-fight/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-2019-mischa-liefern-ihren-besten-fight/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:43:10 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-2019-mischa-liefern-ihren-besten-fight/

„Mischas“ Stil ist ehrlich: „Eine gesunde Mischung aus Rock und Pop mit selbstbewusster Frontfrau“, wie die Fünf selbst sagen. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch „Mischa“ aus Baden-Württemberg. Die fünf jungen Leute gingen mit Startnummer fünf ins Rennen.

Dieses „local heroes“-Bundesfinale war ein echter Kraftakt für alle Beteiligten. Das emsige Treiben hinter den Kulissen blieb den meisten Gästen des Abends verborgen. Bewusst dürfte dennoch allen gewesen sein: Viele Monate Arbeit stecken in einer solchen Veranstaltung – das gilt nicht nur für die Organisatoren. Auch die teilnehmenden Künstler*innen legten sich mächtig ins Zeug. So wie „Mischa“ aus Baden-Württemberg. Die Gewinner des Play Live-Förderprogramms ihres Bundeslandes nahmen ebenso wie ihre Mitstreiter*innen teils aufwendige Probenphasen auf sich, um sich bestmöglich auf das Bundesfinale 2019 vorzubereiten. Eine Ruhepause kurz vor dem Wettbewerbsabend gönnte sich dieses Quintett aus dem kleinen Biberach an der Riss nicht. Zehn Tage lang waren sie vor ihrem Auftritt im Kulturhaus Salzwedel nochmal in ganz Deutschland unterwegs.

Vom „Play Live” in Baden-Württemberg ging es für „Mischa” direkt ins „local heroes”-Bundesfinale. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Mit Bands aus ganz Deutschland in Kontakt kommen

„Reibungslos“, so erzählten sie, sei der Newcomer-Contest bis zum großen Tag des Bundesfinales für sie verlaufen. Am Ende hätten sie vor allem eines gewollt: „Kontakte zu Bands aus ganz Deutschland“ mit nach Hause nehmen. Das dürfte ihnen gelungen sein.

In Salzwedel überzeugten sie Publikum und Mitstreiter gleichermaßen mit ihrer Darbietung. „Kneipenzauber und Bühneneleganz“, wie sie die besondere Mischung ihrer Band selbst beschreiben, kommt auch fernab der Heimat hervorragend an. Kaum einer findet sich im Publikum, der auch nur eine Sekunde den Blick von Frontfrau Mischa abwenden kann. Wie ein Wirbelwind fegt sie über die Bühne, singt mit rauchiger Stimme von Liebeskummer, Hass, Heimat und Enttäuschung – was für eine „Naturgewalt“. Die junge Ausgabe von Nina Hagen? Gar nicht mal so hoch gegriffen. Und auch der Rest der Band zeigt deutlich: Hier stehen fünf Personen, die die Stars von Morgen sein könnten.

Geschafft und sichtlich gelöst! In nur 20 Minuten Spielzeit gaben „Mischa” alles. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Ehrlichkeit ist uns ein großes Anliegen“, fassen die fünf Musiker*innen kurz das zusammen, was ihnen als Band am wichtigsten erscheint. „Musikalisch probieren wir viel aus und wollen uns nicht an einem Punkt festhalten, verlieren aber dabei nicht den Stil den Mischa ausmacht.“ Songwriting, Arrangement, Performance. In diesen Punkten seien sie selbst am kritischsten. Der Inhalt darf nicht hintenanstehen. In ihren Songs erzählen sie von Erlebnissen und Gedanken, die jeder kennt. „Wir wollen dem Publikum mitgeben, lieb zu sich und zueinander zu sein. Dies wird leider viel zu oft vernachlässigt, ist aber in jeder Hinsicht ein sehr großes Thema“, beschreibt das Quintett seine Botschaft.

Interview bei Howie Yagaloo. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„local heroes“ gehört zu den Highlights des Jahres

Es habe schon viele schöne Ereignisse in ihrer Bandhistorie gegeben, resümieren sie. „Das Schönste zu benennen wäre gegenüber anderen Ereignissen nicht fair.“ Zu den Highlights in diesem Jahr hätten jedoch unbedingt der eigene EP-Release „Räubertochter“, ein Gig auf dem Southside Festival, das Pop Camp und natürlich „local heroes“ gehört. „Die größte Herausforderung ist es, zwischen Auftritten neue Songs zu schreiben. Die Balance wird jedoch immer besser. Tauchen neue Herausforderungen auf, werden diese gemeinsam besprochen und bewältigt“, sind Martin, Yannick, Alex, Julius und Mimi, die einst „durch glückliche Zufälle zueinander gefunden“ haben, überzeugt.

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Mischa“ kommt viel herum. Dass sie im Süden Deutschlands zuhause sind, scheint dabei von Vorteil zu sein. „Wir machen in Baden-Württemberg immerzu schöne Erfahrungen in Sachen Newcomer-Förderung“, freuen sie sich über Unterstützung in ihrer Heimatregion. Für einen Newcomer sei es aber wahnsinnig schwer, an Auftritte in anderen Bundesländern heranzukommen. „Dabei würden wir uns eine Unterstützung wünschen.“

„Mischa“ packen es jedenfalls an. Und so können sie auch ihre Zukunftspläne mit einem kurzen, aber dennoch weitreichenden Satz benennen: „Gigs, Gigs, Gigs. Schöne Tour und viele neue Songs!“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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„local heroes“-Bundesfinale 2019: „Mother“ wollen nichts als Rock! http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-mother-wollen-nichts-als-rock/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-mother-wollen-nichts-als-rock/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:42:10 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-mother-wollen-nichts-als-rock/

„Es war ein harter Kampf mit einer noch härteren Anreise“, so das „local heroes“-Fazit von „Mother“. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch die Landesfinalisten aus dem Saarland „Mother“. Die vier Musiker aus Saarbrücken gingen mit der vorletzten Startnummer 14 ins Rennen.

„Behauptet man, Mother sei wie der Phönix aus der Asche aufgestiegen, beschreibt man ziemlich gut, wie wir uns teilweise gefühlt haben. Als wir erfuhren, dass unser Gitarrist die Band verlassen wollte, waren wir echt nicht sicher, ob wir jemals einen geeigneten Ersatz finden werden“, erinnern sich Dominic, Benjamin, Max und Juan an ihre Anfangszeit zurück. „Nicht nur war sein Stil einzigartig, sein musikalischer Einfluss auf die Band war unverkennbar und allgemein war er auch einfach einer der besten Gitarristen der Region. Als ihnen Produzent Dave dann von „JP“ erzählte, habe sich die Verzweiflung schnell in Motivation verwandelt. „Wir wollten diesen Typen unbedingt in der Band, immerhin hat er 17 Jahre in einer Ska-Band in Kolumbien gespielt und hat einen f*ing Master in Gitarre.“ In neuer Besetzung meldeten sie sich quasi direkt beim ‚Battle of the Bands‘ in Saarland an. Und es hat funktioniert: „Wir sind unheimlich stolz, das Saarland vertreten zu dürfen!“

Mit ihrer „mitreißenden Performance, Songs mit Ohrwurm-Garantie und grandiosen Gitarren-Soli“ überzeugten „Mother“ nicht nur im Saarland, sondern auch in Salzwedel. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Auf der Bühne des Kulturhauses von Salzwedel stellten sie schließlich erneut unter Beweis, wie gut sie in der aktuellen Besetzung harmonieren. Energiegeladene Gitarrenriffs, dazu die hervorstechende Stimme von Frontmann Benjamin – „Mother“ beherrschten die Bühne und zeigten mit einem einwandfreien Auftritt, dass sie sich den Platz im Bundesfinale mehr als verdient hatten. „Follow me to the other side“, sang Benjamin in einem ihrer Songs – einer Aufforderung, der wohl viele Anwesende gerne folgen, wenn es auf besagter anderer Seite so rockig zugeht.

„Rock lebt, und wir sind seine Jünger“

„Es muss hart und tight sein. Und gut. Und Rock! Denn wir lieben harte, gute Musik und haben ein brennendes Verlangen nach Rock“, beschreiben „Mother“ das, worauf es ihnen musikalisch am meisten ankommt. Denn Rock birgt ungeahnten inhaltlichen Spielraum: „Die Texte bewegen sich von griechischer Mythologie mit Allegorien über väterliche Verlassensängste bis hin zu politischen Texten ohne Gnade. Manchmal aber auch Frauen, Bier und Drogen. Wir legen uns da nicht so gerne fest“, erzählen sie schmunzelnd. Ernster nehmen sie da schon ihre Teilnahme bei „local heroes“. „Rock lebt, und wir sind seine Jünger. Wir wollen allen zeigen, dass Rock nach ganz oben gehört“, fassen sie ihre Intention prägnant zusammen. Den Newcomer-Contest haben sie bis zum Bundesfinale in Salzwedel äußerst positiv erlebt. „Der Support unter den teilnehmenden Bands, auch nach dem Landesfinale, war unfassbar. Wir sind extrem froh, in so einer lebendigen Szene Musik zu machen“. Als Letztplatzierte seien sie ins Halbfinale gekommen, hätten sich ganz nach vorne gekämpft und letztendlich das Landesfinale gewonnen. „Wir hoffen natürlich, dass wir gewinnen. Und falls am Ende einer mit einem Mother-Shirt heim geht, sind wir auch schon glücklich“, verrieten sie noch vor der Entscheidung.

Interview bei Howie Yagaloo. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Rock gehört an die Spitze der „Musiknahrungskette“

„Wir wurden dieses Jahr vom PopRat Saarland e.V. empfohlen, um auf dem ‚Rocco del Schlacko‘ zu spielen. Wir haben uns gegen 28 regionale Bands behaupten können und uns den Platz geschnappt. Und auf demselben Festival zu spielen wie ‚Die Toten Hosen‘, ‚Fanta 4‘ und ‚Bullet for My Valentine‘ war schon geil“, berichten sie von einem Highlight in 2019. Und wie sehen ihre nächsten Zukunftspläne aus? „Wir wollen versuchen uns auszubreiten, unsere Musik an mehr Leute zu bringen und den Rock wieder an die Spitze der Musiknahrungskette zu bringen.“ Um das zu erreichen, brauche es Kraft und Motivation. „Man muss seine Grenzen und seine Ziele genau kennen.“ Natürlich sollte man sich auch musikalisch von der Szene, in der man sich bewege, unterscheiden, um nicht in den Einheitsbrei zu verfallen. Auch das Thema Qualität dürfe nicht außer Acht gelassen werden. Natürlich sei es besser, schlechte Aufnahmen zu haben als keine. Allerdings sollte man dann auch nicht erwarten, dass irgendjemand einen für professionell hält. Das sei zwar traurig, aber leider wahr. „Wir reden vor allem offen miteinander über alles was die Band betrifft, ansonsten stecken wir unsere kompletten geistigen Fähigkeiten da rein, den inneren Schweinehund zu bekämpfen. Er ist allerdings recht stark und groß…“

„Zum Glück gibt es Vereine wie die ‚local heroes‘, die Wert auf Liveperformance legen“, freuen sich „Mother“. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Der Traumjob Musiker ist ohne ‘richtigen‘ Job kaum noch möglich“

Dass es aber nicht nur in den Händen von jungen Musiker*innen liegt, ob diese vorankommen, ist „Mother“ definitiv bewusst. Leider fehle es oft an Geld und qualifizierten ‘Entscheidern‘. Große Teile der Förderung für neue Bands, sei es durch Gigs, Wettbewerbe, oder allgemeine Unterstützung in Sachen Networking, kämen von privaten Vereinen. „Wir haben im Saarland zum Beispiel das Musikbüro, das auch das Saarländische ‚Battle of the Bands‘ organisiert hat, oder den PopRat, der versucht, saarländischen Newcomer-Bands durch Kontakte zu großen Festivals unter die Arme zu greifen.“ Natürlich täten diese beiden Vereine mehr als das. Bei der Politik sehe es da jedoch anders aus: „Falls Geld in Kultur investiert wird, hat man vor allem als Rockband kaum eine Chance auf Unterstützung“, so ihre persönliche Einschätzung.

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Das Ganze wäre ja auch kein Problem, wenn Veranstalter Bands nicht als nötiges Übel sehen würden. ‘Klar hätten wir gerne die beste Band der Stadt, aber bezahlen geht gar nicht!‘, liest man leider zu oft zwischen den Zeilen.“ Auch hier könnte ihrer Ansicht nach die Politik eingreifen und Veranstalter insofern unterstützen, als dass jeder auf seine Kosten käme. Immerhin sorge diese Sicht auf die Dinge dafür, dass Newcomer „nehmen was kommt“ und sich damit die Message „Musiker sind froh spielen zu dürfen“ immer mehr in den Köpfen der Veranstalter festsetze. „Die Arbeit dahinter wird kaum noch geschätzt, die Liebe zur Musik wird als Selbstverständlichkeit gesehen und der Traumjob Musiker ist ohne ‘richtigen‘ Job kaum noch möglich.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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„local heroes“-Bundesfinale 2019: „Feathers and Greed“ überzeugen mit Liebe zum Detail http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-feathers-and-greed-ueberzeugen-mit-liebe-zum-detail/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-feathers-and-greed-ueberzeugen-mit-liebe-zum-detail/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:41:12 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-feathers-and-greed-ueberzeugen-mit-liebe-zum-detail/

Percussions, Gitarren, Cello und mehrstimmiger Gesang: „Feathers and Greed“ lieferten eine der außergewöhnlichsten Shows in der „local heroes“-Geschichte. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch die Landesfinalisten aus Niedersachsen „Feathers and Greed“. Die sechs jungen Leute aus Hannover, die mit Startnummer neun ins Rennen gingen, begeisterten Jury und Publikum: Die Jury ehrte die Band mit Platz zwei, das Publikum überließ ihnen die Bronzemedaille des Abends, den dritten Platz.

Voller Erfolg in Salzwedel: Die Jury wählte „Feathers and Greed” auf den zweiten Platz im Gesamtklassement. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Local heroes haben wir mit Spaß, langem Warten und kurzen Um-/Auf- und Soundcheckzeiten erlebt“, schmunzeln Marek, Jacob, René, Luca, Matthias und Lukas. Das Sextett aus Hannover gewann den Sixpack-Bandcontest 2018 und schaffte es so über das Landesfinale Niedersachsen bis ins „local heroes“-Bundesfinale 2019. Die Erwartungen an Deutschlands traditionsreichsten Newcomer-Contest sind groß. „Die Teilnahme am Contest hilft uns hoffentlich etwas Aufmerksamkeit für unsere erste Platte zu bekommen und vielleicht springen auch einige Leute auf unseren Zug auf“, erzählten sie vor ihrem Gang auf die große Bühne im Kulturhaus von Salzwedel.

Und „Feathers and Greed“ nutzten die Gelegenheit. Im Vorfeld ihres Auftritts wurde intensiv geprobt und Fans „zusammengetrommelt“. Mit Erfolg: Nicht nur die Hannoveraner Fangemeinde, die die Band nach Salzwedel begleitete, war sichtlich angetan von der außergewöhnlichen Performance des Sextetts. Mit mysteriöser Gesichtsbemalung und einer so bei local heroes noch nie dagewesenen Instrumentalbesetzung hatten die Musiker das Publikum von der ersten Sekunde an fest im Griff.

Ungewöhnlich und weit vom Mainstream entfernten Akustik-Rock präsentierten „Feathers and Greed“ im Kulturhaus von Salzwedel. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Tendenz zu Misanthropie und Wahnsinn“

„Anstelle eines Drumsets gibt es bei uns Percussion in Form von Djembé, Darbuka, Becken und Shaker. Neben einer Western-Gitarre gibt es auch ein Cello und drei von uns singen“, erklären sie ihre ungewöhnliche Aufstellung. „Alleinstellungsmerkmal ist dann wohl die E-Gitarre“, so „Feathers and Greed“ schmunzelnd über ihren musikalischen Stil, den sie selbst als „Artrock“ bezeichnen. „Der Inhalt unserer Musik hat eine Tendenz zu Misanthropie und Wahnsinn. Ansonsten gibt es auch immer individuellen Interpretationsspielraum, es ist nichts eindeutig in Stein gemeißelt.“ Doch es gibt auch Aspekte, über die verhandeln die sechs jungen Leute nicht: „Bei unserer Musik ist uns vor allem wichtig: Liebe zum Detail, Groove, Dynamik, Spannung, Authentizität und Gemeinschaft in der Band.“ Entsprechend setzen sie auch an sich selbst anspruchsvolle Kriterien wie Originalität, Musikalität, Zusammenspiel, Groove und Inhalt an. Und die kamen auch bei ihrer Bundesfinal-Show gut an: Stimmungsvoll und psychedelisch wirkte ihr mehrstimmiger Gesang, getragen von wehmütigen Celloklängen, rhythmischen Gitarren und Percussions. Die Band verlor nicht viele Worte zwischen den Songs, sondern überzeugte allein mit ihrer Musik – und die Zuschauer*innen im Kulturhaus Salzwedel dankten es den sechs Musikern mit tosendem Applaus.

Interview bei Howie Yagaloo. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Feathers and Greed“ setzen auf den Glücksfaktor

Dabei hatten „Feathers and Greed“ einst klein angefangen: Zu zweit begannen die beiden Cousins Luca und Marek einst Musik zu machen. Doch Gitarre und Gesang schien einfach nicht genug zu sein. „Eine Band mit mehreren Instrumenten war immer der Plan. Nun sind wir schon sechs Leute“, blicken sie zurück. Ob da noch „Luft nach oben“ ist? Vielleicht. Im Augenblick scheinen die Musiker jedenfalls zufrieden. „Erfolgreiche Bandprojekte haben heutzutage entweder ein großes Label, einen großen Förderer im Rücken oder Risikobereitschaft und auch Glück. Große Marken und Labels interessieren uns nicht sonderlich, deshalb setzen wir bislang eher auf den Glücksfaktor“, beschreiben sie ihre momentanen Bestrebungen. Und für diesen Weg haben sie sich wohl ganz bewusst entschieden. „Firmen der Musikbranche suchen häufig nicht die Kunst, sondern das Geld. Für erfolgreiche Musik gibt es Formeln, die angewendet werden. Politik und Wirtschaft tragen an dieser Stelle sicher nicht wenig dazu bei“, kritisieren sie die ihrer Meinung nach existierenden momentanen Hürden für den musikalischen Nachwuchs in Deutschland.

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Sie nehmen die Sache daher lieber selbst in die Hand. „Die nahe Zukunft besteht bei uns daraus, unsere Platte rauszubringen und zu vertreiben, Konzerte zu spielen, ein Live-Video aufzunehmen und uns um neues Songmaterial kümmern.“ Ihre Gewinne als Preisträger von „local heroes“ dürften ihnen da definitiv gelegen kommen: Für den zweiten Preis in der Jurywertung erhält die Band einen Gutschein für einen Albumrelease, gestiftet von recordJet. Ihr dritter Platz im Publikumsvotum wurde mit einem 200-Euro-Gutschein von Thomann belohnt.

„Local heroes“-Geschäftsführerin Julia Wartmann freut sich ganz besonders über das gute Abschneiden von „Feathers and Greed“: „Über viele Jahre gewann Niedersachsen den Publikumspreis, aber für die Jury hat es aus verschiedenen Gründen nie gereicht. In diesem Jahr sind sie unter die Top 3 gekommen. Nicht nur für die Band, sondern auch für die Veranstalter*innen in Niedersachsen freue ich mich sehr. Sie haben eine ganz phänomenale und außergewöhnliche Band ins Rennen geschickt.“ Nicht nur in Hannover dürfte man von dieser Band wohl noch Hören.

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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„local heroes“-Bundesfinale 2019: „Fin Dawson“ entführen in den Wilden Westen http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-fin-dawson-entfuehren-in-den-wilden-westen/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-fin-dawson-entfuehren-in-den-wilden-westen/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:40:12 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-fin-dawson-entfuehren-in-den-wilden-westen/

Let’s groove! „Fin Dawson” stimmten das Publikum auf Startposition eins auf einen abwechslungsreichen Abend ein. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch die Landesfinalisten aus Schleswig-Holstein „Fin Dawson“. Die vier jungen Leute aus Rellingen und Hamburg gingen mit Startnummer eins ins Rennen und eröffneten den Abend. Besonders Sänger Marcus Lifke begeisterte Jury und Publikum: Er wurde als bester Vokalist des Abends ausgezeichnet.

„Ein Bundesland zu vertreten… wie geil ist das denn!“, freuten sich Matthias, Torben, Marcus und Philipp schon Wochen vor dem Bundesfinale in Salzwedel auf viele herrliche Begegnungen mit anderen Bands, wunderbaren Austausch und noch mehr neue Kontakte. Den „local heroes“-Wettbewerb haben die Vier als „unfassbar gut organisiert“ erlebt. „Es ist nicht unser erster Contest und was vor Ort in Schleswig-Holstein geleistet wurde, war einfach perfekt“, sind sie sich einig. Intensiv hatten sie sich auf den großen Abend im Kulturhaus von Salzwedel vorbereitet, Mitfahrgelegenheiten für ihre Fans organisiert und so ganz „nebenbei“ auch noch an ihrer neuen Single gefeilt.

Wenn tightes Zusammenspiel auf „bärige Stimme” trifft: „Fin Dawson” hinterließen in Salzwedel einen bleibenden Eindruck. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Es muss sich gut anfühlen

„Jeder, der unsere Konzerte besucht, soll eine gute Zeit haben und abschalten können. Dabei versuchen wir eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen“, erklärten die vier Musiker im Vorfeld. „Für uns steht im Vordergrund, dass es sich einfach rundum gut anfühlt und man uns den Spaß auf der Bühne ansieht.“ In Salzwedel ist ihnen das mit Bravour gelungen. Philipp, Marcus, Torben und Matthias eröffneten das Bundesfinale 2019 mit einem Ritt in den wilden Westen, wie ihn sich Hollywood nicht besser hätte ausdenken können. Getragen von Marcus‘ kerniger Stimme, wurde das ehrwürdige Kulturhaus binnen Minuten zum Saloon und das Publikum hinaus aus Salzwedel hinein in die Weiten der amerikanischen Steppe getragen. Mehr Groove und Gänsehaut-Garantie zu Beginn einer langen Nacht gehen wohl kaum. Das sah auch die Jury: Für seine vokale Leistung wurde Marcus Lifke als bester Sänger des diesjährigen Bundesfinales geehrt und freut sich über ein neues e945-Mikrofon sowie In-Ear-Monitoring-Kopfhörer aus dem Hause Sennheiser.

„Unseren Frontman Marcus erkennt man schon aus der Ferne an seiner rauen Stimme“, loben „Fin Dawson“ ihren Sänger. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

In ihrer Musik verarbeiten „Fin Dawson“ ihre Erlebnisse und beschreiben, wie sie die Welt wahrnehmen. „Häufig erkennt man die Stimmung wieder, in der der Song entstanden ist. Man lässt an die Oberfläche, was im Unterbewusstsein heranwächst und einen beschäftigt.“

Einst startete das Projekt als Gitarrenduo. Das war im Jahr 2014. Erst Ende 2018 hat die volle Besetzung von „Fin Dawson“ zueinander gefunden. „Sicherlich war der Start eine der bisher größten Herausforderungen“, sagt die Band heute. „Wer macht was? Wo wollen wir hin? Wie kommen wir dahin? Doch seitdem läuft es reibungslos und gefühlt gibt es jede Woche eine neue positive Entwicklung.“ Seither, so erzählen sie, erleben sie lauter „schönste Ereignisse“. Fast jedes Konzert gehöre dazu. „So waren es die großen Bühnen, die beindruckend waren und die kleinen Bühnen mit teilweise sehr intimer Stimmung.“

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Gefühlt jede Woche was Neues“

„Fin Dawson“ stecken voller Energie. „2019 war unser erstes Jahr und nun ist Booking für 2020 angesagt. Wir hoffen auf ein Jahr mit jeder Menge geiler Gigs. Dazu wird im Winter das neue Repertoire geschrieben.“ Dass das nicht immer einfach sein wird, ist ihnen jedoch bewusst. Um als Musikprojekt längerfristig bestehen zu können, sei viel Einsatz erforderlich. „Gefühlt jede Woche was Neues. Dabei stoßen wir oft an unsere Grenzen, da mittlerweile viele Bands sehr hochwertigen Content erzeugen“, räumen sie ein. Die aktuell größten Hürden für Newcomer in Deutschland seien ihrer Ansicht nach rare Proberäume, teure Aufnahmen und Veranstalter, die nur schwer auf den musikalischen Nachwuchs aufmerksam werden würden. Beirren lassen sich „Fin Dawson“ davon aber nicht. „Man darf sich davon nicht unterkriegen lassen und muss weitermachen.“ Es sei jedoch wichtig, dass die Politik lokale Clubs und Organisationen unterstützt, „damit Spielstätten erhalten bleiben und auch für die Künstler mehr als nur ein Kasten Bier übrigbleibt.“

Von „local heroes“, da sind sie sich hingegen sicher, werden sie definitiv profitieren. Sie hoffen auf nicht mehr oder weniger als viele „Gigs, Gigs, Gigs“.

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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„local heroes“-Bundesfinale 2019: „Me On Monday“ machen Pop-Punk der alten Schule http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-me-on-monday-machen-pop-punk-der-alten-schule/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-me-on-monday-machen-pop-punk-der-alten-schule/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:39:05 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-me-on-monday-machen-pop-punk-der-alten-schule/

Schon am Erfurter Hauptbahnhof gewannen sie die Herzen von Jury und Publikum: In Salzwedel setzten „Me On Monday” noch einen obendrauf. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch die Landesfinalisten aus Thüringen „Me On Monday“. Die fünf jungen Leute aus Jena und Leipzig, die mit Startnummer drei ins Rennen gingen, begeisterten Jury und Publikum und holten am Ende den Sieg nach Thüringen. Sie erhielten die beste Jurywertung und konnten zudem die meisten Zweitstimmen aus dem Publikum für sich gewinnen.

„Es gibt, wie wahrscheinlich bei den meisten Bands, keine alleinige Anekdote – jeder könnte eine eigene erzählen“, so Marius, Frontmann von „Me On Monday“, auf die Frage, wie seine Band zusammengefunden hat. Seine jedenfalls beginnt ziemlich charmant mit einer Facebook-Anzeige vor knapp drei Jahren, in der eine Pop-Punk Band aus der Region ein Gesuch inserierte. „Bei meiner aktuellen Band war klar, dass es in ein paar Monaten nach einer Abschlusstour nicht mehr weitergehen würde und da ich meinen Traum nicht aufgeben wollte, habe ich bei den Jungs vorgesungen“, erinnert er sich zurück. „Ich musste wie in einem Casting vorsingen und die Jungs meinten, dass sie danach einstimmig entschieden hätten, niemanden mehr einzuladen.“

So schön strahlen Sieger: „Me On Monday” räumen in Salzwedel den Titel ab. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Living To Get More“

„Me On Monday“ hat gut an dieser Entscheidung getan. Für Max, Lukas, Steffen, Titus und Marius war 2019 „echt turbolent“. Die größte Herausforderung sei für sie die Vorbereitung des neuen Musikvideos zu „Living To Get More“ gewesen. „Noch nie habe ich uns als Gruppe so unsicher erlebt, ob wir eine Sache überhaupt gestemmt bekommen. Am Ende war der Dreh aber sehr witzig und es hat alles besser funktioniert, als wir das je gedacht hätten“, erzählt der Sänger. Überhaupt seien in den vergangenen Monaten „viele tolle Dinge passiert“. Die Siegerehrung beim Landesfinale in Thüringen, der Anruf, dass die Band auf Vita Cola Clubtour 2019 fahren dürfe oder als das jüngste Video abgedreht war und „gefühlt jedem ein riesiger Stein vom Herzen fiel“.

Der Sieg beim „local heroes“-Bundesfinale 2019 sei nun „die Kirsche auf dem riesigen Sahneberg“ – übrigens auch für die mitgereisten Fans. Denn kaum erwähnte Moderator Dennis Depta auch nur den Namen der Band, war der Jubelsturm groß und riss auch im Laufe ihrer 20-minütigen Darbietung nicht ab. Kaum verwunderlich, setzten die Fünf doch ab Sekunde eins auf Tempo, Tempo und nochmals Tempo. Ihrer Energie konnten sich selbst die Jüngsten unter den Zuschauern nicht entziehen. Es wurde getanzt, gesungen und gejubelt – ganz nach dem Motto ihres ersten Songs „Living To Get More“. Nicht nur ihren Fanclub begeisterten die fünf Musiker: „Der Zweitstimmenpreis ist uns so viel wert, weil er bedeutet, dass gerade die Leute, die uns noch nicht kannten, für uns gestimmt haben.“

Das „local heroes”-Bundesfinale war schon länger ihr großes Ziel. Am 9. November wurde der Traum von „Me On Monday” endlich wahr. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Power-Entladung auf der Bühne“

„Unsere Musik erinnert die meisten an die Tage zurück, in denen sie noch auf dem
Skateboard standen, ‚American Pie‘ geschaut oder ‚Tony Hawk‘ gezockt haben“, beschreiben „Me On Monday“ ihren musikalischen Stil. Es sei Pop Punk der „alten Schule“, gepaart mit neuen Einflüssen und einer echten „Power-Entladung auf der Bühne“. „Wir versuchen, den HörerInnen bei jedem Song einen Moment zu geben, der kurz aufhorchen lässt. Kein einfaches A-B-A-B-Schema – ein C unterzubekommen ist das große Ziel“, sagen sie schmunzelnd. Im Leben aller Bandmitglieder habe sich viel verändert. Manche seien umgezogen, sie hätten Bandkollegen verloren und dazubekommen, hätten Trennungen hinter sich gebracht und müssten viel für ihren großen Traum zurückstecken. „Deswegen berichten viele Songs auch von Veränderung, von der Bewältigung solcher Situationen oder von der Sehnsucht, einen wichtigen Schritt zu machen, der das Leben auf neue Weichen stellt.“

„Ich sehe Me On Monday weit vorne, weil das eine phantastische Liveband ist, die eine unglaubliche Energie auf der Bühne verströmt, die sich ins Publikum übermittelt“, so Ole Löding. Der Juror lobt sowohl den Gesang von Frontmann Marius Henschel als auch die Instrumentalisten und das Songwriting der Band. „Und das in einem Genre, das nicht neu, aber zumindest lange nicht gehört ist – vor allem in Deutschland.“ Die neunköpfige Jury kürte die Band am Ende des Abends als Sieger des diesjährigen Bundesfinales.

Wie „local heroes“-Gewinner sich auf eine Show vorbereiten? „Wir feilen an einem Liveset, bei dem man sich anschnallen muss, um nicht aus der Halle zu fliegen“, kündigten „Me On Monday“ an. Und genau das haben sie auch abgeliefert. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Als Siegerband durften sich die Jungs nicht nur über ein MK4 Mikrofon aus dem Hause Sennheiser, einen 500-Euro-Gutschein für Musikequipment von Thomann und einen First-Class-Deal mit umfassender Releaseplanung und Storepromotion von recordJet freuen. Der digitale Musikvertrieb legte zudem noch eine exklusive CD-Pressung für das nächste Release der Band mit drauf. Die Gewinner erhielten zusätzlich den Förderpreis des Ministeriums für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt für eine Promotionleistung. Außerdem bekam die Band für ihren Zweitstimmensieg einen BrandRocks-Gutschein im Wert von 200 Euro.

„Viele gute Bands und tolle Leute aus der Musikszene“

Am „local heroes“-Bandcontest haben die Fünf aus voller Überzeugung teilgenommen. Bereits seit längerem sei es ein großer Wunsch von ihnen gewesen, ins Bundesfinale einzuziehen und diese Veranstaltung als Band live mitzuerleben. So stand die Band im vergangenen Jahr bereits unter ihrem ehemaligen Bandnamen „A Shade Higher“ im Landesfinale ihres alten Heimatbundeslandes Sachsen-Anhalt. „Bei der Fülle an guten Bands“ sei es ihnen aber nicht so sehr um einen Sieg gegangen, sondern vielmehr darum „viele Bands und tolle Leute aus der Musikszene“ kennenzulernen. „Wir haben aus dem local heroes-Kontext schon unglaublich viel Hilfe erfahren und tolle Menschen kennengelernt, die wir auch gerne wiedersehen wollen.“ Der Wettbewerb sei, da wären sie sich einig, „der liebevollste und bestorganisierteste, an dem wir jemals teilgenommen haben.“ Bereits den Tag des Landesfinales in Erfurt hätten sie sehr genossen und seien wirklich „geflasht“ gewesen, dass sie den Publikums- und den Jurypreis abräumen konnten.

Interview bei Howie Yagaloo. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Natürlich verbinden die Musiker auch Hoffnungen mit „local heroes“. „Ich hoffe wirklich auf eine tolle Band, die vielleicht musikalisch gut zu uns passt und in einem ganz anderen Teil Deutschlands Kontakte hat. Dann bietet sich vielleicht eine gemeinsame Tour für 2020 an. Da hätten wir sehr viel Bock drauf“, ist Sänger Marius schon jetzt voller Vorfreude auf alles, was da noch so kommen mag. Toll wären auch direkte Kontakte in die Musikszene. „Wir suchen immer coole Leute, mit denen wir lange zusammenarbeiten können.“

Es braucht wieder echte Rockstars

„Mir persönlich ist es wichtig, dass ich merke, dass die Band dort oben ihren Traum lebt, mit dem Publikum kommuniziert und es fesseln kann“, so Marius auf die Frage, was ihnen als Band wohl die wichtigsten Bewertungskriterien seien. Für ihn und seine Bandkollegen ist dieser Traum gerade in vollem Gange. Noch im Oktober waren sie auf Vita Cola Clubtour durch den Osten Deutschlands unterwegs. Gleich danach präsentierten sie eine ganz neue Coversingle. Musikvideodrehs und das Booking für das kommende Jahr stünden ebenfalls noch an. „Es wird nicht ruhiger, aber das brauchen wir auch, um unsere Begeisterung für die Sache weiterhin so zu erhalten.“

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Das ist offenbar auch genau das, was es eben braucht, um langfristig als Musikprojekt zu bestehen. „Wir versuchen sehr viel Zeit miteinander zu verbringen, weil uns das wichtig ist. So schafft man es bei all der Arbeit auch privat vieles auszuwerten. Es gibt für jeden von uns Phasen, in denen die Welt außerhalb so schwer wiegt, dass der Bandkram manchmal zu viel wird. Das kommunizieren wir mittlerweile aber sehr gut, um auch entlasten zu können. Ich hoffe, dass dies der goldene Schlüssel für die kommenden Jahre sein kann“, so Marius entschlossen. Danach gefragt, was aktuell die größten Hürden für Newcomer*innen seien und was sie sich vielleicht gerade von politischer Seite in Sachen Newcomer-Förderung wünschen würden, fällt die Antwort ebenfalls eindeutig aus. „Die größte Hürde sehe ich gerade gar nicht auf politischer Seite, sondern dass es wieder genug ‘Rockstars‘ geben muss, die die jungen Menschen zu Musikinstrumenten ziehen“, so die Einschätzung des Frontmanns. „Ich höre auch HipHop sehr gern, aber gerade hat Rockmusik einen schweren Stand. Eine Trendwende zurück ist aber meines Erachtens wieder wahrnehmbar und dann werden auch wieder mehr Newcomer-Bands am Start sein.“

Mehr Newcomer-Bands aus allen Genres auf die große Bühne zu bringen – dieses Ziel verfolgt „local heroes“ seit zwei Jahren auch wieder in Thüringen. Der Newcomer-Contest hatte dort lange Zeit pausiert und war erst im vergangenen Jahr mit einem fulminanten Landesfinale in Kooperation mit dem Netzwerk diePOP, der Deutschen Bahn und „Mein Einkaufsbahnhof“ zurückgekehrt. „local heroes“-Chefin Julia Wartmann freut sich deshalb ganz besonders, dass der Sieg nach Thüringen geht. „Thüringen hat mit diePOP eine Initiative gegründet, die sich ganz frisch für Popmusik in Thüringen stark macht. Dass der Titel dorthin geht, ist natürlich eine große Ehre, der der Initiative und der Musikszene dort hoffentlich einen großen Push gibt.“ Julia Wartmann lobt die intensive ehrenamtliche Arbeit von „diePOP“. „Gerade solche Titelgewinne können da viel bewegen. Das war vor einigen Jahren unter anderem in Berlin der Fall, als Peak City gewonnen hat.“ Hier wird einmal mehr sichtbar, dass „local heroes“ nicht nur für fulminante Events wie das gestrige Bundesfinale steht, sondern wichtige Basisarbeit auch in Regionen leistet, in denen es bislang eine kaum sichtbare Popmusikszene gibt.

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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„local heroes“-Bundesfinale 2019: „Federhall“ setzen auf elegante Vintage-Ästhetik http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-federhall-setzen-auf-elegante-vintage-aesthetik/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-federhall-setzen-auf-elegante-vintage-aesthetik/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:38:10 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-federhall-setzen-auf-elegante-vintage-aesthetik/

Vintage-Zwirn, Synthesizer und „Bonner Liebe“: Die Magdeburger Band „Federhall“ nahm das „local heroes“-Publikum mit auf eine Reise in die Vergangenheit. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch die Landesfinalisten aus Sachsen-Anhalt „Federhall“. Die fünf jungen Leute aus Magdeburg, die mit der Startnummer sechs ins Rennen gingen, begeisterten die Zuschauer*innen und holten sich den Publikumssieg.

Diese Fünf scheuen wahrhaft keine Herausforderung. Musikalisch geht das Quintett gern eigene Wege. Videos, die völlig in Eigenregie entstehen, oder Zehn-Minuten-Songs mit variablem Tempowechsel und vielen unterschiedlichen Facetten, die komplett auf Tonband aufgenommen werden, seien da nur beispielhaft genannt. Und auch in Sachen „Live-Einsatz“ gehören Leroy, Mark, Nico, Robin und Hannes von „Federhall“ offenbar zu den „Arbeitstieren“ unter den Newcomern. Denn „local heroes“ war nicht der erste Wettbewerb für sie in diesem Jahr. „Wir haben 2019 bereits einen anderen Bandcontest für uns entscheiden können und hatten in der gleichen Nacht noch ein zweites Konzert in einer komplett überfüllten und stimmungsgeladenen Location in Magdeburg, wo wir unsere ganze Freude dann zusammen mit dem Publikum entladen konnten“, erinnern sie sich zurück.

Für das Publikum waren „Federhall” die beste Band des Abends. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Ein ähnliches Gefühl dürfte sich bei „Federhall“ auch während des Bundesfinales in Salzwedel eingestellt haben. „Wir sahen die Chance auf interessante Konzerte und die Möglichkeit andere Bands und Verantwortliche kennenzulernen. Das hat bis jetzt auch gut geklappt.“ Sehr überrascht habe sie das Engagement aller Mitwirkenden des „local heroes“-Teams. Es werde sich sehr gut um alle Bands gekümmert. Dazu sei alles phantastisch organisiert. „Durch die Anzahl der Künstler wird es zwischen den Auftritten etwas stressig. Immer ein Wunder, wie alles dann doch funktioniert.“ Sehr gut funktioniert hat auch ihre eigene Darbietung in Salzwedel. „Federhall“ lieferten wohl nicht nur das optisch eindrucksvollste Kontrastprogramm dieses Bundesfinales. In eleganten Vintage-Zwirn gehüllt, vermochten sie ihr Publikum in die Welt „zwischen 80er Synthesizern und kratzigen Surfgitarren, zwischen Las-Vegas-Spielkasino und DDR-Eckkneipe“ zu entführen. Oder einfach ausgedrückt: Selbst Quentin Tarantino hätte an diesen fünf Musikern seine wahre Freude gehabt. „From Dusk Till Dawn“ lässt grüßen!

Ein langer Atem zahlt sich aus: „Federhall” standen bereits im vergangenen Jahr unter ihrem ehemaligen Bandnamen „Desert Sweet” im Landesfinale von Sachsen-Anhalt. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Warme und positive Gefühle

„Wir versuchen schon sehr viele verschiedene musikalische Puzzleteile vergangener Musikepochen in einem frischen und modernen Kontext wieder zusammenzusetzen“, erklären sie ihren musikalischen Stil. „Dazu versuchen wir eine elegante Vintage-Ästhetik an den Tag zu legen. Gepaart mit den Einflüssen aus der deutschen Musikgeschichte (Kraut/NDW) glauben wir, mittlerweile eine recht einzigartige Mischung anbieten zu können.“ Die erste Priorität, so erklären die Fünf, werde bei ihnen immer die Klangästhetik sein. Im englischsprachigen Raum habe sich dafür das schöne Wort „timbre“ etabliert. „Aus diesem Grund nehmen wir auch auf Bandmaschinen auf und benutzen einiges an exotischem Equipment. Die Aufnahmen sollen schon durch ihren charakteristischen Sound warme und positive Gefühle auslösen.“ Auch beim Songwriting gehen „Federhall“ eigene Wege. „Unsere Ambitionen gehen stetig in etwas komplexere und spannendere Abläufe sowie Kombinationen.“ Live komme natürlich der Anspruch hinzu, die eigenen Werke möglichst in „spielerischer Höchstform“ zu präsentieren.

Interview bei Howie Yagaloo. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Für die Landesfinalisten aus Sachsen-Anhalt steht immer das Gesamtkonzept im Vordergrund. „Musik, Text und auch mögliche visuelle Eindrücke wie Artworks und Videos folgen bei uns meist einem Thema“, fassen sie ihren Anspruch zusammen. Auf eine konkrete Botschaft, die sie als Band transportieren, wollen sie sich aber nicht festlegen lassen. „Bei ‚Bonner Liebe‘ zum Beispiel war der inhaltliche Schwerpunkt das geteilte Deutschland der 80er Jahre. Grund dafür war unser Interesse daran, auch mal die charmanten Phasen dieser Zeit zu beleuchten, die es ja durchaus auch gab. Daraus entstand dann ein Zehn-Minuten-Werk mit Musikvideo.“ Diesen Song gerade am Abend des 9. Novembers, dem 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls, auf die Bühne des Kulturhaus Salzwedels zu bringen – das war etwas ganz Besonderes. Denn auch das diesjährige „local heroes“-Bundesfinale hatte dieses wichtige historische Datum zum zentralen Thema gemacht.

Selbstverständlich ist die Band mit sehr konkreten Vorstellungen davon, wie Jury und Publikum eine Live-Performance beurteilen sollten, zum Bundesfinale gereist: „Wir denken, ein allgemein authentischer Eindruck ist wichtig. Wie innovativ ist die Band und sind grundlegende Punkte wie sicheres Spielen und Auftreten erfüllt?“ Die Art der Musik sollte ihrer Meinung nach aber keine Rolle spielen. Denn das sei ja bekanntlich Geschmackssache.

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„local heroes“ gibt wichtige Tipps und auch Kritik

Für „Federhall“ steht jedenfalls fest: „Wir haben schon sehr von der Teilnahme an ‚local heroes‘ profitiert. Die Erfahrung des Teams und die Workshops für die Bands geben wichtige und interessante Tipps. Kritik war für uns schon immer ein wichtiger Eckpfeiler in der Bandentwicklung. Wir lernten Musiker, Fotografen und Veranstaltungsplaner kennen. Viele bieten ihre Hilfe oder Zusammenarbeit an. Dazu hilft uns ‚local heroes‘, unsere musikalische Arbeit zu präsentieren und Leute zu erreichen“, fassen sie ihre Eindrücke zusammen. „Ständige Weiterentwicklung und Selbstreflexion sind uns sehr wichtig. Dazu gehören auch häufiges Proben und das Auswerten der vergangenen Shows.“

Nach der Siegerehrung fehlten den fünf Musiker jedoch zunächst die Worte: „Gerade sind wir einfach nur erschlagen.“ Dennoch freut sich die Band über ein sattes Preispaket für ihren Publikumssieg, bestehend aus einem 400-Euro-Gutschein von dem Merchandise-Anbieter BrandRocks, einem Release für ein Album und eine Single sowie einer CD-Pressung, gestiftet von recordJet.

Wenn sich Folk- und Funkelemente treffen, ist es Zeit für eine Runde „Federhall”. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Bloßes Musizieren reicht nicht mehr.“

Und wie geht es nach dem Bundesfinale für sie weiter? „Wir schreiben Musik, nehmen sie auf und spielen sie live. Diese Prozedur wiederholt sich immer wieder. Jetzt gerade schreiben wir neue Songs und planen eine dritte EP. Dazu bewerben wir uns für Festivals 2020 und schauen nach guten Locations für neue Shows.“ Doch um wirklich nachhaltig im Musikzirkus zu bestehen, braucht es mehr. „Eine immer wichtigere Komponente für aktuelle Künstler stellt der Umgang mit den sozialen Medien dar, wo auch wir unseren Fokus in den letzten Monaten deutlich erweitert haben. Dennoch werden für uns auf Dauer stets die klassischeren Komponenten wie Songwriting und spielerische Fähigkeit priorisiert sein.“

Die größte Herausforderung für junge Bands sei ihrer Ansicht nach das Herausstechen aus dem zunehmend übersättigten Musikmarkt. Heutige Produktionsmöglichkeiten sorgten laut „Federhall“ für enorm viele solide Musikaufnahmen. Deshalb müsse man sich eben in den anderen Disziplinen behaupten, um aus der Masse herauszustechen. „Bloßes Musizieren reicht nicht mehr.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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„local heroes“-Bundesfinale 2019: „Modeste“ regen zum Träumen an http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-modeste-regen-zum-traeumen-an/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-modeste-regen-zum-traeumen-an/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:35:18 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-bundesfinale-2019-modeste-regen-zum-traeumen-an/

„Wir machen Alkopop mit viel Geblitze: Von Omi missbilligt, aber verlockend süß“, sagen „Modeste“. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer-Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch die Landesfinalisten aus Rheinland-Pfalz „Modeste“. Die drei jungen Leute aus Landau gingen mit Startnummer vier ins Rennen.

„Wir fanden, wie es der Zufall will, im Sommer 2015 zusammen, als jeder von uns Dreien auf der Suche nach neuen musikalischen Ufern war“, erinnern sich „Modeste“ aus Landau an ihre Anfänge zurück. „Wir hatten bis dahin zwar jeweils völlig unterschiedliche Dinge ausprobiert, aber doch eine gleiche Vorstellung von unserer Zukunft, verbunden mit einer enormen, durch nichts zu erschütternden gegenseitigen Sympathie auf menschlicher Ebene.“ „Modeste“? Diesen Namen haben Mario, Marian und Lukas nicht ohne Grund gewählt. „Es ist der Vorname eines Geflüchteten, der ebenfalls im Sommer 2015 aus der Zentralafrikanischen Republik über viele Umwege in Marians Heimatdorf kam.“

Treibender und tanzbarer Elektrosound: „Modeste” brachten viel Schwung ins „local heroes”-Bundesfinale. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Aus Fremden werden Freunde

Ihre Band, so erzählen sie vor ihrem großen Auftritt im Kulturhaus von Salzwedel, sei zunächst aus drei komplett fremden Personen entstanden. „Nachdem unser Miteinander anfangs nur auf musikalischen Gemeinsamkeiten und einer gemeinsamen Vision beruhte, sind wir über die Jahre, diverse Erfahrungen, viele gute und schlechte Gigs sowie persönliche Höhen und Tiefen zu Freunden und Vertrauenspersonen füreinander geworden.“ Besonders gerne erinnern sich „Modeste“ noch heute an die Heimfahrt von einem Songwriting-Wochenende in einem abgeschiedenen Hüttchen im Schwarzwald. „Als wir uns die zuvor erarbeitete Demoversion unserer Single ‘Alles in Scherben‘ anhörten und zum ersten Mal wirklich das Gefühl hatten, etwas Besonderes geschaffen zu haben.“

„Wir denken von Song zu Song, wollen Grenzen überschreiten und in unseren Stücken all das verarbeiten, was uns berührt“, erklären „Modeste“, was ihnen in ihrer Musik besonders wichtig ist. „Wir wollen zum Träumen und zur Selbstreflexion anregen. Politische Themen verstecken wir gerne in Doppeldeutigkeit*innen. Wir sind im Herzen links-grün versifft, aber nicht immer politisch korrekt. Dafür provozieren wir einfach zu gern.“

„Modeste” hatten schon den „geilsten Sommer ihres Lebens”. Was sollte da noch kommen? Klar, das „local heroes”-Bundesfinale. (Foto: Christoph Eisenmenger / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Auch in Salzwedel gelang ihnen ein besonderer Auftritt. Vom ersten Moment an hielt das Trio das Energielevel hoch – und machte doch keinen Halt vor ernsten Tönen. Schon im Opener beschwor Frontmann Marian eine tiefe Melancholie, die in starkem Kontrast zu den treibenden Synthies standen, die den Sound der Band so charakteristisch machte. Drummer Lukas wechselte indes zwischen Keys, Effektgerät und Schlagzeug, um jedem Song ein unverkennbares Klangbild zu verpassen. Mit ihren deutschsprachigen Texten gab sich die Band bewusst kontrovers und machte ihrem künstlerischen Anliegen, der Provokation, alle Ehre, ohne dabei den Kontakt zum Publikum zu verlieren.

„local heroes“-Bundesfinale – eine Riesenüberraschung

Am „local heroes“-Newcomer-Contest nehmen sie aus voller Überzeugung teil. „Wir möchten viele nette neue Leute kennenlernen, uns von anderen Künstlern inspirieren lassen, uns weiterentwickeln und einfach in allen Bereichen dazulernen“, sagen die Drei unisono. Die Nominierung für das Finale war für sie jedoch eine Riesenüberraschung. „Bei uns in Rheinland-Pfalz finden keine Vorrunden statt. Man muss nominiert werden. Das kam verdammt unerwartet, bei den ganzen geilen Bands, die es hier gibt. Wir freuen uns, über die Teilnahme bei ‘local heroes‘ Menschen auf uns aufmerksam machen zu können, die uns bisher vielleicht noch nicht kannten. Falls sich darunter der ein oder andere befinden würde, der Lust hat mit uns zu arbeiten – oder sei es nur konstruktiv in Kontakt zu bleiben – dann wäre das schon ordentlich.“

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Die geilste Mischung aus elektronischer und Rockmusik in deutscher Sprache

Für das Bundesfinale haben sie sich jedenfalls schon im Vorfeld ordentlich ins Zeug gelegt. Sänger Marian, der derzeit in Kalifornien unterwegs ist, reiste eigens für den Auftritt an. Und darüber hinaus? Pläne gibt es zuhauf. „Dieses Jahr werden wir noch zwei Singles releasen. Im Winter wollen wir uns wieder in einer abgelegene Waldhütte verschanzen und im eigenen Saft schmorend neue Songs gebären“, zählt das Trio auf. „Im Dezember bauen wir einen großen, transportablen 3D-LED-Screen, der in der nächsten Saison Live-Visuals abfeuert. Wir wollen die geilste Mischung aus elektronischer und Rockmusik in deutscher Sprache schaffen. Den Futurismus und die Tanzbarkeit des einen mit dem Lebensgefühl und dem Rebellischen des anderen verbinden.“

Ob das klappt? „Modeste“ sind auf jeden Fall davon überzeugt. „Wir sind alle totale Träumer und dazu vollkommen bescheuert: Diese Kombination ist eine unfassbare Antriebskraft!“ Für ein langfristiges Bestehen sei Zwischenmenschlichkeit das Wichtigste auf der Welt. Sie selbst seien innerhalb der letzten Jahre zu einer Mischung aus Familie, Freunden und Kollegen füreinander geworden. „Das passiert scheinbar, wenn man fast jeden Tag miteinander verbringt und gemeinsam für etwas brennt.“ Zentral dafür sei das gegenseitige Vertrauen, dass sie – egal was passiere – immer zusammenhalten und für alles immer eine Lösung fänden: „Egal wie schwierig die Situation auch sein mag.“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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„local heroes 2019“: Mit „Vor Rotterdam“ auf großer Reise http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-2019-mit-vor-rotterdam-auf-grosser-reise/ http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-2019-mit-vor-rotterdam-auf-grosser-reise/#comments Mon, 18 Nov 2019 00:33:45 +0000 reontourblog Allgemein http://REONTOURblog.blogsport.de/2019/11/18/local-heroes-2019-mit-vor-rotterdam-auf-grosser-reise/

„Dank Euch konnten wir Brandenburg repräsentieren und hatten die Chance viele tolle Menschen kennenzulernen“ bedanken sich „Vor Rotterdam“ bei ihren Fans. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Am 9. November brachten insgesamt 15 Newcomer Acts aus ganz Deutschland beim „local heroes“-Bundesfinale die Bühne im Kulturhaus von Salzwedel zum Beben. Mit dabei waren auch „Vor Rotterdam“ aus Brandenburg. Die vier jungen Leute gingen mit Startnummer acht ins Rennen.

„Jeder Auftritt, jede Probe und jeder Abend hat seine kleinen, aber feinen Geschichten“, erklären „Vor Rotterdam“ auf die Frage, ob es für sie in ihrer Bandgeschichte wohl ein schönstes Erlebnis gegeben habe. Ausgesprochen gerne erinnern sie sich jedoch an ihre Auftritte beim Summer Island Open Air in Lübben zusammen mit Lotte und Max Giesinger sowie ihren Auftritt als Headliner beim diesjährigen Fest zur Deutschen Einheit in Berlin vor dem Brandenburger Tor. Seit dem 9. November 2019 dürfte für Christoph, Lukas, Bruno und Christopher eine weitere schöne Erinnerung dazugekommen sein: Das „local heroes“-Bundesfinale 2019.

Das dauerte keine zehn Sekunden: „Vor Rotterdam” hatten das Publikum in Salzwedel sofort auf ihrer Seite. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Musikalische Welten erkunden

Mit „ambitioniertem Pop mit Einflüssen aus Indie und Rock“ waren sie in Salzwedel angetreten, um ihr Bundesland Brandenburg gebührend zu vertreten. „Wir sind sehr detailverliebt und wollen nichts dem Zufall überlassen“, fassen sie noch vor ihrem großen Auftritt das zusammen, was ihnen in ihrer Kunst am entscheidendsten erscheint. Es sei für sie essenziell, dass sie „jeden Winkel“ ihrer eigenen musikalischen Welt kennen würden, „damit wir gemeinsam das Publikum auf eine packende Reise dorthin entführen können.“ Die größte Herausforderung bestehe darin, den Fokus nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht auf bereits gegangenen Schritten auszuruhen. Das Wichtigste dabei: „Authentizität – Musik muss ehrlich sein.“

Auf der Bühne des Kulturhauses hielten sie Wort: „Die Tasche ist gepackt…“, sang Frontmann Christoph ins Publikum und man mochte ihm und seiner Band nur allzu gerne folgen. Es dauerte keine zehn Sekunden bis „Vor Rotterdam“ die Menschen im Kulturhaus vollends auf ihrer Seite hatten. Die Geschichten des Quartetts nahmen sie mit auf eine Reise von Salzwedel bis nach Australien, getragen von temporeichen Nummern, die fließend in nachdenkliche Songs hinüberglitten. „Ich mag dich irgendwie vielleicht“, lautet eine ihrer Zeilen – nicht nur die mitgereisten Fans können daraus ein eindeutiges „Ich mag dich!“ machen.

Interview bei Howie Yagaloo. (Foto: Dani Red / Aktion Musik • local heroes e.V.)

„Es war uns schon immer wichtig, dass unsere Musik den Gedanken und Gefühlen entspringt, die wir in uns tragen“, so das Quartett. „Wir wollen einen ehrlichen und authentischen Ausdruck unserer Wahrnehmungen finden.“ Viele ihrer Lieder drehten sich um die Themen Liebe, Partnerschaft und Zwischenmenschlichkeit im Allgemeinen, weil das in den letzten Jahren die Bereiche in ihrem Leben gewesen seien, die sie am meisten beschäftigt und bewegt hätten. „Wir konnten aber vor allem durch unsere gemeinsamen Erfahrungen der letzten zwölf Monate viele neue Perspektiven auf ganz unterschiedliche Aspekte des Lebens gewinnen.“ Eindrücke, die sie auch mit dem Salzwedeler Publikum teilten.

Für die jungen Männer, die sich einst beim Campen in den Niederlanden in Katwijk aan Zee, vor den Toren Rotterdams, kennengelernt haben, steht fest: „‘Local heroes‘ bietet uns die Möglichkeit, neue Leute und Mitmusiker kennenzulernen. Es bietet ein ganz eigenes Netzwerk.“ Sowohl die Vorrunde als auch das Finale in ihrem Bundesland hätten sie bereits sehr genossen, sich „tierisch“ über den Sieg gefreut und seien mit vielen Menschen in Kontakt gekommen. „Wir hoffen, dass unser Schlagzeuger endlich die Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommt, die er verdient“, so ihr dringlichster Wunsch im Zuge des Newcomer-Contests. Sie wissen aber auch: „Erfolg ist kein Glück, sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen, das Leben zahlt alles mal zurück, es kommt nur ganz darauf an, was du bist: Schatten oder Licht.“

Unplugged auf der Foyer-Bühne. (Foto: Julia Schwendner / Aktion Musik • local heroes e.V.)

Entsprechend wünschen sich die vier Musiker auch mehr Unterstützung „von oben“. „Musik“, so sagen sie, „ist ein teures ‘Hobby‘, welches in der heutigen Zeit wenig finanzielle Wertschätzung erfährt. Künstler können sich nicht vollständig auf die Kunst konzentrieren, da sie für ihren Lebensunterhalt sorgen müssen.“ Hier gehe viel Kreativzeit und Input verloren, von dem in der Gesellschaft niemand profitieren könne. Einen besonderen Wink geben „Vor Rotterdam“ allerdings in Richtung Booker. In ihren Augen könnten diese mehr Mut beweisen und Newcomern echte Chancen geben, sich zu beweisen.

Der beste Gig der Bandhistorie

Um in Salzwedel zu bestehen, haben „Vor Rotterdam“ einiges getan. „Unser Ziel ist es, dass der nächste Gig der Beste der Bandhistorie wird. Wir werden uns in den Probenraum einschließen und kommen erst wieder raus, wenn alles gut ist“, verrieten sie im Vorfeld. „Zusammen mit der BMA haben wir uns um einen Fan-Bus gekümmert und hoffen möglichst viele Fans in Salzwedel begrüßen zu können.“ Dieses Ziel ist ihnen am Samstag in Salzwedel geglückt – auf ganzer Linie. Ist das noch zu toppen? Vielleicht. Denn „Vor Rotterdam“ hat weiterhin viel vor: „Eine neue EP! Und wir wollen beim Hurricane Festival die Mainstage rocken!“

Text: Nicole Oppelt/Lina Burghausen

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